Was macht ihr an Ostern? Bei uns ist Ostern immer Familientreffen. Von Karfreitag bis Ostermontag stehen vier Tage zur Verfügung. Zwischen extensivem Dauerlauf am Freitag und langem GA2-Trainingslauf am Montag werden die Familienzusammenkünfte eingebettet. Das Wochenende davor steht zur freien Verfügung. Die Läuferfrau lag mir schon länger in den Ohren: "Der gnädige Herr nimmt sich die Zeit für seine Selbstbestätigung bei den unterschiedlichsten Wettkämpfen und ich komme überhaupt nicht mehr zum Laufen!" Diese Ungerechtigkeit durfte so natürlich nicht länger Bestand haben. Gesagt, getan. Sie verabredete sich mit einer Freundin zum Scheßlitzer Osterlauf.

Da beginnen die Probleme. In Scheßlitz kann ich inzwischen mit geschlossenen Augen laufen. So trennen sich unsere Wege. Der Querläufer macht sich auf den Weg nach Fürth: Down-Syndrom-Marathon-Tag. Die Querläuferfamilie teilt sich auf.
Sie nach Scheßlitz, er nach Fürth. Dort angekommen, herrscht schon eine Riesenstimmung. Über die Lautsprecher läuft: "You are my sunshine". Das Motto des heutigen Tages. Die Spannung steigt. Nervosität greift um sich.

Startschuss! Los geht´s! 15 Runden um die "Grüne Halle". Windige Runden, der Himmel bewölkt, die besungene Sonne zeigt sich nicht. Um den Südstadtpark sind die Wohnhäuser vom Dekowettrüsten gekennzeichnet. Jedes Buchsbäumchen, jede Hecke oder durchdesignte Haustür ist mit buntem Schnickschnack eingehängt. Im Zuge der Klimadiskussion kann man das ja durchaus positiv sehen. Einige Häuser sind derart geschmückt, dass das Dekomaterial als Zusatzisolierung am Eigenheim wirken muss.

Der Osterhase wird sich nächste Woche wahrscheinlich wie ein Volltrottel vorkommen, denke ich mir. Überall glotzt ihm sein Ebenbild entgegen. Zu sehen ist niemand. Bestimmt liegen sie alle mit Schokomagenkrämpfen im Bett. Oder es ist ihnen schlecht vom tagelangen Rühreieressen. Eben die alte Frage: Wohin mit dem Inhalt der ausgeblasenen und bunt bemalten Eier?

Die zweite Hälfte ist wie immer wesentlich anstrengender. Eindrucksvoll passieren wir Runde um Runde den Wendepunkt. Aber das Laufen gegen den Wind kostet Kraft. Meine Oberschenkel sind schwer. Jeder Schritt wird zur Last. Die Konzentration lässt nach. Wie aus dem Nichts taucht ein Läufer im Osterhasenkostüm vor mir auf. Gerade noch kann ich ausweichen. Dort, an der Einfriedung hängt ein Osterkranz. Neben dem Gartenzwerg steht ein voll bepackter Osterhase. Na ja, wenigstens ist es gut für die Konjunktur. Aber dumm für Merkel & Co., wenn der Aufschwung von simplen Dekoartikeln abhängt.

Was machen wir nach Ostern? Da hätte ich eine Idee für nächstes Jahr: Als Futter für Dekofetischisten wären doch Topflappen in Hasenpfotenform, Eierfahrradklingeln oder Fahrradhelme mit Hasenohren nicht schlecht. Für die Musikindustrie würden sich Coverversionen mit neuen Texten anbieten, zum Beispiel: Stups der kleine Osterhase kauft sich im Baumarkt eine Vase...
Das kann ja Eier werden!

Ein Streckenposten reißt mich aus meinen Gedanken. Vor mir der Zielkanal. Ich eiere ins Ziel. Mein Tipp zu Ostern: Solltet ihr vorhaben, für Ostern die Eier bunt anzumalen, dann solltet ihr rechtzeitig nach weißen Eiern Ausschau halten. Ansonsten bleibt euch nichts anderes übrig, als HAS 4 zu beantragen.

Run happy and smile!
Euer Querläufer