Lukas Kohl vom RMSV Kirchehrenbach wurde in Hamburg deutscher Meister im 1er Kunstrad der Männer. Es war sein erster Titel in diesem Jahr und die Wiederholung des DM-Triumphs aus dem Vorjahr. Damit fährt er als großer Favorit zur Weltmeisterschaft vom 24. bis 26. November nach Dornbirn (Österreich) - auch dort geht es für Kohl um die Titelverteidigung. Oder? "Halt", räumt Lukas Kohl ein. "Für mich heißt es nicht, den Titel zu verteidigen, sondern ihn erneut zu gewinnen." Geprägt hat ihn Vorgänger Michael Niedermeier.

Dass es auch ganz anders für einen Weltmeister laufen kann, konnte er beim Vorkampf im 1er der Frauen miterleben. Die amtierende Weltmeisterin Lisa Hattemer verpasste nicht nur die Teilnahme im Final-Four, sondern fuhr am WM-Ticket vorbei. Die noch amtierende Weltmeisterin wird ihren Titel nicht verteidigen können.

Gleich zwei Mal musste Lukas Kohl am Freitag auf die Fläche. Sein WM-Ticket hatte er bereits vorzeitig gebucht. Somit konnte er sich voll auf die Vorrunde und das Finale konzentrieren. Bereits am Mittwochabend wurde Hamburg erreicht, so dass am Donnerstag neben dem Kennenlernen der Wettkampfstätte noch etwas Sightseeing auf dem Programm stand. "Die beiden Böden in der Wettkampfhalle und in der Trainingshalle waren sehr ungleich", so Kohl. "Während in der Arena der Boden ähnlich wie zu Hause war, war er in der Trainingshalle schnell und hügelig. Da muss man sich schnell umstellen, das ist mir super gelungen." Dabei kam ihm sicherlich zugute, dass er seit August jedes Wochenende einen Wettkampf mit unterschiedlichen Böden bestritten hat.

Im Vorkampf hatten die Konkurrenten Marcel Jüngling (Dornheim/179,25), Martin Fürsattel (Fürth-Vach/182,7) und Moritz Herbst (Wendlingen/189,37) vorgelegt. Damit wird Moritz Herbst als Nr. 2 neben Lukas Kohl zur WM fahren. Kohl konterte die Vorgabe mit einem weiteren Ergebnis über der 200er Marke. 204,28 Punkte sollte seine Kür im Vorkampf einbringen.

In der abendlichen Finalveranstaltung vor prallvoller Halle wurden die Karten neu gemischt. Alle Teilnehmer begannen bei Null. Marcel Jüngling als erster Herausforderer legte 185,87 Punkte vor. Martin Fürsattel bekam für seinen sechsfachen Drehsprung Szenenapplaus. 191,35 Punkte war sein Vortrag wert. Und Moritz Herbst? Der zeigte den vierfachen Drehsprung und erfuhr 198,50 Punkte. "Ich war überrascht, welche Punktzahlen im Männerfinale gefahren wurde", so Lukas Kohl. Während er sich auf der zweiten Fläche vorbereitete, schaute er seinen Konkurrenten zu und klatschte auch, wenn einem ein gutes Ergebnis gelungen ist. "Ich will schon wissen, was die vorgelegt haben. Ich wusste daher, dass ich mir keinen Fehler erlauben kann und auch nicht die Steiger-Rückwärtsserie verhauen darf".


Lukas Kohl hat die Ruhe weg

Mutter und Trainerin Andrea Kohl war sichtlich angespannter als der Junior. "Obwohl ich weiß, was Lukas kann, bin ich bei jedem Start von ihm nervös. Das zerrt ganz schön an den Nerven."
Nach dem Sattelstand und dem Maute-Sprung sahen die restlichen Übungen sehr spielerisch aus. Den Drehsprung erweiterte er von zwei- auf vierfach, auch bei den Lenker-standdrehungen heimste er Zusatzpunkte ein. Am Ende waren es 205,64 Punkte, damit lag er bereits das zwölfte Mal in diesem Jahr über der 200er Marke. Silber gab es für Moritz Herbst, während Martin Fürsattel Bronze entgegennehmen durfte. "Am Mittwoch beginnen schon die Vorbereitungen zur WM", so Kohl. Am 11. November kommt es beim Drei-Nationen-Cup in Gau-Algesheim zur Generalprobe gegen Sportler aus der Schweiz und Österreich. "Ich rechne damit, dass die WM sehr schwer für mich werden wird, und hoffe, dass ich meine derzeitige Form halten kann."