"Wir haben uns Deutschland als Asylland gewünscht." Das sagt der syrische Arzt Mahmoud Al-haj Ali in bestem Englisch. Er und seine Familie aus der Stadt Aleppo sowie seine Brüder und eine Schwester aus Damaskus leben seit Ende August im Haus des türkischen Journalisten Orkan Kurter in Gößweinstein.
Darunter sind auch ein kleines Mädchen mit 18 Monaten wie ein fünf- und zwölfjähriger Junge. Insgesamt sind es zwölf Menschen aus Syrien, die vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet sind. Nun haben sie vorübergehend in Gößweinstein Zuflucht gefunden.

Keine Arbeit möglich

Während des Gesprächs klingelt es an der Haustür. Eine Nachbarin bringt einen großen Karton mit Kinderbekleidung vorbei.
Die Hilfsbereitschaft der Gößweinsteiner für die Syrer ist groß.
"Wir wollen für immer in Deutschland bleiben", sagt der Arzt Mahmoud Al-haj Ali. Er hat inzwischen auch schon begonnen, Deutsch zu lernen. Er und seine Familie sind gastfreundlich und bieten Kaffee an. In seine syrische Heimat will er nicht mehr zurückkehren.

Als Arzt rechnet er sich in Deutschland gute Chancen aus. Sein Bruder Hasan Hosam Eldin ist von Beruf Maler und Lackierer. Auch er möchte in Deutschland bleiben und hier eine Arbeit finden. Doch arbeiten dürfen die Syrer vorerst noch nicht. Dies verbietet das Asylrecht. In Oberfranken können sie sich allerdings frei bewegen.

Möchten sie aber in einen anderen Regierungsbezirk oder ein anderes Bundsland fahren, so bräuchten sie eine Genehmigung. Gößweinsteins Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) will deshalb versuchen, dass sie zunächst im Bauhof eine Beschäftigung finden. Einen Ein-Euro-Job würden die Männer der Familie gern annehmen. "Wegen des Bürgerkriegs ist in Syrien keine Region mehr sicher", sagt Mahmoud Al-haj Ali. Er selbst war Leutnant in der Armee der Regierungstruppen. Zuletzt hatte er in einem Hospital in Aleppo als Arzt gearbeitet.

Mit dem Schiff nach Italien

Wegen der ständigen Bombenangriffe entschloss sich die Familie schließlich, aus ihrer syrischen Heimat zu flüchten. Über die Türkei und Libyen kamen sie mit dem Schiff in Italien an. Ihr Zielland war aber immer Deutschland.

"Deutschland ist ein gutes Land", sagt der Arzt. Dies hätten ihm schon Freunde vor seiner Flucht gesagt. In die Türkei zu gelangen, sei problemlos, da Aleppo nicht weit von der Grenze zur Türkei entfernt liegt. Mahmoud Al-haj Ali konnte verhältnismäßig einfach mit seinem Pass die Grenze überqueren. Andere Familienangehörige passierten die offene Grenze dagegen ohne Ausweis illegal.

Etwa 20 Kilometer Fußmarsch waren es von Aleppo bis zur rettenden türkischen Grenze, sagt Mahmoud Al-haj Ali. Zwölf Tage sind sie dann unterwegs gewesen, bis sie dann in Gößweinstein landeten. Nachdem sie die Küstenwache in Italien in Empfang genommen hatte und die Formalitäten erledigt waren, ging es zunächst mit dem Zug weiter nach München. Von dort nach Zirndorf in das Auffanglager und von hier wiederum nach Bayreuth und dann nach Forchheim.
Das Landratsamt in Forchheim wies ihnen anschließend das Haus in Gößweinstein zu. "Wir haben festgestellt, das Gößweinstein ein sehr schöner Ort ist. Alle Menschen, die wir bisher getroffen haben, waren sehr freundlich", sagt Mahmoud Al-haj Ali.

Birgit Kern von der Gößweinsteiner Minigolfanlage hat die Familie zum Beispiel auf den Minigolfplatz zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Im Rathaus wird derweil die weitere Hilfe koordiniert. "Wer als Helfer mitmachen will, kann sich bei der Gemeinde melden", sagt Bürgermeister Zimmermann. Mahmoud Al-haj Ali findet es gut, mit seiner Familie in einer eher kleinen kleinen Gemeinde wie Gößweinstein gelandet zu sein. Denn hier könne man dank der Einheimischen schneller die Sprache lernen.
Später will er jedoch in eine Großstadt, weil er sich dort mehr Möglichkeiten als Arzt erhofft. Zudem will er sich beruflich weiterbilden. Er möchte sich als Arzt spezialisieren. Sein Ziel ist auf jeden Fall, eines Tages die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen.
Eine Rückkehr nach Syrien kann er sich dagegen nicht mehr vorstellen. Er nennt es den "reinsten Horror", was er dort erlebt habe. Nur 200 Meter vor ihm sei einmal ein Auto explodiert. Und eingesperrt hatten ihn die Regierungsgegner auch schon. Er sei an die Wand gestellt worden.

Dann hätten seine Peiniger immer wieder die Gewehre durchgeladen. "Man musste immer damit rechnen, erschossen zu werden", sagt Mahmoud Al-haj Ali. Als Leutnant war er zu diesem Zeitpunkt allerdings schon desertiert, da er nicht mehr hinter der Politik von Präsident Baschar al-Assad stehen konnte.
Inzwischen rückt auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf seine Heimatstadt Aleppo vor. "Wir haben noch Freunde in Syrien. Und meine Eltern sind auch noch dort", sagt Mahmoud Al-haj Ali mit großen Sorgen.