"Die Juden in Forchheim wurden behandelt wie ein Stück Vieh", erzählt Archivar Rainer Kestler bedrückt vom Abtransport der letzten noch lebenden Juden in Forchheim im Winter 1941. Sie wurden am Paradeplatz abgeholt, nach Bamberg und anschließend nach Theresienstadt ins Konzentrationslager gebracht, wo sie von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Vertieft hören die Elftklässler des Fränkischen-Schweiz-Gymnasiums zu, wirken sprachlos. Obwohl sie sich schon seit September vergangenen Jahres mit der jüdischen Geschichte in Forchheim beschäftigen, erschrecken sie die Schikanen, Demütigungen und Deportationen gegenüber der jüdischen Bevölkerung immer wieder aufs Neue.
Die zehn Schüler des P-Seminars organisieren für November auf eigene Faust eine Ausstellung zur Geschichte der Juden in Forchheim. Bei Kestler waren sie dafür an der richtigen Adresse. Im Stadtarchiv stellte er den Gymnasiasten die Stadtchronik, Exponate, Urkunden, Bilder und zahlreiche Beiträge aus Tageszeitungen zur Verfügung. Ruhig und in sich gekehrt blätterten sie sich durch die aufschlussreichen Dokumente und lasen sich gegenseitig immer wieder Ausschnitte daraus vor.
Besonders bewegte sie das Hetzblatt "Der Streiter", das damals von dem Forchheimer Gottlieb Kärgelein herausgegeben wurde. "Das ist unglaublich, in einer Ausgabe von 1927 steht schon: Es lebe Adolf Hitler", ist der 17-jährige Kevin Dorscht aus Muggendorf erschüttert. Auch Kestler betont: "Das ist purer Abschaum." Bis die Nazis an die Macht kamen, hätten Juden und Forchheimer ihm zufolge immer einen "hervorragenden Kontakt" gehabt.

Erinnerungen wach halten


"Es ist wichtig, dass ihr jungen Leute wisst, dass diese dunkle Zeit auch direkt vor Ort stattfand. Das war eine schreckliche Zeit, das darf nie wieder passieren", mahnte der Archivar im Gespräch mit den Schülern. Auch das verstärkte Aufkommen von Neonazis war deswegen Thema beim Besuch der Schüler im Stadtarchiv. Intensiv diskutierten die Jugendlichen mit Kestler. Er machte ausdrücklich deutlich: "Schweigen ist das Schlimmste, was man machen kann."


Zahlen In Forchheim lebte während der NS-Zeit eine kleine jüdische Minderheit. Juden wurden vertrieben, verschleppt und ermordet. 20 jüdische Bewohner der fränkischen Stadt sind verzogen, 24 wanderten aus. 13 Juden wurden 1941 in Konzentrationslager deportiert und ermordet.