Nach 423 Minuten war der Bann gebrochen: Adem Selmani wuchtete den Ball mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch in die Memmelsdorfer Maschen (70.), die SpVgg Jahn Forchheim durfte nach dem 1:0 in Ammerthal wieder ein Tor bejubeln. Damals - fast ein Monat Flaute lag dazwischen - traf Sebastian Schäferlein zum Endstand. Und Schäferlein hätte auch gegen den SV wieder für ein Erfolgserlebnis sorgen können. In der 97. Minute trat der Abwehrspieler zum Strafstoß an, verzögerte, wollte den Keeper ausgucken, doch der höchstens 170 Zentimeter große Jürgen Jensch entschärfte den Elfer.

Das Zählen der Minuten bis zum nächsten Jahn-Treffer ist also vorerst vorbei, das Warten auf den elften Sieg geht aber weiter. Von der Stimmung "Wenigestens sind wir nicht die erste Mannschaft, die gegen Memmelsdorf verloren hat" war nach Abpfiff nichts zu spüren.
Dabei lag der Jahn gegen das abgeschlagene Ligaschlusslicht sogar zurück. Sebastian Wagner war in der 15. Minute plötzlich auf der linken Seite frei, zog nach innen und von der Strafraumgrenze ab.

Die Gäste spielten nicht wie ein Abstiegskandidat. Die Hausherren, die im Hinspiel zu diesem Zeitpunkt bereits 2:0 vorne lagen, hatten kaum etwas entgegenzusetzen. "In der ersten Halbzeit waren wir nicht so durchschlagskräftig", fand auch Michael Hutzler. "Die Leidenschaft war wieder da, die Leichtigkeit aus den ersten 15 Ligaspielen nicht", sagte der Jahn-Coach. Thomas Roas, Mergim Bajrami und Maximilian Göbhardt, die zusammen 15 der 37 Forchheimer Tore erzielt haben, scheiterten mit ihren Versuchen.

Mit etwas Verzögerung rissen die Forchheimer den zweiten Durchgang an sich. Zwar hätte Tobias Seifert für seine Elf nach schnell ausgeführtem Freistoß freistehend vor dem Jahn-Gehäuse erhöhen müssen (59.), doch danach sahen die 250 Zuschauer ein Spiel auf ein Tor: das von Jensch. Die Fans nahmen Rücksicht auf die schwierige Lage des einstigen Tabellenführers, klatschten sogar bei Schüssen ins zweite oder dritte Stockwerk. Für Umbruchstimmung sorgte Ferdinand List mit einem Freistoß an die Latte (64.).

Die meisten Chancen endeten allerdings an der 22-beinigen SV-Abwehr. Bis Selmani nach einem geblockten Bajrami-Schuss eine Lücke fand. Verletzungsbedingte Unterbrechungen verschafften den Gastgebern sieben Minuten Nachspielzeit, der Schiedsrichter zeigte nach Jenschs Luftkampf mit Dominik Zametzer auf den Punkt. "Der Elfer war sinnbildlich für unsere Situation", erklärte Hutzler enttäuscht. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat alles probiert", sagte der 45-Jährige.

Jahn Forchheim: Beck - Özdemir, Woleman, Schäferlein, Eisgrub (88. Neudecker) - Roas, Selmani, Seybold (57. Zametzer), Göbhardt, Bajrami, Faßold (57. List).

SV Memmelsdorf: Jensch - Spies, Kamm, Neuß, Mallette, Grasser, Wagner (84. Ebstein), Seifert (67. Saal), Pflaum, Krüger, Wolfschmidt.

Schiedsrichter: Roman Solter (Weiherhammer). Zuschauer: 250. Tore: 0:1 Sebastian Wagner (15.), 1:1 Adem Selmani (70.).