Gegensätzlicher hätte das Auftreten der einstigen Rivalen im Bezirk nicht sein können. Zum ersten Duell seit 9,5 Jahren lief der SV Buckenhofen in schwarzen Trikots, roten Hosen und schwarzen Stutzen auf, der 1. FC Burk setzte rote Oberteile, schwarze Hosen und rote Socken entgegen. In Sachen Spielkasse haben sich die Klubs dafür angeglichen. Während Buckenhofen damals in die Bezirksoberliga und später sogar in die Landesliga aufstieg, ging es für Burk in die Kreisliga, wo der FC acht Jahre einsam seine Kreise zog, bis der SVB innerhalb von zwei Spielzeiten in selbige durchgereicht wurde.

In guten wie in schlechten Zeiten waren Peter Müller (FC) und Harald Neudecker an der jeweiligen Schaltzentrale. Mittlerweile haben beide ihr Amt als Abteilungsleiter abgegeben und das Derby am Sonntag sichtlich entspannter und distanzierter beobachtet.
Umso mehr schwelgten sie während der 90 Minuten in Erinnerungen.

Herr Neudecker, empfinden Sie die Abgabe Ihres Amts vor gut zwei Jahren als Machtverlust oder als Zeitgewinn?
Harald Neudecker: Mir fehlt nichts, wenn ich sonntags mal kein Fußball schaue. Vielleicht hätte ich manches anders gemacht, wenn ich noch Abteilungsleiter wäre, aber das soll keine Kritik an der jetzigen Führung sein. Ich habe keinen Druck mehr, kann machen, was ich will. Die Spiele des SVB schaue ich mit weniger Emotionen, seit zwei Jahren war ich bei keinem Auswärtsspiel mehr, was aber auch mit meinem zweiten Schlaganfall Anfang des Jahres zusammenhängt.

Herr Müller, wie nutzen Sie die seit 2011 geschenkten Stunden?
Peter Müller: So alt kann ich gar nicht werden, bis ich alles erledigt habe, was ich mir vorgenommen habe. In erster Linie bin ich damit beschäftigt, mein riesiges Foto-Archiv zu ordnen. Ich hoffe, dass ich schneller vorankomme, wenn ich in zwei Jahren auch beruflich in den Ruhestand eintrete. Die Burker Spiele gucke ich mir nach wie vor regelmäßig an, aber ich gehe beispielsweise auch mal zum Jahn - als Neutraler und ohne Aufregung. Dort treffe ich viele alte Bekannte, mit denen ich fachsimpeln kann.

Das heißt, bei Spielen des FCB sind Sie immer noch aufgeregt?

Müller: Ich bin schon deutlich ruhiger als früher, aber je nach Spielverlauf kann ich mich immer noch reinsteigern (lacht).

Was war beim Derby am Sonntag anders als früher, außer, dass Sie nicht mehr Abteilungsleiter sind?
Neudecker: Das waren zum Teil hochklassige Derbys mit bis zu 1000 Zuschauern. Jeder hat sich darauf gefreut. Heute scheinen unsere Spieler schon mit 200 überfordert zu sein. Das Spiel plätscherte so dahin. Es fehlen Führungsspieler. Früher waren die Spiele heiß umkämpft, es herrschte super Stimmung. Trotz der Brisanz hat es nie Tumulte gegeben.
Müller: Das stimmt. Auf dem Platz gab es eine gesunde Härte, aber danach saßen alle friedlich im Sportheim zusammen. Die Rivalität ergab sich dadurch, dass viel mehr Einheimische in den Mannschaften waren und sich die Kader nicht so schnell verändert haben. Aber auch heute hat das Derby durchaus noch seinen Reiz.

Könnte es das Derby bald auch wieder eine Liga höher geben?
Neudecker: Die Kreisliga ist gut für uns. Wir haben - falls es Peter nicht bemerkt hat (lacht) - wieder viele Einheimische. Höher kannst du mit dieser Philosophie kaum spielen. Ich habe alle Ligen mitgemacht, trauere den schönen Zeiten aber nicht nach.
Müller: Ich denke, dass beide Vereine mit der Kreisliga gut leben können. Mehr als Bezirksliga ist auf keinen Fall erstrebenswert, wie man auch an der Zuschauerzahl in Buckenhofen zu Landesliga-Zeiten gesehen hat. In dieser Saison werden weder wir noch die Buckis aufsteigen. Das Spiel ist zwar ganz ordentlich, aber an Adelsdorf und Heßdorf kommen beide nicht ran.