Trotz des siebten Erfolgs im neunten Spiel schlich Michael Hutzler vom Platz, als ob seine Mannschaft gerade mit 0:5 verloren hätte. "Ich kann mich über den Sieg nicht richtig freuen", sagte er, während seine Jungs wie begossene Pudel - und das lag nicht am Regen - ihre obligatorischen Auslaufrunden abspulten. Was den Jahn-Trainer ärgerte, war weniger der Würzburger Anschlusstreffer in der 90. Minute als vielmehr das aus seiner Sicht mangelhafte Umschaltspiel der Forchheimer. "Nur drei, vier Mal haben wir schnell gespielt und prompt die Tore erzielt", sagte Hutzler.

So wie in der 17. Minute, als Maximilian Göbhardt Thomas Roas durch die Gasse bediente und der Rückkehrer aus Seligenporten zum 1:0 einschob. Der immer anspielbereite und emsig nach hinten arbeitende Göbhardt ließ sich seinen gerade erst auskurierten grippalen Infekt nicht anmerken. Dennoch nahm er nach der Pause auf der Ersatzbank Platz.
"Wohl eine Vorsichtsmaßnahme des Trainers", erklärte er hinterher.

Die zweiten 45 Minuten seiner Teamkameraden bewertete er so: "Durch das frühe 2:0 haben sie sich vielleicht etwas zu sicher gefühlt und ein paar Chancen für Würzburg zugelassen. Nach dem 2:1 haben sie aber die richtige Antwort gegeben."

Tatsächlich befolgten die Hausherren die Anweisung ihres Coaches offensiv, aber clever weiterzuspielen, nur mangelhaft. Denn nach dem 2:0 von Oliver Seybold, der in einen Querpass von Sebastian Schäferlein gerutscht war (55.), gab der Jahn die Kontrolle ab. Lediglich der Unkonzentriertheit der Gäste bei Kontern hatte es der Spitzenreiter zu verdanken, dass Torwart Rüdiger Beck noch nicht hinter sich greifen musste. Die zahlreichen Eckbälle und Freistöße fischte der Keeper meist souverän herunter.

Erst in der letzten Minute der regulären Spielzeit drosch Wojtek Droszcz den Ball auf Brustablage seines Kapitäns Vladimir Slintchenko ins Forchheimer Gehäuse. Die etwa 30 mitgereisten Gästefans ahnten es: "Das Tor kommt zu spät". Zumal der eingewechselte Ferdinand List seinem Namen alle Ehre machte und einen schlechten Befreiungsschlag von FV-Schlussmann Stefan Kunze aus 30 Metern mit Hilfe des Innenpfostens über die Linie hob.
Ganz ohne sich zu freuen gingen die Spieler dann doch nicht nach Hause. Angepeitscht vom Kreuzbandrisspatienten Max Bauernschmitt feierten sie zumindest kurz Rang 1. Denn nicht nur Interimskapitän Hayri Özdemir wusste: "Am Ende zählen die drei Punkte."


SpVgg Jahn Forchheim: Beck; Woleman, Konrad (73. Eisgrub), Özdemir, Schäferlein, Göbhardt (46. Faßold), Becker, Bajrami (66. List), Selmani, Roas, Seybold.

Würzburger FV: Kunze; Eck, Slintchenko, Droesler, Hofmann, Dees (28. Lotter), Ganzinger, Droszcz, Schömig (76. Tahir), Dellinger (69. Hilgert), Heim.

Schiedsrichter: Stefan Klerner (Lichtenfels). Zuschauer: 200. Tore: 1:0 Thomas Roas (17.), 2:0 Oliver Seybold (55.), 2:1 Wojtek Droszcz (90.), 3:1 Ferdinand List (92.).