Weit liegen Fürth und Vestenbergsgreuth nicht auseinander. Rund 40 Minuten braucht der Bus der SpVgg Greuther Fürth für die knapp 50 Kilometer, ehe er am traditionsreichen Stadion am Schwalbenberg vorfährt. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Im ersten Spiel seiner Vorbereitung auf die kommende Saison in der 2. Liga traf die Mannschaft von Trainer Frank Kramer auf den Verein, dessen Fußballabteilung 1996 der SpVgg Fürth beitrat und seitdem nicht nur den Vereinsnamen um den Zusatz "Greuther" erweiterte, sondern auch den schwarz-weiß-roten Holzschuh zum Wappen beisteuerte.

Für Kramer war es gar eine doppelte Rückkehr zu den Wurzeln. Von 2001 bis 2002 trainierte er mit der Reserve der Spielvereinigung am Schwalbenberg. "Wir hatten eine tolle Mannschaft. Es war sehr familiär hier und etwas Außergewöhnliches", erinnerte sich der Trainer.

Doch auch wenn die Spielvereinigung anreiste, um dem TSV Vestenbergsgreuth zum 40. Geburtstag zu gratulieren, war nicht allen Fans zum Feiern zumute - auch wenn sie sich beim 14:0 (4:0) ihres Teams gleich über mehrere Tore freuen durften. Viele Anhänger verstanden es nicht, dass ihr Klub gegen einen Verein antritt, der einst mit dem ihrigen fusionierte. Denn seit 2007 hat Vestenbergsgreuth wieder eine eigene Fußball-Abteilung. "Hiermit hat der TSV in unseren Augen gezeigt, dass der damalige Beitritt zur SpVgg nichtig ist", schrieb die Fürther Ultra-Vereinigung "Horidos" auf ihrer Internetseite. Entsprechend fielen die Glückwünsche aus. "Alles Gute zum Geburtstag TSV! Als Geschenk gibt‘s den Holzschuh zurück", war nur eines der Transparente, die an den Banden aufgehängt wurden. Doch auch aus ihrem Namen würden die Fans der Spielvereinigung gerne etwas loswerden. "Wir reichen die Scheidung ein. SpVgg Fürth soll's wieder sein" prangte auf einem Plakat in der Nähe des Fürther Blocks.

Was fürs Herz besser wäre

Als Protest solle das allerdings nicht verstanden werden. "Das ist nicht kontra Greuther, sondern pro Fürth", erklärt ein Fan, der den Schriftzug mit angebracht hatte, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. Stefanie Thomas kann mit solchen Forderungen wenig anfangen. "Das ist lächerlich. Aus dem Trikotwappen ist der Holzschuh schon verschwunden und man sieht jetzt nur noch das Kleeblatt. Da regen wir uns auch nicht drüber auf, aber der Name ist schon wichtig und sollte bleiben", sagt Thomas, die aus Vestenbergsgreuth kommt und zudem eine Dauerkarte für die Spiele im Fürther Ronhof hat.

Während der Verein heuer erneut als einer der Aufstiegsfavoriten gilt, stellte sich die Situation vor 17 Jahren gänzlich anders da. Die damalige SpVgg Fürth stand in der Regionalliga kurz vor dem Aus. Was die Rettung brachte, ist während des Testspiels durchgehend zu riechen und wird auch durch die von den Fürther-Fans gezündeten bengalischen Feuer nur kurz überlagert: Tee. Durch die Gelder des Tee-Produzenten "Martin Bauer Group", der den TSV unterstützte, wurden die klammen Fürther gerettet.

Rainer Drescher, der seit 47 Jahren mit den "Grün-Weißen" fiebert, kann sich an diese Zeit gut erinnern. "Ich habe damals für die Fusion gestimmt. Wir hatten ja auch nicht viele Möglichkeiten", sagt er. Auf den Namenszusatz würde er gerne verzichten. "Für das Herz wäre es besser, wenn das Greuther gestrichen wird." Damit denkt er genauso wie Rainer Schmidt, der als Mitglied ebenfalls für einen Zusammenschluss war: "Sonst wären wir ganz weg gewesen und würden womöglich jetzt da stehen, wo der TSV Vestenbergsgreuth ist. Die Tradition wird aber dadurch weggedrängt."

Hack nimmt's gelassen

Was Befürworter wie Gegner eint, ist die Dankbarkeit gegenüber ihrem Präsidenten Helmut Hack. Der 64-Jährige stammt aus Vestenbergsgreuth, war lange Jahre Geschäftsführer der Martin Bauer Group und stellte als Präsident die entscheidenden Weichen. "Damals wurden im Stadion Flugblätter verteilt, auf denen Hack erklärte, dass auch ein Bundesliga-Aufstieg keine Utopie sei. Damals haben wir darüber noch gelacht", erinnert sich Norbert König, der sich auf der Stehtribüne hinter dem Tor jenen Platz ausgesucht hat, den er schon besuchte, als in Vestenbergsgreuth noch Bayernliga-Fußball zu beobachten war. "Von mir aus kann das Greuther ruhig weiter im Namen bleiben."

Auf der grasbewachsenen Gegengeraden steht Hack und beobachtet das Spiel seiner Mannschaft gegen den Verein, dessen Ehrenvorsitzender er ist. Die Transparente sieht er gelassen. "Das tut mir gar nicht weh. Wir haben hier junge Menschen, die einfach ihre Meinung äußern und es wäre ihnen Gegenüber vollkommen intolerant, wenn ich sagen würde, dass mich das stört", sagt Hack: "Die waren gar nicht dabei, unter welchen Voraussetzungen wir das gemacht haben. Das gehört zum Fußball dazu. Auch Meinung und Meinungsvielfalt." Sportliche Erkenntnisse will der Präsident aus der Partie nicht ziehen: "Dafür ist es zu früh. Wir sind mitten in der totalen Konditionsarbeit. Wir haben heute früh noch zweieinhalb Stunden extrem hart trainiert." Das war dem Kleeblatt anzumerken, dem zunächst der Zug zum Tor fehlte. 14 Minuten dauerte es, ehe Stephan Fürstner den stark aufgelegten TSV-Keeper Georg Dönisch überwand, der in der ersten Hälfte nur vier Mal hinter sich greifen musste.

Nach dem Seitenwechsel schaltete die Spielvereinigung dann allerdings mehr als einen Gang hoch und sorgte ab der 75. Minute dafür, dass die manuelle Anzeigetafel nicht mehr ausreichte. Nach Kacpar Przybylkos Treffer zum 10:0 malten die Kinder, die sich das Verkünden des Spielstandes zur Aufgabe gemacht hatten, kurzerhand eine "1" auf ein DIN-A4-Blatt, klebten dieses vor die eigentlichen Zahlen und begannen mit den vorhandenen Tafeln von vorn. Erfolgreichste Torschützen waren auf Seiten der Gäste Ognjen Mudrinski mit fünf sowie Przybylko mit drei Toren. Für die Spielvereinigung war es eine Reise in die Vergangenheit. Für den TSV dank der Einnahmen, die in die Jugendarbeit fließen, ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft.