"Rechts, links, rechts, links, immer schön im Takt. Wir schaffen das!", feuern wir uns gegenseitig an. Seit einer Stunde paddeln wir, zu zweit in einem Kanu sitzend, auf der Wiesent und haben das Gefühl nicht weiter zu kommen. Wir machen eine Probefahrt bei "Aktiv Reisen".

Seit 17 Jahren bietet "Aktiv Reisen" Kanufahrten an. "Zwischen Mai und September finden täglich verschiedene Touren statt", erzählt Danny Stägler, der seit vier Jahren bei dem Unternehmen arbeitet und uns heute erklärt, auf was es beim Kanufahren ankommt. "Neben zwei Halbtagestouren, die jeweils circa sieben Kilometer lang sind, gibt es auch eine 15 Kilometer lange Tagestour."

Da wir beide keine erfahrenen Kanufahrerinnen sind, haben wir uns für eine der kürzeren Touren entschieden. Sie verläuft von Muggendorf nach Rothenbühl.

Mit uns sind noch etwa 20 andere Teilnehmer vor Ort. "Da wir heuer daheim Urlaub machen, dachten wir uns, probieren wir mal Freizeitspaß in der Nähe aus", sagt Tanja, die mit ihrem Sohn und ihrem Mann da ist. "Ich hoffe, dass es lustig ist und wir nicht kentern."

Auch Michaela ist mit ihren Kindern hier: "Die Kanufahrt war ein Geburtstagsgeschenk für meine Zwillinge. Wir haben das vorher noch nie gemacht, hoffentlich fallen wir nicht ins Wasser."

Bevor es los geht, gibt Danny Stägler eine kurze Einweisung. Er demonstriert unter anderem wie das Einsteigen am Besten klappt und wie man richtig paddelt.
Zudem erklärt er, dass es aufgrund der Stromschnellen wichtig ist, die richtige Abzweigung zu nehmen, wenn der Fluss sich teilt: "Nach der Holzbrücke nicht links fahren, ansonsten wird es richtig spannend!" Spannend? Nun wird es auch uns bewusst: Das wird doch keine gemütliche Bootsfahrt.


Verloren auf der Wiesent

Das Einsteigen ins Kanu klappt besser als erwartet - aber es ist schon ziemlich wackelig. Fünf Minuten später allerdings ist unser Hochgefühl schon wieder verschwunden. Wie lenkt man noch mal? Was sich in der Theorie so einfach anhörte, können wir definitiv nicht praktisch umsetzen. So kommt es, dass wir die ersten hundert Meter erst einmal rückwärts fahren und nach ungefähr zehn Minuten schon von allen anderen Kanus überholt werden.
Leider wird
es im Laufe der Zeit nicht besser: Wir schaffen es keine zwei Meter geradeaus zu fahren. Die Strömung hat uns ununterbrochen im Griff. Immer wieder werden wir gegen die Ufer getrieben und drehen uns im Kreis. Wir können wirklich von Glück reden, nicht ins Wasser zu fallen!

Zudem bringen wir es tatsächlich zu Stande, die falsche Abzweigung zu nehmen, als der Fluss sich teilt. Wir landen in einer Sackgasse. Erst nach etwa einer halben Stunde schaffen wir es zurück auf den richtigen Weg. Das Paddeln gegen den Strom kostet uns jedoch viel Kraft - und wir haben erst die Hälfte der Strecke hinter uns gebracht.
Als wäre das alles noch nicht peinlich genug, fahren wir kurz darauf auch noch in eine zu seichte Stelle und bleiben stecken. Nur durch die Hilfe von mehreren jungen Männern, die zufällig in Einer-Kanus ziemlich locker an uns vorbei paddeln, können wir wieder befreit werden.


Ende gut, alles gut?

Dachten wir am Anfang, sieben Kilometer wären nicht lang, haben wir uns definitiv getäuscht. Die Zeit scheint still zu stehen. Wir kommen einfach nicht voran. Erst nach drei Stunden können wir das Ziel sehen, bei dem wir mit Abstand als Letzte ankommen.
Wobei ankommen nicht das richtige Wort ist: Wir fahren direkt am Ziel vorbei, da wir nicht wissen wie man bremst. Würde Robin, einer der jungen Männern die uns schon zuvor halfen, nicht ins Wasser springen und uns zurück ziehen, würden wir wohl noch immer weiter flussabwärts treiben.
Am Ende sind wir froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Auch wenn wir definitiv nicht die talentiertesten Kanufahrerinnen sind, macht es durchaus Spaß auf dem Wasser unterwegs zu sein. Die wohl größte Belohnung ist das Gefühl zu wissen, sieben Kilometer unbeschadet und ohne Sturz in die Wiesent überstanden zu haben.