Frauen in farbenfrohen Trachten und mit traditionellen Kopfbedeckungen stehen zusammen an einem Marktstand und unterhalten sich angeregt. Nebenan berät eine Schneiderin zu selbstgenähten Kleidungsstücken. In einer alten Scheune leuchten, sorgfältig angeordnet auf langen Tischen, Stoffe in allen möglichen Farben.

Im Scheunenviertel von Ebermannstadt ging es an diesem Wochenende traditionell zu: Der sogenannte Historische Markt öffnete zum 20. Mal seine Pforten. Dabei stand am Marktsonntag insbesondere die fränkische Tracht im Mittelpunkt. Bereits zum dritten Mal präsentierte sich das oberfränkische Netzwerktreffen Tracht, das 2014 im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel gegründet wurde.

Bürgermeisterin Christiane Meyer erschien selbst in einer modernen Tracht nach historischem Vorbild und hob in ihrem Grußwort die lange geschichtliche Bedeutung "ihrer" Stadt hervor, die bereits seit 1323 das Marktrecht besitzt. Ebermannstadt kann stolz auf den Umgang mit seinen heimischen Traditionen und Kulturgütern blicken, die sich besonders auch in der Bewahrung des fränkischen Trachtenwesens widerspiegelt. Das Wissen um die Vielfalt der Stoffe und Nähtechniken sowie der Beratungsbedarf interessierter Kunden verlange den Schneiderinnen ein hohes Maß an speziellen Fertigkeiten und Kenntnissen ab.

Auch der Bezirkstagspräsident von Oberfranken und Schirmherr des 20. Historischen Marktes, Günther Denzler, verwies auf die Notwendigkeit, die Tracht als Teil der fränkischen Kultur zu erhalten. Hierfür, so Denzler weiter, muss die Freude an der Beschäftigung mit der Tracht geweckt und erhalten werden: ,,Nur was man liebt, bewahrt man." Wie jede andere Mode sei aber auch die Tracht einem stetigen Wandel unterworfen. Die Einflüsse aktueller und moderner Akzente machten sich auch optisch bemerkbar.

Landrat Hermann Ulm betonte in seinem Grußwort, dass die fränkische Tracht als lokaltypische Kleidung ebenso wie fränkische Gebräuche, Sitten und Liedgut einen wertvoller Beitrag zur Erhaltung der heimischen Kultur darstellt. Gerade in Zeiten der Globalisierung fördere sie den regionalen Zusammenhalt innerhalb des gemeinschaftlichen Lebens, sie sei ein ,,Bekenntnis zur Heimat". Die Grundlage einer fruchtbaren Trachtenarbeit bilden die zahlreichen Vereine, die sich auch darum bemühen, das Interesse der Jugend an den lokaltypischen Gewändern zu wecken.

Die Weitergabe des heimischen Kulturgutes an die nachwachsenden Generationen beschrieb auch die Vertreterin des Trachtengauverbands Oberfranken in ihrem Grußwort als wesentliche Aufgabe. Die fränkische Tracht verband sie zudem mit positiven Attributen wie Tradition, Region, Heimat, Charakter, Achtung, Treue und Tatkraft.

Birgit Jauernig vom Bauernmuseum Bamberger Land wies auf die Möglichkeit der vom Bezirk Oberfranken ermöglichten Trachtenberatung für Interessierte hin und stellte das von der VW-Stiftung geförderte Forschungsprojekt zum regionaltypischen Kleidungsverhalten seit dem 19. Jahrhundert am Beispiel Oberfrankens vor.

Im Rahmen des umfangreichen Bühnenprogramms, das sich an die Grußworte anschloss, bereicherten insgesamt über 100 Beitragende das Marktgeschehen. Trachtenschneiderinnen präsentierten dem Publikum eine Vielzahl der in den letzten Jahren in den Nähkursen gefertigten Trachtenkreationen. Zwischen den stündlich stattfindenden Darbietungen wurden die Marktbesucher mit zünftiger Blasmusik unterhalten. Ein konkretes Beispiel für die lebendige Jugendarbeit der Verbände konnten die Marktbesucher am Nachmittag auf der Festbühne erleben: Die Kindertanzgruppen aus Kirchehrenbach und Leutenbach führten mit ihren jüngeren und älteren Mitgliedern historische Tänze und Polkas wie beispielsweise den ,,Schlamperer" auf - natürlich in Trachten, die vom Fränkische-Schweiz-Verein gestellt wurden.