Beim Infranken-Kick aus dem Oberland der Fränkischen Schweiz stellt sich heute ab 16 Uhr vor allem dem Gäste-Anhang die Frage: Ist in Bärnfels nach dem umjubelten Aufstieg vor einem Jahr schon wieder Schluss mit Kreisklassen-Fußball? Aber auch die Geschwander brauchen in den verbleibenden fünf Saisonspielen noch ein paar Punkte, um dem Abstieg aus der Kreisklasse 3 zu entgehen. Zudem soll die Serie, ein Vierteljahrhundert nicht mehr in den Niederungen der A-Klasse gespielt zu haben, trotz des Zusammenschlusses mit dem SV Wolfsberg Bestand halten, um manifestiert in die Annalen einzugehen.


Ausgerechnet gegen Wolfsberg

Der TSC steht nach dem 0:1 am Vorsonntag gegen Tabellenschlusslicht Brand II mit dem Rücken zur Wand, sammelte in 24 Begegnungen erst 17 Punkte.
Zwar haben die Bärnfelser noch eine Nachholpartie, aber dieses Spiel am kommenden Mittwoch - ausgerechnet gegen Wolfsberg - muss erst gewonnen werden. Im Vorjahr kehrten die Bären nach einem regelrechten Relegations-Marathon und 13 Jahren A-Klassen-Zugehörigkeit in die Kreisklasse zurück, die in den 90ern für lange Jahre die Heimat des derzeit 260 Mitglieder starken Sportvereins der Großgemeinde Obertrubach war.

In Geschwand schaut die Lage auf den ersten Blick entspannter aus, denn mit 27 Zählern hat der TSV ein vermeintlich beruhigendes Sechs-Punkte-Polster auf den ersten Abstiegsplatz, den derzeit die SpVgg Weißenohe innehat. Für Trainer Reinhard Igl ist dieser Vorsprung ein Trugschluss und sicher nicht förderlich für ein konzentriertes Auftreten seiner Mannschaft: "Da beschleicht den ein oder anderen jüngeren Spieler vielleicht der Gedanke, man habe es schon geschafft. Aber wenn das Derby verloren geht und Bärnfels auch noch gegen Wolfsberg gewinnt, dann schrumpft der Abstand auf vier Pünktchen. Dazu darf es nicht kommen."


Abstieg wäre halb so schlimm

Zwar wäre ein direkter Abstieg für Geschwand nur halb so schmerzhaft, da der TSV im kommenden Jahr gemeinsam mit den Wölfen als SG auf dem Rasen stehen wird, aber Igl appelliert an die Ehre seiner Akteure: "Es ist für Bärnfels wohl die letzte Chance, sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Deshalb rechne ich auch mit einem heißen Tanz, für die Gäste geht es um alles. Und wir wollen unsere Serie sauber zu Ende bringen."

Allerdings hat sich das Geschwander Lazarett zuletzt weiter vergrößert. Stefan Rückert und Patrick Häfner seien angeschlagen, Florian Rückert habe einen Bänderriss. "Aber wir müssen mit unserem Kader auskommen", sagt Igl. Zumindest haben sich Michael Dorn und Jürgen Igl auskuriert. "Für uns ist sehr wichtig, dass die Erfahrenen wieder dabei sind", erklärt der Coach mit Blick auf seine rechte Hand, Wolfgang Neuner, der eigentlich schon aufgehört hatte, dem Team trotz Hüftproblemen aber helfen will. Denn - so Igl - "die Schlacht ist noch nicht gewonnen."


Engelbert, der Problem-Bär

Für Gästetrainer Engelbert Unterbuchberger gleicht der Rückblick auf die bisherige Spielzeit einer Schadensbilanz: "Durch den überschaubaren Kader, gepaart mit den vielen verletzungsbedingten Ausfällen, ist unsere Lage erklärbar." Er selbst gehört auch zu den "Problem-Bären", denn noch im Aufstiegsjahr lochte der Niederbayer 14 Mal ein. In dieser Saison gelang Unterbuchberger noch kein Treffer, allerdings lief er nur in halb so vielen Spielen auf. "Eine schon am Ende der Vorsaison einsetzende Hüftarthrose macht es für mich immer schwieriger. Die meisten meiner Einsätze absolviere ich als Einwechselspieler und selbst da kann ich kaum schmerzfrei spielen. Es ist weniger eine Sache des Alters, sondern einfach der Verschleiß", erklärt der 35-Jährige.

Der seit zwei Jahren in Bärnfels fungierende Übungsleiter wollte ohnehin nur bei Not am Mann aushelfen, doch dieser Zustand besteht schon seit Rundenanfang. "Uns fehlen nicht nur Dominik Berner wegen des Kreuzbandrisses, sondern auch die beiden Gemelch-Brüder. Andreas verletzte sich im Relegationsspiel gegen Kirchenbirkig und Sebastian fällt durch einen Arbeitsunfall länger aus. Zumindest bei mir bemerke ich einen Fortschritt - den der Hüftarthrose", bemerkt Unterbuchberger sarkastisch.


Manche Spieler brauchen Zeit

"Den Unterschied zwischen Kreis- und A-Klasse merkt man sehr. Einige Mannschaften sind einfach eine Klasse besser als wir. Und einige bei uns brauchten Zeit, sich darauf einzustellen", erklärt der Coach: "Gegen die großen Brocken haben wir gleich am Anfang verloren, das nahm uns etwas den Schwung."

Unterbuchberger trauert mehr den vergebenen Duellen gegen die Mitkonkurrenz nach: "Die ,big points' gegen Betzenstein, Michelfeld, Forth und Brand haben wir liegen lassen." In Geschwand erwartet er auch keine Geschenke, "dazu ist die Rivalität zu groß, das habe ich in den zwei Jahren hier gelernt. Es ist unsere letzte Chance, so realistisch müssen wir das sehen. Wenn wir einen Dreier holen, gibt uns das aber nochmal Aufwind."