Dem FC Burk scheint das Glück in den Schoß zu fallen: Nachdem der Kreisligist nur äußerst schleppend aus der Winterpause gekommen ist und derzeit um den Klassenerhalt bangt, hat Abteilungsleiter Frank Gareus ungeachtet dessen den mit Abstand größten Transfer der Vereinsgeschichte eingefädelt: Anthony Modeste, Stürmer des 1. FC Köln, hat dem Profi-Zirkus überraschend den Rücken gekehrt und möchte dort spielen, wo Fußball ehrliche Arbeit bedeutet: in der Kreisliga.

Der Stürmer mischt mit 22 Treffern hinter Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund (23) und vor Robert Lewandowski von Bayern München (21) um die Torjägerkanone in der Bundesliga mit. Weil er sich mit seinem Verein über seinen nicht genehmigten Wechsel zu einem europäischen Topklub oder in die neureiche chinesische Liga verkracht hatte, löste der 28-Jährige seinen Vertrag bei den Rheinländern auf. Auch die andauernde Nicht-Nominierung für die französische Nationalmannschaft dürfte einen großen Anteil daran haben, dass Modeste mit dem Profi-Fußball abschließen will.

Doch was verschlägt den Überflieger der Saison, der allein mit fünf Treffern in den letzten zwei Bundesliga-Partien glänzte, zu einem Amateurklub nach Franken? Christian Martin, der im Sommer vom TSV Kirchehrenbach als neuer Coach zum FCB wechselt, machte in den Gesprächen mit der Burker Vereinsführung klar, dass er einen Knipser brauche. Da auch FC-Abteilungsleiter Frank Gareus seit Jahren mit der Rückkehr in die Bezirksliga liebäugelt, anstatt in der Kreisliga um den Klassenerhalt zu kämpfen, nutzte er eine mehrmonatige berufliche Weiterbildung in Köln und einen glücklichen Zufall dazu, unter dem Motto "Fragen kostet nichts" nach einem Training des FC-Teams Kontakt zu Modeste aufzunehmen.

Um den Stürmerstar der "Geißböcke" ranken sich seit Monaten Wechselgerüchte. Der Franzose stand bei etlichen europäischen Spitzenvereinen ganz oben auf der Wunschliste. Ein Team aus China bot in der Winterpause 40 Millionen Euro Ablöse. In der Öffentlichkeit lehnte der Publikumsliebling ab und schwor dem Tabellensechsten die Treue. Hinter den Kulissen wurde aber über Unstimmigkeiten zwischen Modeste und Vereinsführung spekuliert. Anscheinend spiele Geld für ihn nicht die Hauptrolle, dachte Gareus und überlegte sich ein anderes Lockmittel.


Damen liegen Modeste zu Füßen

Der Abteilungsleiter schwärmte dem Torjäger bei einem Treffen vom legendären Burker Weiberfasching vor, erzählte ihm von der sensationellen Stimmung und der überschäumenden Atmosphäre im Saal des Sportheims, für die nicht zuletzt die Amateurfußballer mit einer Tanzeinlage sorgen. "2018 kannst du an zwei Abenden vor über 600 begeisterten Frauen zum Song ,Kölsche Jung' von ,Brings' auftreten", versprach Gareus und fügte hinzu: "Die ganze Damenwelt wird dir zu Füßen liegen."

Die Aussicht auf einen umjubelten Auftritt weckte tatsächlich das Interesse des extrovertierten Modeste. Um sich Forchheim anzusehen und sich mit der "fränkischen Mentalität" vertraut zu machen, kam der 28-Jährige zu einem verlängerten Wochenendbesuch nach Burk. Nach einer Sightseeing-Tour in der Innenstadt nahm er am Straftraining der ersten Mannschaft teil, die einen Lauf durch den Burker Wald zu absolvieren hatte. Wahrscheinlich war es auch das traumhafte Frühlingswetter, das den Noch-Kölner zu einer Zusage bewegte.

Einen Haken hat der Plan: Der Torjäger signalisierte Gareus, dass er nicht in der Kreisklasse kicken wolle, sein Wechsel ist daher an den Ligaverbleib gebunden. Beim Tabellenzehnten hoffen sie deshalb, dass der berühmte Trainingsgast neue Energie freisetzt und den ein oder anderen Akteur dazu bewegt, eine weitere Spielzeit in Burk aufzulaufen. Dann müsste sich Modeste zumindest auf etwas Konkurrenzkampf einstellen. Ansonsten landet "der Bescheidene" wohl doch bei einem europäischen Tobklub. pm/red