Wer regelmäßig bei Laufveranstaltungen in der Region startet, den zieht es auch einmal in die Ferne. Jetzt hat sich der Querläufer Jochen Brosig ein Ticket für den Hamburg-Marathon besorgt und schon ging´s los. "Laat man loopen!", wie der Hamburger sagt. "Was hältst Du davon, wenn wir nächstes Jahr beim Hamburg-Marathon an den Start gehen?", hatte mich mein Freund Harald gefragt. Zum Hamburg-Trip musste ermich nicht lange überreden.

Titan-Runner Oliver schwärmt Jahr für Jahr von der tollen Atmosphäre in Hamburg. Und im TV hatte ich mir mehrmals Appetit geholt. Ohne Bedenkzeit habe ich zugesagt. Nach langfristiger Planung haben wir uns für die Jugendherberge "Auf dem Sintfang" entschieden. Natürlich gehört zu so einem Laufwochenende das passende Rahmenprogramm. Sightseeing, Hafenrundfahrt, Musical etc. - wir haben die Qual der Wahl.
Hamburg, wir kommen!

Querläufer: Was reizt dich am Hamburg?
Harald Rist: Die Stadt ist für mich das Venedig des Nordens. Umgeben von Wasser, das Tor zur Welt. Auf der einen Seite der Kiez, auf der anderen Seite die Elbchaussee, Speicherstadt und natürlich St. Pauli. Eine Stadt der Gegensätze. Die Verbindung von Sehenswürdigkeiten und Marathonlaufen ist einfach genial.

Die Anreise klappt perfekt. Für den Freitag war Sightseeing angesagt. Zwischen Kaffeetrinken am Vormittag, einem gigantischen Krabbenbrötchen auf der "Brücke 10" am Nachmittag und dem Abendessen im Fischrestaurant "Au-Quai" am Fischmarkt hatten wir ein volles Programm abzuarbeiten. Die große Hafenrundfahrt mit Spaziergang entlang der St.-Pauli-Landungsbrücken war Pflicht. Anschließend führte unser Weg an den Jungfernstieg und wir flanierten entlang der Binnenalster zum Hotel Atlantik, dem Wohnsitz von Udo Lindenberg. Von dort sind es knapp zehn Minuten zu Fuß in die Speicherstadt. Der Besuch des Miniatur-Wunderlands mit "Hinter-den-Kulissen-Führung" war schon ein Highlight für sich. Doch wurde es von der "Rotlichtführung durch St. Pauli" am Abend noch einmal getoppt.

Querläufer:Seit zehn Jahren zieht es dich Jahr für Jahr in den Norden. Worin liegt für dich die Anziehungskraft des Hamburg-Marathons?
Oliver Brehm: Ich bin alle meine Bestzeiten in Hamburg gelaufen. Ebenso meinen ersten Marathon unter vier Stunden. Dann wäre da noch die wahnsinnig gute Stimmung an der Strecke in dieser wunderschönen Stadt. Die Strecke ist eine riesige Party-Meile, fast wie New York. Viele Freunde und alte Studienkollegen treffe ich dort. Mit dem Wetter hatten wir auch immer Glück. Kurz und bündig: Ich mag den Hamburg-Marathon und die Stadt unheimlich gern.

Die Spannung stieg am Samstag enorm. Wie immer vor einem Marathon. Deshalb war am Samstag außer der Marathonmesse mit Startunterlagen abholen nur eine Stadtrundfahrt mit den Freiluft-Doppeldeckerbussen bei frischer Hamburger Brise vorgesehen. An der Startnummernausgabe tippt mir jemand auf die Schulter. Oliver Brehm mit seinen Titan-Runners war auch wieder am Start. Am Polar-Stand das nächste bekannte Gesicht - Franken überrollt Hamburg: Wolfgang Schweigert vom LAC Quelle Fürth. Und auf der anderen Seite sehe ich Silke Bittel mit Tochter Corinna.

Querläufer: Geht es auch für dich um eine persönliche Bestzeit auf dieser schnellen Strecke oder soll es ein Genusslaufmarathon werden?
Wolfgang Schweigert: Hamburg war eine spontane Entscheidung. Wegen einer persönlichen Bestzeit bin ich nicht da, ich möchte hier einen schönen Trainingsmarathon machen und die Stimmung genießen. Ich war schon zwei Mal hier am Start und habe die gute Stimmung sehr genossen.

Sonntagmorgen. Etwas frostige Temperaturen und leichter Wind, aber Sonnenschein entgegen der Wetterprognosen. Für mich bestes Laufwetter. 20 Bands und Musikgruppen sowie die vielen Zuschauer verwandeln die 42,2 Kilometer in die längste Party der Stadt. In Hamburg wird es nie langweilig. Sehenswürdigkeiten gibt es genug an der Strecke. Und immer wieder tobende Zuschauer. Der Spielmannszug Hinschenfelde treibt die 12 567 Läufer an. Die Menge an den Landungsbrücken kocht bei windigen sechs Grad. Aber auch nach Kilometer 30 werden die Zuschauer nicht weniger. Dort, wo wir die meiste Unterstützung brauchen, wenn die Beine schwerer werden. Der Hamburg-Marathon macht Spaß. Im Ziel wartet der rote Teppich. Die Titan-Runner Swen und Oliver sind längst im Ziel, als sich der Querläufer die Medaille mit der Elbphilharmonie überstreifen darf.

Querläufer:Wie beurteilst du den Hamburg-Marathon?
Harald Rist: Natürlich ist es bitter, wenn du nicht an den Start gehen kannst. Erst recht, wenn man die Stimmung am Streckenrand hautnah mitbekommt. Die Zuschauer an den Landungsbrücken waren total aus dem Häuschen. Der Hamburg-Marathon bekommt von mir die Note 1.

Am Montag waren die Beine schwer. Harald konnte leider wegen einer Erkältung nicht starten. Alle anderen waren hochzufrieden. Die Titan-Runner Jonas, Swen und Oliver ließen ihr Hamburg-Finish kulinarisch ausklingen. Wolfgang hatte seine Vereinskollegin als Tempomacher ins Ziel gebracht. Der Querläufer knüpfte nach langer Marathonabstinenz an alte Zeiten an. Vor der Abreise streckten Harald und ich bei einer gemütlichen Alsterrundfahrt alle Viere von uns. So hatten wir genügend Zeit, unsere Erlebnisse bei einer Tasse Kaffee im Hard-Rock-Café auszutauschen. Wie sagt der Hamburger? "Tschüss. Kiek mol wedder in!"

Run happy and smile!
Euer Querläufer