Wenn Nebel über den Boden kriecht, und die Tage kälter und länger werden, schlägt bei Heinz Ohren das Herz höher: Es ist Pilzsaison. "Am liebsten würde ich jeden Tag in den Wald gehen", sagt der 71-Jährige aus Heroldsbach und wirft seiner Frau Elisabeth ein spitzbübisches Lächeln zu, "aber sie lässt mich nicht."

Zwei, drei Mal pro Woche verabschiedet er sich aber schon zum Sammeln in den Wald - und hat in diesem Jahr reichlich Beute gemacht. Unlängst hat er in zwei Stunden gut fünf Kilogramm Steinpilze aus dem Wald geholt. Eifrig geholfen haben seine Enkel Tobias (11 Jahre) und Lukas (9) Leuker. Für die Buben war es eine wahre Pracht, bei jedem Schritt und Tritt einen neuen Pilz aufzustöbern.

Der Boden gibt Aufschluss


"Dieses Jahr habe ich außerordentlich viele Pilze gefunden", erzählt ihr Opa. Da zahlt sich auch seine Erfahrung aus. Der gebürtige Rheinländer spürt schon seit seiner Kindheit den Pilzen nach. Damals hat seine Familie die "Schwämme" sogar auf dem Markt angeboten, und Ohren lernte ganz natürlich, auf was es zu achten gilt, wenn im Wald der Korb schnell voll werden soll. "In erster Linie hängt das von der Bodenbeschaffenheit ab", sagt der 71-Jährige.
Und natürlich auf das richtige "Jagdrevier". Bei ihm liegt es rund um den Fürstberg im Heroldsbacher Wald - "mehr sag' ich nicht", erklärt Ohren, der wie jeder passionierter Pilzsammler nicht verrät, wo er am besten fündig wird. Schließlich soll das ja auch in Zukunft so bleiben - denn nicht jedes Jahr geht es so leicht wie im Superpilzjahr 2012.

Dass dieser Herbst wirklich außergewöhnlich viele Pilze, und zwar nicht nur Steinpilze, in Franken gebracht hat, kann Experte Hans Krautblatter aus Höchstadt nur bestätigen. Der promovierte Biologe mit Pilzen als Spezialgebiet erklärt auch warum: "Neben Feuchtigkeit brauchen sie auch Wärme im Boden. In diesem Sommer war es lange staubtrocken und entsprechend warm - rund 3 Grad mehr als sonst im Schnitt. Als dann Mitte September der Regen kam, sind die Pilze buchstäblich aus den Boden geschossen." Spät, aber heftig - so sei die Saison verlaufen.

Ein Traumjahr für Mykologen


Das Besondere in diesem Jahr sei zudem, dass die einzelnen Sorten nicht verteilt über mehrere Monate auftauchten, sondern "alle auf einen Schlag". So habe er unlängst auf 500 Metern 70 verschiedene Arten entdeckt. Anfängern bietet der 75-jährige Mykologe auch an, einen Blick in ihren Korb zu werfen, um die giftigen Stücke auszusortieren.

Nicht nur die Quantität, auch die Qualität können sich sehen lassen. Krautblatter: "Durch die Trockenheit gab es auch kaum Schnecken. Deshalb sind die Exemplare kaum angefressen oder wurmig." Noch immer zehrt der Boden vom Wärmeplus im Sommer. Daran habe auch der Schneefall am vergangenen Wochenende nichts ändern können, zumal die Pilze gerade im Wald ja gut geschützt sind. Die Suche nach den Schwammerln brauchen Heinz Ohren und seine Enkel jedenfalls so schnell nicht aufzugeben, meint Krautblatter. "Es gibt ausgesprochene Winterpilze wie den Blau- oder den Lilastiel - die kann man auch noch im Dezember finden."

Kochen oder verschenken


Die Ausflüge in den Wald stellt Ohren trotzdem langsam ein. Es reicht ihm und seiner Frau mit den Pilzen in diesem Jahr. Schließlich müssen die ja auch noch geputzt werden. Da helfen dann zwar die beiden Enkel fleißig mit, trotzdem gehen da noch mal zwei bis drei Stunden ins Land. Und dann müssen sie zubereitet werden - zum Beispiel als Beilage zu einem von Elisabeth Ohren gekochten Servietten-Kloß. Doch das ist eher die Ausnahme bei dem Ehepaar aus Heroldsbach. "Viele Pilze verschenke ich einfach", gesteht Heinz Ohren. Sie zu essen, reize ihn nicht sonderlich.