Es ist noch gar nicht lange her, da sauste der Querläufer von einem Wettkampf zum nächsten. Die Bestzeiten purzelten nur so. Der Devotionalien-Schrank füllte sich mit Medaillen und die Wand wurde mit Finisher-Fotos zugepflastert. Manchmal hatte er ein schlechtes Gewissen, wenn er das Haus verließ. Die Hausarbeit interessierte ihn dann wenig. Heldengeschichten wollte er schreiben. Und damit der Läuferfrau imponieren.

Aber die Läuferfrau wünschte sich einen Mann, der die Wäsche aufhängt und Johann Laafer Konkurrenz macht. Ich bin zwar Waschlappenverkäufer, aber ansonsten wie ein Kampfhund mit Testosteron vollgepumpt. Das dachte ich mir damals, bis meine Achillessehne "Gute Nacht" sagte. Schneller als gedacht waren die Rollen vertauscht.

Sie packt ihre Sporttasche. Der Querläufer hängt die Wäsche auf. Meine To-Do-Liste liegt auf der Arbeitsplatte in der Küche. Oben und unten je drei Smileys.
Dazwischen eine Latte von Aufgaben. Unten rechts ein Pfeil. Auf der Rückseite steht: "P.S. Wenn Du noch Zeit hast, steht im Keller die Sperrmüllkiste. Die müsste dringend aussortiert werden. Bussi."

Gerade klingelt es an der Tür. "Tschüssi! Sie fährt zum Halbmarathon nach Bayreuth. Wäscheaufhängen ist doch noch kein erotisches Verhalten an sich. Es sei denn, die sich reckende Person ist weiblich, trägt den Rock sehr kurz und weiß, dass jemand hilflos zuguckt. Macho-Gedanken aus der Ära des Hausfrauen-Reports. Als Männer zu enge Hemden im wilden Orange trugen. Alles längst vergessen. Was also reizt, außer Sixpacks oder Läuferwaden, eine Frau an einem Mann, wenn nicht Wäscheaufhängen?

Gerade noch rechtzeitig kann sich der Querläufer mit in den Wagen nach Bayreuth quetschen. Nach langer Leidenszeit will ich wieder zeigen, was ich sportlich drauf habe. "Jeder läuft sein eigenes Rennen!" Die Läuferfrau kann es nicht leiden, wenn ich im Wettkampf neben ihr laufe. Also mache ich mein eigenes Tempo. Und es läuft wie geschmiert. Unterwegs denke ich ans Abstauben und meinen Devotionalien-Schrank. Alles Staubfänger. Die kommen weg. Schweren Herzens. Zwei Trophäen müssen weichen. Sie werden im Keller in der Sperrmüllkiste landen. Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Alte Startnummern, Urkunden, dazwischen das Brooks-Shirt, getragen bei meiner Marathonbestzeit. Alles muss weg.

Der Querläufer ist richtig gut drauf. Die Achillessehnenprobleme sind vergessen. Die Kondition reicht, um bei Kilometer 18 das Tempo noch einmal zu erhöhen. Ich denke an die nächsten Wochen, freue mich auf zukünftige Intervalltrainings und schwebe dahin. 300 Meter vor dem Ziel knackst es im rechten Knie. Bis zum Ziel reicht es noch. Auweia, das fühlt sich nicht gut an. Als die Läuferfrau auf den dritten Podestplatz stürmt, bin ich schon bei den Sanitätern. Ein Eispack für das Knie muss her.

Was sage ich Euch: Anstatt hartem Training geht es weiter beim Ausmisten. Innenmeniskus. Sportverbot. Schweren Herzens humpele ich ans Laufschuhregal. Frust kommt auf. Die Asics vom ersten Dreistundenlauf. Oder die Saucony vom Supermarathon am Rennsteig stehen gleich neben dem ausgefransten Modell, das für den 100-Kilometer-Lauf herhalten musste. Weg damit. Die nächste Laufpause steht an.

Übrigens, der Platz im Schrank blieb nicht lange leer. Eine Läuferskulptur für den dritten Platz der Läuferfrau ziert jetzt das Regal - und ich mach wieder Pause.

Run happy and smile!
Euer Querläufer