Andere Mütter sind froh, wenn ihre Kinder endlich volljährig sind und für ihr Hobby nicht mehr auf Mamas Fahrdienste angewiesen sind. Monika Endrizzi dagegen fing an, ihren Zweitjob als Chauffeur zu vermissen. Kurzerhand schnappte sie sich einen Bogen und begleitete ihre Kinder Silvia und Martin auf den Übungsplatz des Schützenvereins Frankonia Neuses. Fünf Jahre später ist sie bayerische Meisterin ihrer Altersklasse und mit der Neuseser Damenmannschaft - zusammen mit ihrer 22-jährigen Tochter Silvia und Heidi Hopfengärtner, die auf der Olympia-Schießanlage in Hochbrück bei München Achte und Siebte wurden.

"Bogenschießen ist eine mentale Sache", erklärt Monika Endrizzi. "Man darf bloß nicht das Rechnen anfangen. Wenn man denkt, jetzt schieße ich eine 10, dann trifft man alles, aber nicht die 10", erklärt die 52-Jährige, die 13 von 72 Pfeilen genau dort versenkte.
Auf die Atmung und den Pulsschlag müsse man achten. "Und vor allem braucht man Konzentration", sagt sie. Ein bisschen Glück und Zufall entschieden dann über die Platzierung. "Ich habe an einem 17. Geburtstag und durfte auf Scheibe Nummer 17 schießen. Vielleicht war das ein gutes Omen", spekuliert Endrizzi.

Durchblick ohne Brille

Ihre Brille braucht die Forchheimerin nur zum Lesen und ist froh, nicht in teure Sehhilfen mit verstellbaren Gläsern investieren zu müssen. Noch bessere Augen habe ihr Sohn Martin, der vergangene Saison noch in der Juniorenklasse antrat und bei der Meisterschaft in Hochbrück Rang 3 der Herrenkonkurrenz belegte. "Er zielt mit zwei geöffneten Augen. Mit dem Dominanten visiert er die Scheibe an, mit dem anderen hat er die Windfahne im Blick", erklärt sie. Diese Stärke hat ihm immerhin die Teilnahme an der Weltmeisterschaft der Studierenden in Polen Anfang Juli beschert. Und zusammen mit der Mutter hat er sich für die deutsche Meisterschaft Ende August in Zeven (Niedersachsen) qualifiziert.

Wie in diesem Sport üblich hat Endrizzi mit einem leichten Recurve-Bogen begonnen, der im Gegensatz zum Compound-Gerät keine Linse und Wasserwaage, sondern nur einen Zielpunkt besitzt. "Man zieht am Anfang etwa 18 Pfund und steigert sich allmählich", erklärt die Hausfrau mit Nebenberuf Hausaufgabenbetreuung. "Nur manche Männer wollen sofort ihre Stärke beweisen und schnappen sich die 40 Pfund. Dadurch halten sie den Bogen aber schief", sagt sie.

Obwohl der SV Neuses Bögen hat, verlässt sich Endrizzi mittlerweile auf ihren eigenen Recurve. Mit einer Zugkraft von 33 Pfund beschleunigt sie den Pfeil auf 200 Kilometer pro Stunde und jagt ihn in die 70 Meter entfernte Scheibe. Durchmesser: ein Meter. Für die Höchstpunktzahl darf sie die Mitte um nicht mehr als 12,2 Zentimeter verfehlen.

Drei Männer sind nötig

Die Compounder wie ihr Sohn Martin erreichen mit bis zu 60 Pfund sogar 300 km/h. "Dafür müssen sie die Pfeile dann zu Dritt aus der Scheibe ziehen", sagt Endrizzi amüsiert. Denn die im Durchmesser 40 Zentimeter kleine Scheibe ist nur 50 Meter vom Schützen entfernt.

Zwei bis drei Mal die Woche fahren die Endrizzis zum Trainieren nach Neuses. Zwei Stunden Zielen, Spannen und Schießen. "Nicht ganz zwei Stunden", schränkt Monika Endrizzi ein. "Ich setze mich auch gerne auf die Bank und schaue zu", sagt sie und genießt anschließend den Fahrdienst ihrer volljährigen Kinder.