Mit einem ungewohnt herzlichen Anblick begrüßte das Rathaus die 150 geladenen Gäste bei der Abschiedsfeier für Oberbürgermeister Franz Stumpf am Donnerstag. "Danke Franz" war auf einem riesigen Herz in Lebkuchenoptik zu lesen, für dessen Anfertigung und Anbringung an der Fassade der CSU-Fraktionsvorsitzende Udo Schönfelder und der JB-Stadtrat Philipp Blümlein gesorgt hatten.

Das Herz bildete die richtige Einstimmung für den Festakt, der gespickt war von aufrichtigen Lobes- und Dankesworten - bis zum emotionalen Höhepunkt, als sich alle Gäste im historischen Rathaussaal erhoben und dem Politiker und Menschen Franz Stumpf stehend applaudierten. Ein tief bewegender Moment.


Streit bewundert die Energie

Vorbereitet und eröffnet hat die Abschiedsfeier Stumpfs enger Freund und Bürgermeister Franz Streit (CSU). Seinen Worten war die persönliche Verbunden- und Ergriffenheit anzumerken. "Franz, Du hast alles entweder ganz oder gar nicht getan. Und das was Du nicht getan hast, ist überschaubar", würdigte er den 65-Jährigen und wunderte sich, wo Stumpf für all das die Energie genommen habe.

Streit übernahm auch die Verleihung der Ehrenbürgerwürde und des Titels "Altoberbürgermeister" - beide Anerkennungen für Stumpfs Wirken hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen. Nach seinem Vorgänger Karlheinz Ritter von Traitteur und Monsignore Otto Donner ist Stumpf erst der dritte Ehrenbürger nach dem Zweiten Weltkrieg - und der erste gebürtige Forchheimer.


Minister lobt den Macher

Vor der maximalen Anzahl von 150 "Schwergewichten aus Politik, Kirche und Gesellschaft" (Streit), die dem instabilen Rathaussaal derzeit noch zuzumuten sind, sprach Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Laudatio - trocken, faktenreich und voller Anerkennung. Ähnlich wie Streit zuvor charakterisierte Herrmann den wegen einer Erkrankung an Prostata-Krebs zurückgetretenen OB als Macher und stellte seine "zupackende Art" in den Vordergrund - getragen von seinem christlichen Glauben.

Viele Beispiele für Stumpfs Wirken führte er an - vom Neubau der Klinik über die niedrige Arbeitslosenquote bis hin zur neuen Attraktivität der Stadt für Touristen. "Nach 26 Jahren Franz Stumpf steht Forchheim besser da - größer, stärker und moderner", brachte es der Minister auf den Punkt. Die Stadt sei qualitativ und quantitativ gewachsen.


Mini-Rathaus für den Keller

Im Namen der Bediensteten der Stadt Forchheim dankte Personalratsvorsitzender Dieter Walda seinem Noch-Chef für die stets "konstruktive, faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit" und wünschte ihm, dass er nun loslassen könne "vom zeitintensiven Amt des Oberbürgermeisters und dem damit verbundenen Stress". Als Geschenk von den Mitarbeitern gab es eine Rathaus-Nachbildung im Miniaturformat, dass künftig seine Modelleisenbahn im Keller bereichern soll.

Auch die Partnerstädte von Forchheim waren mit Abordnungen bei der Feier vertreten. Für Le Perreux verdeutlichte der Chef des dortigen Partnerschaftskomitees, Alain Duhamel, die innige persönliche Beziehung zu Stumpf und überreichte ihm eine Medaille.


Kein Ärger bleibt zurück

Die letzten Worte bei der Feier gehörten jedoch dem neuen Altoberbürgermeister. Mit Blick auf Uwe Kirschstein (SPD), der am Freitag seine Nachfolge als Stadtoberhaupt antreten wird und im Wahlkampf für mehr Transparenz und Mitsprache eingetreten war, wollte Stumpf unbedingt eine wesentliche Erfahrung seiner Amtszeit loswerden: "Bei jeder Frage vorher eine Meinungsumfrage bei der Bevölkerung durchzuführen, halte ich für falsch. Wir sind gewählt, weil man es uns zutraut, Entscheidungen zu treffen." Und dieser Verantwortung solle sich ein Politiker, so Stumpfs Verständnis, nicht entziehen.

Danach erzählte er vom Palmsonntag, als er all die kritischen bis bösen Briefe, die sich in 26 Jahren angesammelt haben, entsorgt hat - nicht ohne sie davor noch einmal zu lesen und festzustellen, dass er viele Sachverhalte trotz seines guten Gedächtnisses längst wieder vergessen hatte. Dann habe er sich gefragt, ob er sich jemals über etwas wirklich größer geärgert hat. "Und ich konnte mich an nichts erinnern."

Es folgte sein Dank an die Vorredner, seine Wegbegleiter und vor allem an seine Familie. Und dann sein letzter Satz: "Meinen neuen Lebensabschnitt will ich genauso beginnen wie ich das Amt des Oberbürgermeisters begonnen habe: cum deo." Das lateinische "mit Gott" war kaum mehr zu verstehen, wohl aber wurde hörbar, wie Stumpf dabei mit seinen Gefühlen kämpfte.


Kommentar: Rückblick auf die Stumpf-Jahre aus Sicht der Journalisten

"Is aner dagecha?" So lautete die typische Abstimmungsfrage von Franz Stumpf am Ende eines Tagesordnungspunktes im Stadtrat. Daran erinnerte Bürgermeister Franz Streit (CSU) am Donnerstag bei Stumpfs Verabschiedung als OB im Rathaus. Die Frage, ob einer gegen den Beschluss ist, war häufig rhetorisch - Stumpf hatte zuvor schon einen Kompromiss ausgehandelt, mit dem alle zufrieden waren.

Trotzdem waren nicht alle Forchheimer stets mit Stumpf einer Meinung. Auch wir vom FT mussten gelegentlich "gecha" den "Ober" schreiben - sei es bei der Schelsky-Affäre, die Stumpf in seiner Funktion als VfB-Vorsitzenden vor Gericht brachte, wo er haarscharf mit einem blauen Auge davonkam, oder bei den Bebauungsplänen für das Grundstück der ehemaligen Synagoge, das ihm als Privatperson gehört, oder zuletzt beim Versuch, im stillen Kämmerlein eine Vorauswahl der Nachfolger für Klinikdirektor Hautmann zu treffen. Nachgetragen hat er uns das nicht.

Anders als andere seiner Zunft, die schon wegen eines vermeintlich falschen Halbsatzes die Nummer der Redaktion wählen, verzichtete Franz Stumpf auf Protestanrufe nach der Zeitungslektüre. Sicher auch, weil er den Einfluss der Presse nicht überbewertet. Auf der anderen Seite war er für Journalisten immer greifbar. Auch wenn wir etwas Geduld mitbringen mussten - wurde ein Rückruf versprochen, kam er auch. Auch unangenehmen Fragen stellte er sich, nicht weil er sich selbst herausheben wollte, sondern um der Sache Willen. Als er im Januar 2015 nächtens einen Randalierer aus der Wiesent zog und vor dem Ertrinken rettete, mussten ihm die Medien diese Geschichte förmlich aus der Nase ziehen - er selbst hatte sich damit nicht groß schmücken wollen.

Zum Abschied rufen wir aus der FT-Lokalredaktion in Richtung Puffmühle: "Herr Stumpf, wir wünschen ihnen die nötige Kraft, um ihrer Krankheit erfolgreich die Stirn zu bieten. Auf dass Sie Ihren Ruhestand lange mit Ihrer Familie genießen können!" Wir gehen fest davon aus, dass wir damit den Forchheimern aus der Seele sprechen. Is aner dagecha? Na, also!