Im Mittelalter leben wollen sie lieber nicht, geben die Mitglieder der historischen Kampfsportgruppe im Warriors Gym Forchheim zu. "Ich bin aber schon ein Survival-Freak", betont Caroline, die gerne mal für ein Wochenende auf Strom, Warmwasser und sonstige Bequemlichkeiten der Moderne verzichtet. Auf den Mittelalter-Märkten der Region müssen sie das nicht. "Während der Auftritte halten wir uns natürlich an die Begebenheiten der damaligen Zeit, aber in den Pausen oder nach der Show hat jeder sein Handy in der Hand oder den Laptop auf dem Schoß", erzählt die 38-Jährige amüsiert.

So eine Show besteht hauptsächlich aus historischen Schwertkämpfen. Die Affinität für diese Sportart hat die zwischen fünf und zehn Personen starke Gruppe, die dienstags und donnerstags trainiert, zusammengebracht. Hinter den Masken aus dem Fechtbedarf stecken dabei keinesfalls unausgelastete Menschen, die ihre Gewaltfantasien ausleben wollen. Stattdessen gehe es darum, den eigenen Körper zu kontrollieren und den Gegner durch geschickte Manöver aus dem Spiel zu nehmen.

Beim Anlegen von Helm, Knie- und Ellenbogenschutz zeigt Christian Simanek, auf welche Körperpartien man besonders aufpassen muss. Der Leiter der sogenannten Martial-Arts-Abteilung weist auf die empfindlichen Stellen an Hals, Kniekehle und Fuß hin. "Aber eine Blöße haben wir noch vergessen", mahnt er seine Schützlinge. Etwas zögerlich gibt Carlos die richtige Antwort: "Die am Po?"

30 Minuten lang anziehen

Sobald die einen halben Zentner wiegende Ritterrüstung über den Kettengeflechten und unter den Röcken sitzt (Simanek: "Ohne Hilfe brauche ich zum Anziehen mindestens eine halbe Stunde") kann das Duell beginnen.
Die wichtigsten Körperteile seien zwar geschützt und die langen Aluminium-Schwerter komplett abgestumpft, dennoch könnten die Sportler nicht einfach so aufeinander einschlagen. "Bei Sparringskämpfen zählt, ob und wo ich den Partner treffe", erklärt der 35-Jährige.

"Wenn das eineinhalb Kilogramm schwere Schwert auf die Hand trifft, spürt man das deutlich. Auch unter den Icehockey-Handschuhen", präzisiert Simanek. Ohne diese kleinen Schummeleien beim Zusammenstellen der Kampfutensilien käme den "Warriors" ihr Hobby teuer zu stehen. "Eine individuell angepasste Rüstung kostet bis zu 15.000 Euro", sagt der Oberehrenbacher. Mit Ausnahme von blauen Flecken gebe es kaum Verletzungen. Schließlich habe man stets die volle Kontrolle über seinen Körper. Und Simanek nennt einen weiteren Unterschied zu "normalen" Sportarten: "Man rechnet jederzeit mit einem Angriff."

Messerkampf und Escrima

Die Teilnehmer im Gym kommen meist aus benachbarten Bereichen, wie dem Bogenschießen oder Kickboxen. Caroline habe noch Erfahrung im Messerkampf, während sich Carlos bereits in Escrima, den philippinischen Kampfkünsten, versucht hat. Was die Sportler eint, ist ihre Begeisterung fürs Mittelalter. "Eigentlich mache ich es nur wegen der Röcke, die ich anziehen darf", scherzt Simanek, der aufgrund seiner zusätzlichen Trainingstätigkeit in Bamberg jeden Tag in der Woche kampfsportlich unterwegs ist. Seine Forchheimer Gruppe befinde sich nach eineinhalb Jahren noch immer in der Entstehungsphase. "Ein paar Leute mehr würden wir uns schon wünschen", wirbt der Großhandelskaufmann für sein Hobby.

Dann könnte die Gruppe, die alle zwei Monate eine andere historische Kampfkunst ausprobiert, regelmäßiger an Mittelaltermärkten und Fecht-Events teilnehmen. "Die Märkte in der Region haben wir fast alle schon besucht", sagt Simanek, der sich über eine Wiederbelebung des Forchheimer Mittelalter-Festivals sehr freuen würde. Für seine Martial-Arts-Kollegen sei das die einzige Gelegenheit, für kurze Zeit in ein Leben aus der Vergangenheit zu schlüpfen. Zumindest so lange, bis es Zeitreisen gibt.