Zwei anstrengende Wochen liegen hinter dem Baufachberater Carl Schell vom Technischen Hilfswerk (THW) in Forchheim. Neben Einsätzen in Simbach war der Baufachberater mit einem weiteren Helfer auch beim Brückeneinsturz an der Autobahn 7 und beim Hochwasser in Breitengüßbach im Einsatz.

In Folge des verheerenden Hochwassers im Landkreis Rottal-Inn erhielt der Baufachberater am Abend des 5. Juni den Einsatzbefehl, ab 6. Juni die Einsatzkräfte vor Ort zu unterstützen. Nach schnellem Packen der persönlichen Ausrüstung, Verladen der zusätzlichen Ausstattung und einer kurzen Nachtruhe ging es am Morgen gegen nach Pfarrkirchen, Sitz des Landratsamtes Rottal-Inn.

Nach einer kurzen Einweisung durch den Kreisbaumeister des Landkreises ging es für die drei Baufachberater aus den Ortsverbänden Forchheim, Roth und Neuburg an der Donau mit jeweils einem Mitarbeiter des Bauamtes nach Simbach am Inn und in die anderen betroffenen Gemeinden. Aufgabe der Trupps was die Beurteilung der Gebäude auf Standsicherheit und weitere Nutzbarkeit.


Gebäude sind abzureißen

Da viele der Gebäude bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht besichtigt worden waren, wurde hier die Erstbegehung durchgeführt, um eine Einschätzung der Gefährdung zu erhalten. Bereits hier zeigte sich, dass einige Gebäude unverzüglich abgerissen werden mussten, um die Einsatzkräfte und freiwilligen Helfer nicht weiter zu gefährden. Zumeist handelte es sich um Gebäude oder Gebäudeteile, die an neuralgischen Plätzen oder Straßen standen, welche ein weiteres, gefahrloses Vordringen in weitere Schadensgebiete verhinderte.

Gleichzeitig wurde begonnen, beschädigte Gebäude zu überwachen. Hierfür wurden die vorhandenen Risse protokolliert, vermessen und teilweise mit sogenannten Rissmonitoren überwacht. An diesen Monitoren können auch kleinste Veränderungen der Risse abgelesen werden.

Eine weitere Aufgabe bestand darin, bereits früher gesperrte Gebäude zu besichtigen und für die Bewohner nach Möglichkeit wider zur Nutzung freizugeben. Teilweise wurden auch mit den Bewohnern gemeinsam Wertgegenstände oder wichtige Unterlagen aus den Häusern geholt.

Im Laufe des Donnerstags, 9. Juni, verschlechterte sich aufgrund von starken Regenfällen in manchen Bereichen die Lage dramatisch. So waren allein im Stadtgebiet Simbach am Inn zwei drohende Hangrutsche zu bekämpfen. Der Einsatz dauerte bis kurz vor 0 Uhr.

In der zweiten Einsatzwoche wurden die Rissmonitore überprüft und die Ergebnisse ausgewertet. Weitere Aufgaben waren wiederum die Beurteilung von Gebäuden und deren eventuelle Übergabe an die Eigentümer. Am frühen Mittwochnachmittag konnte der Forchheimer Baufachberatertrupp planmäßig den Einsatz im Katastrophengebiet beenden. Die beiden Helfer freuten sich auf einen ruhigen Abend zuhause.

Allerdings wurde diese Hoffnung bereits auf der Heimfahrt zerstört, als das Telefon klingelte und verkündete: "Einsturz einer Autobahnbrücke mit mehreren Toten und Verschütteten auf der A7 bei Schraudenbach! Baufachberater Forchheim unverzüglich zur Überwachung der Arbeiten mittels Einsatzstellen-Sicherungs-System (ESS) an die Einsatzstelle!"


Gefährdung verhindern

Angekommen an der Einsatzstelle wurde gemeinsam mit dem ESS-Trupp des THW Schweinfurt die bereits begonnene Überwachung ausgewertet. Im weiteren Verlauf wurden die Messergebnisse überwacht, um eine Gefährdung der eingesetzten Rettungskräfte zu verhindern. Gegen 23.50 Uhr durften sich die Helfer auf die wohlverdiente Ruhe freuen.

Doch bereits am Freitag gegen 13.30 Uhr wurde die Ruhe wieder unterbrochen. In Breitengüßbach im Landkreis Bamberg drohte durch Wassermassen ein Haus unterspült zu werden. Vor Ort wurden die Feuerwehrkräfte beraten und gleichzeitig das Gebäude überwacht. Nach Abschluss konnte das Gebäude wieder für die Bewohner freigegeben werden.