Andreas Benning ist kein ausgesprochener Torjäger, aber wenn sich ihm eine Torchance bietet, nutzt er sie eiskalt. So wie im Derby zwischen dem TSV Kirchehrenbach und dem SV Gloria Weilersbach, denn da ist ihm der Ball buchstäblich vor die Füße gefallen.

Der Spielbericht der Fußball-Kreisliga 1 Erlangen/Pegnitzgrund verzeichnete die 33. Minute, als Matthias Schuhmann, wie Andreas Benning ein ehemaliger Weingartser, den Ball an den Pfosten des Weilersbacher Tores hämmerte. "Das Leder ist mir genau vor die Füße gefallen", schildert Benning die Situation, "und da hab ich einfach draufgehalten." Ein Kraftakt mit Folgen: Der Schuss aus 16 Metern Entfernung landete unhaltbar im Weilersbacher Gehäuse.

Da konnte noch niemand ahnen, dass dieser Kirchehrenbacher Führungstreffer auch das Goldene Tor und der einzige Grund für eine der beiden Mannschaften sein würde zu jubeln. Die Begegnung endete 1:0, und Andreas Benning hatte in der 81. Minute sogar noch die Möglichkeit, die vorzeitige Entscheidung herbeizuführen. Doch der Weilersbacher Schlussmann vereitelte das 2:0 mit einer Glanztat.

Man hat schon brisantere Derbys zwischen diesen beiden Vereinen gesehen. "Die Begegnung war relativ fair", urteilt der einzige Torschütze der Begegnung. Die Weilersbacher seien ziemlich selten vor das Kirchehrenbacher Tor gekommen. Ansonsten stand die Kirchehrenbacher Abwehr stabil, was in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich war.

Bis dahin waren die Kirchehrenbacher immer mal wieder für einen unnötigen Gegentreffer gut, was sich erst durch eine taktische Änderung gebessert hat. "Wir haben von der Viererkette auf Libero umgestellt", erklärt Andreas Benning die Maßnahme, die für manche Trainer einen Rückschritt bedeutet, für die aber nicht jede Mannschaft geeignet ist, "und seitdem läuft es in der Hintermannschaft wesentlich besser".

Derby mit VergangenheitKirchehrenbach und Weilersbach gehören politisch der gleichen Verwaltungsgemeinschaft an, man müsste also eigentlich enger zusammenarbeiten - stattdessen steckt in vielen Derbys des TSV und der Gloria viel Gift, vergleichbar mit dem Verhältnis der Bayern zu den "Sechzigern", des Club zu den "Klee blättlern" oder der Dortmunder zu den Schalkern.

Doch ist es bei diesem VG-Derby letztlich ruhig zugegangen. Die Brisanz dieser Begegnungen hat auch etwas damit zu tun, dass die beiden Ortschaften bis zur Gebietsreform vor 40 Jahren verschiedenen Landkreisen angehörten - Kirchehrenbach zum Altlandkreis Forchheim, Weilersbach zum Altlandkreis Ebermannstadt.

Der Arbeitstag als Rettung In den Fankreisen älteren Jahrgangs spukt diese Rivalität auch heute noch in den Köpfen herum und wird an die jüngeren Semester weitergegeben. So soll sich auch heute noch ein Siegtorschütze angeblich oft vor Freibier nicht retten können, eine Erfahrung, die Andreas Benning als Schütze des einzigen Treffers allerdings nicht gemacht hat. Nachdem am Tag nach dem Spiel wieder ein Arbeitstag angesetzt war, musste der 23-Jährige sich nicht vor dem durch begeisterte und spendable Fans drohenden Haarspitzenkatarrh in Sicherheit bringen.

Den heutigen Aktiven ist diese Rivalität zwar nach wie vor bewusst, wird aber wohl nicht immer mit der gleichen Intensität geführt wie bei den Altvorderen. Obwohl jeder natürlich darauf brennt, auf seine Weise etwas zum eigenen Sieg beitragen zu können. So zielte der Weilersbacher Torjäger Dominik Amon mit einem Kopfball um Rasiermesserbreite über das Kirchehrenbacher Tor. Hätte er getroffen, hätten ihm die Fans wohl ein Denkmal errichtet.

Auch wenn Andreas Benning kein ausgewiesener Torjäger ist, verfügt er doch über die Qualitäten, die man dazu benötigt. In der letzten Saison traf er 17-mal ins Netz. Auch in der laufenden Spielzeit war er bereits sechsmal erfolgreich. Die eigentlichen Torjäger heißen Thomas Eismann und Matthias Schuhmann.

Für Andreas Benning begann die Fußballer-Laufbahn in der E-Jugend bei der DJK Weingarts - der Verein, der für den Oberehrenbacher am ehesten zu erreichen war. Am nächsten wäre der SV Mittelehrenbach gewesen, doch der hatte damals keine Jugend. Für Andreas war Weingarts mit einem Marsch durch den Wald sogar zu Fuß erreichbar.

Bis zur B-Jugend in Weingarts. Er blieb dort bis zur B-Jugend - und verlor komplett die Lust am Kicken. Doch der Fußball lässt einen nicht mehr los. Nach etwa einem halben Jahr war er wieder an Bord - allerdings in Kirchehrenbach, wohin sich wohl vor allem seine schulischen Aktivitäten und damit sein Freundeskreis verlagert hatten.

Er spielte dann in der A-Jugend, wechselte zu den Herren und schaffte mit Trainer Friedl Petersik den Aufstieg von der Kreisklasse in die Kreisliga. Seit dem in der laufenden Saison Stephan Mertin das Handtuch geworfen hat, betreut Reinhard Marsching das Team. Er gab aber frühzeitig zu erkennen, dass er nicht mehr weitermachen wolle.

Für Andreas Benning wäre das wohl die ideale Lösung gewesen: Marsching war bereits sein A-Jugendtrainer gewesen. Ab der kommenden Spielzeit soll Christoph Schneider übernehmen, der die zweite Mannschaft des FSV Buttenheim trainiert und kurzzeitig auch dessen Erste übernommen hatte. Ein gutes Omen könnte es sein, dass er mit dem FSV auf Anhieb von der Kreis- in die Bezirksliga aufgestiegen ist. Für Andreas und seine Mannschaft ist dies Verpflichtung genug, dem neuen Trainer ein geordnetes Haus zu übergeben.

Die Situation in der Kreisliga birgt eine Reihe kleinerer Sprengfallen. Der TSV Kirchehrenbach kämpft weiter gegen den Abstiegsstrudel. Und für Andreas Benning und seine Mannschaft heißt es, bis zum letzten Spieltag der Saison hellwach zu bleiben. Vielleicht reicht ja mal wieder ein genialer Moment zum Sieg.