Susanne Doneth-Hofmann hat einen deutschen Pass, aber sie fühlt sich als Französin. Erst seit den 80er Jahren lebt sie in Deutschland. Die Geschichte ihrer Eltern sei "eine ganz normale Geschichte von Leuten, die ins Ausland gegangen sind".

Den Élysée-Vertrag, der gerade 50. Geburtstag feiert, hält die gelernte Dolmetscherin und Übersetzerin für den "ersten Muttuer" in der deutsch-französischen Beziehung.

Im Süd-Westen Frankreichs aufgewachsen, kannte sie zuerst nur das Bild von Deutschland, dem sie in Frankreich begegnet ist und das war nicht unbedingt ein positives. "Der Krieg war nicht so weit weg, obwohl es den Vertrag schon gab, aber in den Köpfen ist das anders." Erfahrungen seien eben erst dann gut, "wenn man sich kennen gelernt hat".


Die schönen Seiten Deutschlands


Wobei die in Wiesenthau lebende Französin daran
erinnert, dass es trotz der belasteten Vergangenheit schon immer positive Berührungspunkte gegeben habe: Französische Kriegsgefangene hätten ihr in ihrer Kindheit von den schönen Seiten Deutschlands erzählt.

"Das Bild hat sich aber generell absolut geändert", betont Doneth-Hofmann: "Der Vertrag und die Zeit und der Generationen-Wechsel hat einiges vorangebracht. Dadurch ist die riesige Entwicklung entstanden."
Doch was wäre die riesige Entwicklung dieser Freundschaft ohne gemeinsame Interessen? Doneth-Hofmann selbst ist in der Firmenkommunikation zwischen deutschen und französischen Unternehmen tätig. Es komme schon mal vor, dass sich zwei Parteien auf Englisch verständigen wollten und dass dieser Versuch schnell zu Missverständnissen führe.

In der freundschaftlichen Beziehung aber sei die Sprache kein Knackpunkt, sagt Doneth-Hofmann. Das zeigten vor allem die Städte-Partnerschaften ganz deutlich. Denn nicht nur das Sprachliche, sondern auch das Menschliche spiele eine Rolle. "Die Deutschen reden einfach darauf los. Ob falsch oder richtig ist da egal."

Den Franzosen werde nachgesagt, hauptsächlich in der Landessprache zu kommunizieren. Das sei keine Überheblichkeit, sondern "der Perfektionismus der Franzosen". Aber so entstehen Vorurteile.


Vorurteile auf beiden Seiten


Auf die Frage, wo die Klischees ihren Ursprung haben, meint die Dolmetscherin, es handle sich meistens um Momentaufnahmen. Nicht nur eine Momentaufnahme sei aber die kulinarische Kultur im deutschen Nachbarland. Mehrere Gänge auf dem Tisch seien in Frankreich der Normalfall. "Wenn es mal schnell gehen muss, dann gibt es eben nur einen leichten Salat als Vorspeise. Aber gutes Essen gibt es auch in Deutschland. Es ist in Frankreich nicht besser, aber anders."


Das Schöne erhalten


Schade fände es Doneth-Hofmann nur, wenn sich alle Länder doch zu sehr angleichen würden. "Das Schöne in jedem Land soll erhalten werden." In Deutschland ist es allem Anschein nach die typisch deutsche Kultur: Ein französischer Freund erstaunte Doneth-Hofmann bei einem Besuch im Sommer mit der Aussage: "Die Deutschen haben ja auch Kultur! Wir hören immer nur von der französischen Kultur, so dass man denken könnte, es gebe nur die eine."

Und in welcher Kultur fühlt sich Susanne Doneth-Hofmann zuhause? Darauf kann sie nicht auf Anhieb eine Antwort finden. Sie spreche im Alltag oft von "wir in Frankreich" oder "bei uns". Daraufhin werde sie regelmäßig von ihrem Mann erinnert: "Aber dein Zuhause ist doch jetzt hier in Deutschland!"

Und tatsächlich rutscht es ihr beim Philosophieren über andere Länder und Kulturen heraus: "Da können wir in Deutschland noch viel lernen."