Derbystimmung beim Infranken-Kick. Am Gaiganzer Weg in Hetzles taucht am Sonntag um 15 Uhr der Nachbar aus Effeltrich auf. Während die Hausherren auf Rang 7 jenseits von Gut und Böse als Zünglein an der Waage noch ein wenig Spaß haben wollen, sind die Gäste in der Kreisklasse 2 blendend in Form. Als Belohnung steht die SpVgg punktgleich mit Kersbach auf dem Relegationsplatz, obwohl launische Ausrutscher der jungen Truppe, wie das 0:1 gegen Schlusslicht Burk II, auch noch möglich sind.
Christopher Ebersberger und Christoph Kehm, als gleichberechtigtes Spielertrainergespann beim SV Hetzles, können der restlichen Saison entspannt entgegensehen. Mit 40 Punkten haben die Gastgeber die ominöse Wunschzahl jener Vereine erreicht, die sich den Klassenerhalt als Ziel gesteckt haben.
Das war nicht immer so: Nach eigentlich gutem Start rutschte der SV durch eine Durststrecke bis auf einen Abstiegsplatz hinab, doch seit Anfang 2014 haben sich die Hetzleser nur noch gegen Moggast und Weilersbach jeweils eine 0:1-Pleite erlaubt. Ebersberger, ein gebürtiger Möhrendorfer, ist selbständiger Geigenbaumeister und erklärt die Saisonkurve: "Wir haben zwar einen etwas kleinen Kader, aber mit guten Leuten. Allerdings hatten wir im Herbst einige Verletzte, was sich sofort in den Leistungen ausdrückte. Seit Jahresbeginn wurde das immer besser und dann kamen wir endlich richtig in die Saison rein. Wir können bis auf Christoph Mehl, der mit elf Toren die interne Liste anführt, nahezu aus allen Leuten wählen."

Ebersberger hört auf

Der ehemalige Bezirksligaspieler in Baiersdorf wird wegen des Arbeitsaufwandes im eigenen Betrieb zwar seinen Trainerplatz an Florian Erlwein, derzeit noch Knipser bei der DJK Weingarts, weitergeben, möchte aber seinen Pass beim SV lassen: "Es gibt eigentlich keinen Grund wegzugehen, auch wenn ich nicht mehr im Trainerstab sein werde. In Hetzles ist es sehr angenehm, weil vor allem der Verein alles dafür tut, dass man sich wohlfühlt." Christoph Kehm ergänzt: "Es ist keine Worthülse, wenn wir von einer familiären Stimmung sprechen. Es gibt immer Brotzeit und auch sonst vieles, was das Herz begehrt. Unser Spielleiter Andreas Bayer ist ein Pfundskerl und nimmt einem sprichwörtlich alles ab. Vom Koffertragen und alles, was sonst zum Spielbetrieb gehört, hat der Andy alles im Griff. Und unser Vorstand Rainer Wagner macht den Rest." Nun ist man zur Kaderergänzung auf der Suche nach Akteuren für alle Bereiche, wie der 27-Jährige unterstreicht: "Es musste sogar schon unser Keeper ein Tor erzielen, mit einem Abschlag aus der Hand übers ganze Feld, weil wir im Sturm recht klamm sind." Für das Umbruchsjahr sei der Stand in Ordnung, nun folgen nach Effeltrich noch Spiele gegen drei Teams der unteren Region. Es ginge aber nicht darum, am Ende Dritter, Fünfter oder Siebter zu werden, die Restsaison sei bereits die Vorbereitung auf die neue Spielzeit. "Wir erwarten von uns auf jeden Fall einen Sieg und wollen uns Schwung holen für nächstes Jahr. Der Gegner ist noch geschwächt vom Leutenbach-Spiel und wir haben durch das 1:4 aus der Hinrunde einiges gutzumachen", sagt Ebersberger. Das letzte Wort hat Kehm. Der gebürtige Poxdorfer flachst: "Für einen Sieg kriegen wir fünf Kästen Bier."

Alkov: Ein Mann für die Seitenlinie

Obwohl Tino Alkov erst 34 Lenze zählt, war von vornherein klar, dass er für den Kader der SpVgg Effeltrich nicht auf dem Rasen, sondern nur vom Spielfeldrand zur Verfügung steht: "Das war am Anfang etwas ungewohnt für den Verein und die Mannschaft. Vor allem, weil es etwas unrund begann und wir uns alle erst finden mussten." Der Lehrer mit der C-Lizenz gehört zum Bereich einer Schulleitung in Erlangen und bringt seine pädagogischen Fähigkeiten beim recht jungen Kader gut unter. Auch wenn er, als ehemaliger Eltersdorfer und Bayernligaspieler bei der SG Quelle Fürth, den unerfahrenen Jungkickern wohl als Mitspieler mindestens ebenso hilfreich wäre, winkt der Übungsleiter ab: "Manchmal juckt es schon, aber es macht gesundheitlich keinen Sinn. Zuletzt hatte ich zu starke Schmerzen nach Fußballspielen und ich finde, dass ich den jungen Spielern auf diese Weise sogar mehr helfen und sie weiter bringen kann."

Effeltrich legt konstant zu

Bei der Analyse der bisherigen Saison bleibt Alkov sachlich nüchtern: "Wir hatten am Anfang ein paar Probleme. Ich war neu, die Mannschaft war für mich neu, und zudem habe ich ein komplett neues System eingeführt. Dass das nicht auf Anhieb funktioniert, ist nicht ungewöhnlich." Inzwischen habe sich einiges eingespielt und die Spieler kennen ihre Aufgaben: "Mittlerweile stehen wir sehr stabil und haben ein paar Serien hingelegt. Das ist auch der Grund unserer stetigen Leistungskurve nach oben." Ein Blick in die Statistik bestätigt Alkov: Seit Anfang Oktober hat die SpVgg in 17 Spielen nur noch dreimal verloren und 14 Siege eingeheimst. In Hetzles kann der Pädagoge ziemlich aus dem Vollen schöpfen, Florian Erner kehrt in den Kader zurück. Dafür wird Christian Kosel mehr als schmerzlich vermisst, denn der Torjäger, der 30 der 64 Saisontore beisteuerte, verletzte sich an der Schulter und wird wohl 14 Tage ausfallen: "Außerdem wird Max Messingschlager nach seinem Platzverweis in Leutenbach sicher fehlen. Das Urteil steht aber noch aus." Durch drei Studenten sowie ein paar Wechselschichtler seien die Trainingsbedingungen am Dienstag nicht ideal: "Da kann man nicht oft Spielzüge oder andere taktische Belange üben. Dafür klappt es am Freitag besser, wenn fast der ganze Kader dabei ist. Trotzdem habe ich fürs kommende Jahr schon verlängert und es war auch eine leichte Entscheidung. Mit Jochen Brechelmacher und Frank Burmester stehen mir zwei Leute zur Seite, die mehr leisten als üblich." Ob es mit dem Relegationsplatz klappt, darüber will Alkov noch nicht spekulieren: "Wenn einer vor der Saison gesagt hätte, wir gehören am Ende zum Favoritenkreis, dann hätten alle mit dem Kopf geschüttelt. Wir gucken von Spiel zu Spiel und nehmen mit, was kommt. Jetzt steht erstmal Hetzles auf dem Plan und da erwarten wir einen Gegner, der aggressiv auftritt."
Zum Schluss macht er seinen Spielern Appetit auf die erreichbaren Entscheidungsspiele und motiviert für die restlichen Partien: "Es gibt nichts schöneres als Relegationsspiele. Ich kenne das und habe zum Aufstieg in die Bayernliga relegiert. Dafür spielt man Fußball."