Für Jörg Kornfeld ging im März ein Traum in Erfüllung, als er noch einen Startplatz beim "Tor des Géants" (TdG, Turm der Giganten) ergatterte. Die 500 begehrten Startplätze waren nämlich nach einer halben Stunde vergeben. Umso mehr freute es den 54-jährigen Ultraläufer aus Forchheim, unter nur zwölf Deutschen einen Startplatz zu haben. Der TdG ist ein Wettkampf im Aosta-Tal, bei dem 330 Kilometer und 24 000 Höhenmeter in 150 Stunden zu bestreiten sind. Er findet statt mit Start am 9. September um 10 Uhr im italienischen Courmayeur und Zielschluss am 15. September um 16 Uhr ebendort.

Das Ziel ist das Ziel


"Dazwischen liegen 330 aufregende Kilometer auf dem Höhenweg Alta Vista 1 und 2 vor den höchsten Gipfeln der schweizer, italienischen und französischen Alpen", freut sich Kornfeld auf die Herausforderung. Die Etappen und Laufpausen muss sich der Läufer selbst einteilen. Die ersten werden das Ziel in zirka 80 Stunden erreichen. 2011 kamen von 550 Läufern 260 ins Ziel, der Rest scheiterte an den Zeiten oder der Ausdauer und Verletzungen. Das Ziel von Jörg ist, ins Ziel zu kommen.
Er erklärt: "Es sind 150 Stunden und da kann viel passieren, von Verletzungen bis Wetterstürzen." Eigentlich wollte er heuer erstmal den Ultratrail Mont Blanc (166 km, 9500 Höhenmeter in 46 Stunden) laufen, aber da scheiterte es am Startplatz - das Los hat ihn für 2013 gezogen. Frühzeitig fing daher sein Laufjahr an, und es sollte für Jörg Kornfeld einen Vorgeschmack auf das bringen, was vom 2. bis 9. September auf ihn wartet.

Von Gran Canaria zur Zugspitze


Bereits im März zog es ihn nach Gran Canaria zu einen Ultra-Trail über 128 km. Jörg beendete aber vorzeitig das Rennen, da er nach der Hitze des Tages in der Verpflegungsstelle bei km 86 Schüttelfrost bekam und wund gelaufen war. Zur weiteren Vorbereitung beteiligte sich der Forchheimer am Frankenweg-Lauf in heimischen Wäldern. Im Juni zog es ihn zum Zugspitz-Ultra-Trail nach Grainau (100 km, knapp 6000 Höhenmeter, 21 Stunden).
In einer Woche warteten in Cortina d'Ampezzo beim Lavaredo-Trail 118 km und 8000 Höhenmeter. Auf schwierigem Terrain verlief sich Kornfeld in der zweiten Nacht zweimal in den Dolomiten, jedoch fand er wieder auf den rechten Weg zurück und kam in knapp 31 Stunden ins Ziel. Bereits am 6. Juli folgte ein wichtiger Testlauf für den TdG: der Irontrail in der Schweiz von Pontresina bis nach Chur. Wegen eines Unwetters wurde die Strecke auf 156 km verkürzt. Der Aufstieg zum höchsten Gipfel des Laufes, den Piz Nair, erwies sich als sehr schwierig, da der Regen immer stärker wurde. In der Nacht an der Zwischenstation wurden die Läufer von den Streckenposten aufgehalten, keiner durfte mehr weiter.

Abbruch per SMS


Nach einer halben Stunde ging es wieder los, aber auf dem Weg zum nächsten Gipfel (Fuorcla Crap Alv) kam eine SMS vom Veranstalter, dass das Rennen abgebrochen wird wegen schlechten Wetters. Die Läufer mussten sich zur nächst gelegenen Verpflegungsstelle begeben und wurden mitten in der Nacht zu Notunterkünften gebracht. "Die Sicherheit der Läufer geht vor, und unter diesen Umständen wäre das Risiko zu groß gewesen", zeigt Jörg Kornfeld Verständnis. Beim Abbruch des Rennens befand er sich bei km 45.
Genau vier Wochen später sollte noch ein Testlauf für den Oberfranken auf dem Programm stehen: der Ticino-Trail in Norditalien (117 km, 8500 Höhenmeter, Sollzeit 28 Stunden). Beim Start in Airolo wagten sich 100 Läufer auf die Strecke. "Die Wege waren sehr steil und eng und schwierig zu laufen. Ein sehr steiler, am Fels sich schlängelnder Trail erforderte alle Vorsicht", berichtet Jörg Kornfeld. Wegen eines Gewitters mit Hagel und sintflutartigem Regen wurde auch dieses Rennen abgebrochen. "Ärgerlich" fand Kornfeld dies. Aber teilweise waren die Wege weggespült worden. "Schade ist immer nur die weite Anreise und die Zeit, die verloren ist auf der Autobahn", meint der Forchheimer.

Ein letzter Test


Am 12. August bestritt er mit seinen letztjährigen Team-Partner Wolfgang Reuss aus Köln den Monschau-Ultra-Marathon. Die beiden liefen die 56 km und 1500 Höhenmeter zusammen in sechseinhalb Stunden.
Nach dieser intensiven Vorbereitung geht Jörg Kornfeld nun sein größtes Vorhaben 2012 an, den "Tor des Géants". Falls er den unbeschadet übersteht und noch laufen kann, möchte er zusammen mit Reuss im Oktober noch zum Abschluss den Trans-Mallorca-Run laufen: ein Rennen um die Insel Mallorca über 350 Kilometer und 12 000 Höhenmeter in sieben Tagesetappen, ähnlich wie sie beide es in den beiden Vorjahren beim Trans-Alpin-Lauf gemeistert haben.