Lange muss Christoph Reck nicht überlegen. "So einen macht er nicht alle Tage", sagt der Spielertrainer des SV Poxdorf über den Geniestreich seines Freistoßspezialisten Tobias Hirt. Kurz vor der Pause zirkelte der 24-Jährige in der Partie der Fußball-Kreisliga 1 beim FSV Erlangen-Bruck II einen Freistoß aus rund 25 Metern hart, aber dennoch platziert zum zwischenzeitlichen 1:1 ins obere rechte Eck.

Eine passende Bewerbung als "Überflieger der Woche", die Hirt da abgegeben hat. "Aber was red' ich denn", unterbricht sich Reck. "Gegen Jahn Forchheim II ist ihm so ein Ding schon einmal rausgerutscht." Die für Poxdorf traurige Parallele: In beiden Fällen reichte es nicht zum Sieg. Hirts Freistoßhammer aus 30 Metern brachte den SV in der Hinrunde bei der Jahn-Reserve zwar in Führung, anschließend fing sich sein Team allerdings noch vier Gegentore. Und auch am Sonntag verließ Poxdorf als Verlierer den Platz.

"Das ist richtig bitter", ärgert sich Hirt. "Da hofft man durch das Tor auf einen ,Hallo-Wach-Effekt', alle geben richtig Gas und am Ende hat es wieder nicht gereicht." Das 1:2 war bereits die dritte Niederlage in Folge, insgesamt wartet der Verein aus der 1500-Seelen-Gemeinde nun schon seit sieben Spielen auf drei Punkte und steht daher mit 20 Zählern auf dem vorletzten Tabellenrang.

Angebote von drei Vereinen

"Vielleicht ist es schon zu spät, aber wir werden kämpfen bis zum Ende", verspricht Hirt, der vermutet, dass es sich um eine Kopfsache handelt. "Eigentlich haben wir 15 gute Kreisligafußballer in der Mannschaft." Nur auf dem Platz wird dies derzeit offenbar nicht abgerufen. Laut Reck wendete sich das Blatt gleich nach der Winterpause, als zwar bei der SV DJK Eggolsheim 3:1 gewonnen, nur eine Woche später jedoch ein 2:0-Vorsprung noch verspielt wurde (2:2). "Das war der Knackpunkt", sagt der Spielertrainer. "Und wenn man dann immer wieder einen drauf bekommt, wird es schwierig zu motivieren." Hinzu komme, dass viele Spieler auch schon bei anderen Vereinen zugesagt hätten und auch weiterhin gibt es offenbar Anfragen anderer Vereine. "Den Tobias haben am Montag gleich drei Klubs angerufen. Das kann doch alles nicht sein", sagt Reck der angesichts der derzeitigen Situation erst einmal für die Kreisklasse plant.

Doch wie er wird auch Hirt dem Verein mindestens eine weitere Saison erhalten bleiben. "Es stimmt, dass sich der 1. FC Burk, die DJK Weingarts und mein ehemaliger Verein Erlangen-Bruck gemeldet haben, aber momentan habe ich überhaupt kein Interesse und habe Christoph auch schon fest zugesagt", erzählt Hirt, der seit fünf Jahren für Poxdorf spielt. Denn mit seinem Trainer versteht sich der Elektrotechniker nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz bestens.

Beide haben die Standardsituationen klar unter sich aufgeteilt. Während Hirt für die zum Tor hingezogenen Freistöße zuständig ist, übernimmt Reck den Gegenpart. "Ich weiß, dass es Christoph lieber hätte, wenn ich häufiger Freistoßflanken daraus machen würde, aber ich mag es, die Dinger direkt aufs Tor zu bringen", sagt Hirt, der nun drei Treffer auf seinem Konto hat. Je weiter der Ball vom Tor entfernt liege, umso besser sei es für ihn. "Als Linksfuß ziehe ich den Ball am liebsten von rechts um die Mauer." Wie am Sonntag gegen seinen Ex-Klub, als der Torwart den Ball zwar noch berührte, was angesichts des strammen Schusses jedoch erfolglos war.

Die richtige Körperhaltung

Ohne die nötige Detailarbeit lande der Ball aber nicht genau dort, wo er hin solle. Als Vorbilder dienen ihm nicht nur YouTube-Videos von Real Madrids Superstars Cristiano Ronaldo und Gareth Bale, sondern auch das Konsolenspiel Fifa15. "Das ist mittlerweile so detailliert, dass man sich da Sachen wie die Körperhaltung genau abschauen kann. Aber ich schaue mir mit meinen Freunden oft Spiele der spanischen Liga an und versuche, manche Sachen dann nachzumachen. Gerade Bales Freistöße sind der Hammer", betont Hirt. "Außerdem ist er wie ich ein Linksfuß."

Wichtig sei es, den Körper über den Ball zu bringen, damit dieser nicht mehrere Etagen zu hoch landet. Wie man den Ball trifft, sei jedem Schützen selbst überlassen, er bevorzuge aber den Spann. "Wenn Tobias den Ball aufs Tor bringt, ist er auch drin. Aber das gelingt nicht immer", sagt Reck mit einem verbalen Augenzwinkern. Doch im Abstiegskampf könnte der SV noch weitere Hirt-Hämmer gut gebrauchen.


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