Genau zwölf Jahre lang kennen sich Egon Landgraf und Heinrich Gutbier bereits. Eine vergleichsweise kurze Zeit im Leben der heute 81- und 92-jährigen Dauerläufer. Bei den deutschen Straßenlaufmeisterschaften 2003 in Burghaslach standen sie als Vize-Sieger ihrer jeweiligen Altersklasse gemeinsam auf dem Treppchen.
"Ich war praktisch auf Tuchfühlung zu Heinrich, da wir dicht gedrängt auf dem Podium standen", erinnert sich Landgraf an den Beginn ihrer mehr als nur sportlichen Freundschaft.

Drei Jahre ist es schon her

Am Sonntag schnüren die Oldies nach ihrem Motto "Ja, wir leben noch" drei Jahre nach dem letzten gemeinsamen Wettkampf wieder zusammen die Schuhe. Beim 14. Weinturmlauf in Bad Windsheim am Sonntag nehmen sie erstmals die 5,3 Kilometer lange Nordic-Walking-Strecke in Angriff.
"Leider sind unsere Staffelkollegen Hans Strom, der fürs Schwimmen zuständig war, und Radfahrer Werner Schütze in den vergangenen beiden Jahren verstorben", erzählt Landgraf, der beim Forchheimer Stadttriathlon bereits alle drei Disziplinen übernommen hat.

Diesmal hat Gutbier gleich in dreierlei Hinsicht ein Heimspiel. Zum einen wohnt der ehemalige Röttenbacher seit einiger Zeit mit seiner Frau in einem Bad Windsheimer Seniorenheim, zum anderen ist der 92-Jährige vor zwei Jahren vom Laufen auf Nordic Walking umgestiegen. "Hier im Heim sind viele mit Rollator unterwegs. Ich bin froh, dass ich noch flott gehen kann", erzählt Gutbier, der seit längerer Zeit mit Knieproblemen zu kämpfen hat. Seine Mitbewohner beneideten ihn aber um seine Kondition.

Den dritten Vorteil seines Laufpartners erklärt Landgraf so: "Während Heinrich immer ein Langstrecken-Spezialist war und seinen Treppenaufgang mit durchgelatschten Schuhen geschmückt hat, war ich eher der Bergläufer, wovon zahlreiche Bilder neben meiner Treppe zeugen." Trotzdem wollen die Oldies gemeinsam im Ziel ankommen. "Ich schäme mich nicht, wenn ich als 92-Jähriger im hinteren Drittel das Ziel erreiche", sagt Gutbier, der 2014 im ersten Viertel landete. "Das werde ich diesmal aber nicht schaffen, da ich etwas später mit dem Training angefangen habe", fürchtet er.

Zwei Mal um die Erde gelaufen

Immerhin zehrt Gutbier von der Erfahrung etlicher Läufe. "Mit meinen Gesamtkilometern dürfte ich zwei Mal um die Erde gekommen sein", rechnet er vor. Nur einen Wettkampf hat Gutbier abgebrochen. "Das war die deutsche Meisterschaft über 100 Kilometer. Ich war gerade aus einem Afrika-Urlaub zurück und hatte Schwierigkeiten mit der Umgewöhnung", erzählt er.

Um sich gegenüber der durchweg jüngeren Konkurrenz einen Vorteil zu verschaffen, verzichten die Dauerläufer auf unnötigen Ballast: "Wir laufen ohne Stöcke, die wären uns furchtbar im Weg", sagt Landgraf, der auch seine Frau mitnimmt, mit der er im April 55. Hochzeitstag feiert und zwei Mal pro Woche joggen geht.
Schließlich hat Landgraf bereits den übernächsten Wettkampf im Kopf. "Beim Metropolmarathon in Fürth will ich meinen eigenen Altersrekord auf der Zehn-Kilometer-Strecke brechen", kündigt er an.