Die Fußball-saison ist vorüber, alle Entscheidungen sind gefallen, die Vereine mit ihren Aktiven und Trainern befinden sich in der wohlverdienten Sommerpause. Aber auch für die Schiedsrichter des Spielkreises ist es nun an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Manfred Kettler, seit November 2013 an der Spitze der Gruppe Erlangen, zieht eine positive Bilanz.

Der 56-Jährige stammt aus Erlau im Bamberger Kreis und pfeift für den FC Wacker Bamberg: "Wie überall wechseln Licht und Schatten, dennoch fällt im Rückblick bis 2013 meine Bilanz sehr positiv aus. Die Anzahl der Schiedsrichter im Allgemeinen ist zwar gesunken, gleichwohl ist aber die Anzahl der für höhere Klassen qualifizierten Schiedsrichter in der Qualität gestiegen. Seit meinem Amtsantritt haben wir inzwischen mit Markus Windisch einen Bayernliga-Referee, zudem mit Peter Frank und dem zur neuen Saison aufgestiegenen Florian Leschka zwei Landesliga-Schiedsrichter."

Wieder Ruhe im Karton

Besonders freut Kettler, dass sich Julia Kahler für die neue Saison in der Damen-Regionalliga als Schiedsrichter-Assistentin qualifizieren konnte: "Es ist ein Beleg für die gute Teamarbeit und den Zusammenhalt in unserer Gruppe, ein riesiger Erfolg, der sich sehen lassen kann."

Für den Nachwuchs an der Pfeife sei einigermaßen gesorgt: "Wir konnten bereits 23 Neulinge gewinnen und einige haben schon einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Auch bei den Förderschiedsrichtern sind sehr große Fortschritte unverkennbar. Vor allen Dingen freue ich mich, dass in unserer Gruppe nach einer etwas unruhigen Phase in den letzten Jahren jetzt endlich die nötige Ruhe eingekehrt ist. Das war mir als Obmann sehr wichtig."
Bei etwa 4500 Spielen im Jahr seien vor allem die vier Einteiler gefordert, die stets versuchen, allen Schiedsrichtern gerecht zu werden. Dass dies aber nicht immer funktionieren kann, läge in der Natur der Sache. Das Motto der Gruppe ("Nur gemeinsam sind wir stark") habe sich nicht nur in der Vergangenheit bewährt, sondern sei auch der einzige richtige Weg für die Zukunft.

Sein besonderer Dank gelte Bezirksschiedsrichterobmann Gerhard Pech und Kreisschiedsrichterobmann Stefan Stadelmann, aber auch der kompletten Zunft: "Erfreulicherweise haben wir eine gute Zusammenarbeit mit allen Schiedsrichtergruppen im Spielkreis, was vor allem unseren Referees, aber auch den Vereinen zugute kommt. Dennoch appelliere ich wiederholt an die Vereinsfunktionäre: Sorgt für geeignete Sportkameraden und schickt uns diese zu den Neulingslehrgängen, damit der Spielbetrieb einigermaßen aufrecht erhalten werden kann."

Alles bestens in der Fränkischen

Kaum Probleme sieht Hans Brendel, Obmann der Gruppe Fränkische Schweiz. Im Verhältnis der geleiteten Spiele seien diejenigen Partien mit kleineren oder mittleren Reibereien verschwindend gering: "Wir haben knapp 1400 Spiele zu besetzen gehabt, davon gab es kaum erwähnenswerte Meldungen. Es sind praktisch Einzelfälle, die zwar immer für den betroffenen Referee ärgerlich sind, aber letztlich wissen auch wir Schiedsrichter, dass unser Sport von den Emotionen lebt."

Im Bereich Nachwuchs brachten die vergangenen Spielzeiten eher einen leichten Rückgang. "Es ist ein Mix aus Interesselosigkeit, vielfach sind junge Menschen durch Schule oder Beruf heutzutage mehr als ausgelastet. Das schlägt sich in jeder Sportart durch, die Fußballer merken dies am kräftigsten", sagte Brendel. Dass manche Nachwuchsschiedsrichter auch von Einzelfällen mit Gewalt gegen die Zunft verunsichert werden, sei nicht förderlich, man dürfe es aber nicht dramatisieren: "In unserer Gruppe sind solche Ereignisse zum Glück nicht der Normalfall, hier geht es sportlich gesittet zu."

Gute Zusammenarbeit mit Klubs

Christoph Stühler, Obmann der Gruppe Forchheim, beklagt vor allem das Ausscheiden von Michael Schmitt aus der Bayernliga aus beruflichen und privaten Gründen, ist über die positive Zusammenarbeit mit den Vereinen aber hocherfreut: "Gerade im Saisonendspurt, als es für viele Mannschaften bis zum letzten Spieltag um sehr viel gegangen ist, kristallisierte sich das inzwischen sehr vertrauensvolle und gute Verhältnis zu einigen Vereinen heraus." Aber es gäbe auch unrühmliche Ausnahmen: "Ein Spiel mit einem Kanter-Ergebnis wurde durch den Trainer in einem Online-Portal seziert, dieser sah in jedem der zehn Gegentreffer einen Fehler des Referees", sagte Stühler und führte noch manch anderes Beispiel auf.

Dies seien jedoch Ausnahmen, in der Regel läuft die Zusammenarbeit mit den Vereinen gut, die Akzeptanz für die Männer in Schwarz wäre spürbar besser. Kritik äußert Stühler an einigen Vereinen und deren Jugend-Spielbetrieb: "Es kommt oft zu kurzfristigen Spielverlegungen und Absagen. Teilweise erst ein bis zwei Stunden vor Spielbeginn, aber wir Schiedsrichter planen schließlich auch unseren Tag." Die Einsatzplanung und Besetzung der Spiele sei insgesamt zufriedenstellend, wenngleich nicht jede Partie mehr habe besetzt werden können: "Die Gruppe Forchheim konnte den Großteil der Spiele leiten. Allerdings gibt es immer wieder Probleme mit der Besetzung einiger Spiele, da es einfach an Schiedsrichtern fehlt." Dies treffe vor allem die B-Klassen, weshalb Stühler einen Appell an die Vereine richtet: "Es fehlt nicht nur beim Nachwuchs, gerade zwischen 25 und 50 Jahren wäre eine Auffrischung dieses Altersfenster wünschenswert."