Sie sind lebensgroß und tragen regionale Trachten oder Kinderkleidung aus dem letzten und vorletzten Jahrhundert. Aufgereiht in ihren Vitrinen, wirken sie im ersten Moment fast gruselig. Doch ihr Gesichtsausdruck ist friedlich. In ihren Schaukästen sind sie geschützt vor äußeren Einflüssen und doch kann man ihnen durch das Glas direkt in die Augen blicken; die Einzelheiten ihrer Kleidung und Gesichter erkennen und feststellen, dass keine von ihnen auch nur ein Fältchen hat - denn sie sind allesamt aus Wachs.

Wachsfiguren als Repräsentanten


"Die Figuren sollen echt aussehen. Schließlich sind sie Repräsentanten der Menschen, um die es geht", erklärt Regina Urban, Leiterin des Wallfahrtsmuseums in Gößweinstein. Die Wachsmenschen hängen in einem abgedunkelten Raum vor burgunderfarbener Wand. Das gedämpfte Licht verleiht ihnen etwas Magisches. Dieser Eindruck täuscht nicht, sind sie doch "Opfer" - für Gott.
"Die Wachsfiguren sind so genannte Votiv- und Weihegaben", sagt Regina Urban. "Die Gaben sind als ein Versprechen an die göttliche Macht oder als Zeichen des Dankes zu verstehen. Liegt der Wunsch nach dem Schutz Gottes zu Grunde, spricht man von Weihegaben", erklärt die Museumsleiterin.
In Gößweinstein sind insgesamt 108 lebensgroße Figuren aus Wachs erhalten. Damit verfügt der Wallfahrtsort über den größten Bestand überhaupt. Etwa ein Viertel dieses Votivschatzes ist aktuell im Wallfahrtsmuseum ausgestellt, zukünftig sollen noch weitere Figuren restauriert und ausgestellt werden.

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