Nach der Pause, aus der die Gastgeber raketenartig starteten, erspielte sich Reuth zwar ein
Übergewicht. Der letztlich klare 4:1-Kerwasieg fiel allerdings zu deutlich aus.

Die durch den personellen Aderlass ihrer Pretzfelder Gäste leicht favorisiert in die Partie gegangenen Hausherren kamen zunächst überhaupt nicht ins Spiel. Stückwerk statt sauberer Zuspiele und eine fast ängstliche Körpersprache bestimmten den Auftakt der SpVgg. Der SV indessen nahm das Spiel forsch in die Hand.


Der agile Michael Streibel
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Der agile Pretzfelder Stürmer Michael Strobel gab mit seinem Außennetztreffer gleich den Warnschuss ab (6.). Kurz danach düpierte sein spielfreudiger Teamkollege Michael Streibel zwei Abwehrspieler, vergab jedoch. Als Tobias Dötzer im Reuther Kasten gegen Strobel zum dritten Mal parieren musste (11.), hielt es Trainer Uwe Schick nicht mehr in seinem Häuschen. Lautstark versuchte er seine Leute aus ihrer schläfrigen Phase zu wecken - zunächst vergebens.

Ein Aufreger folgte nach einem Zweikampf im Gästestrafraum, als Patrick Bernhard am Trikot des leichtfüßigen Michael Kuhn zupfte und dieser fiel (35.). Referee Dieter Wolf stand nahe am Geschehen und entschied auf Weiterspielen. Er zeigte er jedoch kurz danach auf der anderen Seite auf den ominösen Punkt, weil der Reuther Markus Trautner zu ungestüm gegen Holger Grünsteudel zu Werke ging.


Keinerlei Proteste beim Elfer />

Der klaren Entscheidung folgten keinerlei Proteste, aber Michael Streibel mutierte zum tragischen Helden. Er scheiterte an Dötzer, der die Ecke ahnte (43.). Torlos endete der erste Abschnitt, den der SpVgg-Vorsitzende Harald Bremerein unweit des Linienrichters in der Hocke kopfschüttelnd verfolgte. Zumindest herrschte am leergetrunkenen Bierausschank Umsatzfreude. In der Pause gab es Nachschub.

Noch als die Kiebitze auf den "Logenplätzen" am Sportheimplateau darüber diskutierten, ob das Kesselfleisch zum Kerwa-Auftakt vom Vortag wohl noch unverdaulich in den Mägen der "Kuckucks-Kicker" läge, kam der Paukenschlag. Keine Minute nach Wiederanpfiff drosch der von Kuhn in die Gasse bediente Felix Burkel das Leder zur Reuther 1:0-Führung in die Maschen des chancenlosen Pretzfelder Torwarts Rene Rackelmann - Fußball verkehrt auf der Reuther Hut. Die Gäste reagierten durch Grünsteudel, der jedoch Dötzer genau in die Arme schoss (51.).

Kuhn legte kurz darauf mit entschlossenem Einsatz prompt das 2:0 nach (55.). Pretzfeld versuchte sich zu wehren und hatte plötzlich Glück. Erst traf Gereon Amon aus nächster Nähe nur den Pfosten, die Kugel prallte Strobel genau vor die Füße. Sein Schuss aus weniger als zwei Metern traf nochmals den Pfosten, sprang aber dann doch noch ins Tor zum 1:2-Anschlusstreffer.

In der Folge waren die Gäste zwar bemüht und schoben sich nach vorne, jedoch waren sie im Abschluss zu harmlos. Der des Öfteren alleine gelassene SV-Torwart Rackelmann klärte ein ums andere Mal brenzlige Situationen und hielt das Spiel offen: So auch bei einem Heber von Marco Ludwig, den er noch über den Torwinkel bugsierte (77.).

Der Reuther Bernd Kilcher knallte nach Vorlage von Kevin Glaser den Ball an die Latte (80.). Aber vier Zeigerum drehungen später schnappte die Abseitsfalle der aufgerückten Pretzfelder nicht zu und Glaser umkurvte Rackelmann, bevor er zum vorentscheidenden 3:1 einschob.


Torjäger Felix Burkel trifft zum 4:1


Wieder vier Minuten später setzte Torjäger Felix Burkel mit seinem siebten Saisontor und seinem zweiten Tagestreffer den 4:1-Schlusspunkt. Fast hätte Torwart Rackelmann den Ball noch abgegrätscht. Womit sich letztlich eine Fußballer-Weisheit bewahrheitete: Hast du kein Glück, kommt auch noch Pech dazu.
Bemerkenswerte sportliche Geste am Rande: Schiedsrichter Wolf tröstete nach Abpfiff auf den Rasen gesunkene Gästespieler mit einem "Kopf hoch!" />


Die Meinungen der Trainer
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Der Reuther Trainer Uwe Schick genoss erst mal einen Schluck aus der Pulle, bevor er nach dem ersten Durchschnaufen ungeschönt Fazit zog: "Wir waren irgendwie unsicher und hatten Angst, aber dazu gab es keinen Grund. Dadurch machten wir jede Menge Fehler im Spielaufbau. Diese Punkte haben wir in der Pause direkt angesprochen, worauf wir mit mehr Mut zurückkamen. Der Elfer kurz vor dem Seitenwechsel war für uns der Wachmacher. Allerdings hatten wir mit dem Blitztor auch Glück. Unser Sieg ist nicht unverdient, aber sicher um ein Tor zu hoch." />

Für Aufwand nicht entschädigt />

Der verletzte Pretzfelder Spielertrainer Markus Gubitz sah seine Mannschaft für den Aufwand, den sie betrieb, am Ende nicht belohnt und war enttäuscht über den hohen Ausgang: "Mir fehlen die Worte. Das hatten wir nicht verdient. Wir waren in der ersten Halbzeit klar besser und müssen mindestens mit einem, ja fast mit zwei Toren in Führung gehen. Aber wie so oft zuletzt klebt uns das Pech an den Stiefeln. Ich mache meiner Mannschaft keinen Vorwurf."


Stimmen zum Spiel
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Sabine Burkel (46), Mutter des zweifachen Torschützen gegen Pretzfeld, Felix, sowie von Philipp, der vor dem Spiel jedoch verletzt passen musste: "Im ersten Abschnitt sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen, weil die Gäste ihre Chancen leichtfertig vergeben haben. Nach der Pause haben sich unsere Jungs ihre Kerwa-Maß echt verdient, da sind sie richtig explodiert. Natürlich auch wegen der Anfeuerung durch uns Kuckucks-Frauen."
/>Martina Herbst (30), Betreuerin der Pretzfelder Reservemannschaft und früher selbst aktive Kickerin in der Defensive der TSVgg Drügendorf-Unterstürmig:
"In der ersten Halbzeit waren wir deutlich überlegen und hätten mindestens mit einem Tor in Führung gehen müssen, denn Reuth hatte ja nicht eine klare Torchance. Auch nach dem 1:2-Rückstand wäre für uns noch ein Unentschieden drin gewesen, aber dann wurden wir am Ende unter Wert geschlagen."


Tobias Dötzer (21), Torhüter der Gastgeber, hielt seine Mannschaft mit dem gehaltenen Strafstoß in der Pretzfelder Drangphase im Spiel: "Für einen Torwart ist die Chance höchstens Fifty-fifty, aber ich habe schon am Anlaufen gesehen wo er den Ball wohl hinzielt. Irgendwie habe ich einen Riecher für Elfmeter, obwohl ich als Feldspieler angefangen habe und erst durch ein von meinem Paten geschenktes Torwarttrikot in den Kasten kam."


Die Statistik
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SpVgg Reuth: Dötzer - Schütz, Felix Burkel, Demelle, Trautner, Ludwig, Ochs, Kuhn , Karl-Heinz Kilcher, Bernd Kilcher, Wenzel (Glas, Glaser)

SV Pretzfeld: Rackelmann - Bernhard, Harald Streibel, Kügel, Grünsteudel, Vogel, Wiemann, Amon, Strobel, Michael Streibel, Lindner (Gebhardt, Saffra)

Schiedsrichter: Dieter Wolf (SV/DJK Eggolsheim)

Zuschauer: 220

Tore: 1:0 F. Burkel (46.), 2:0 Kuhn (55.), 2:1 Strobel (59.), 3:1 Glaser (84.), 4:1 F. Burkel (88.)