Der "Infranken-Kick" stationiert am Sonntag um 14.30 Uhr beim TSC Bärnfels zum Spitzenspiel der A-Klasse 4 zwischen dem frischgebackenen Tabellenführer und dem SV Kirchenbirkig/Regenthal. Dass die Bären am Vorsonntag erstmals die Spitze erklimmen konnten, lag allerdings nicht nur am starken Auftritt und dem 5:1-Sieg gegen Velden, sondern auch an den Spielausfällen der Konkurrenz. Zum Spitzenquartett gehören außerdem Thuisbrunn und Michelfeld, die, wie Kirchenbirkig, derzeit 32 Punkte und somit drei Zähler weniger als Bärnfels aufweisen. Dafür haben zwei Verfolger ein Spiel weniger absolviert, Michelfeld hinkt dem TSC sogar zwei Spiele nach.

Zum Titelanwärter gemausert

Die Gäste kennen sich dort am Platz an der Sonne auch sehr gut aus und führten die Spielklasse im bisherigen Saisonverlauf am häufigsten von oben her an.
Im Vorjahr nur knapp an der Relegation gescheitert, liebäugelt die Truppe um Spielertrainer Thomas Riess heuer nach dem großen Coup und würde nach sechs Jahren gerne wieder in die Kreisklasse zurückkehren.

Der 41-jährige Pottensteiner, der den SV mit einer sechsjährigen Unterbrechung insgesamt schon zehn Spielzeiten lang als Spielertrainer ins Feld führt, formuliert das Ziel etwas zurückhaltender: "Klar wäre es schön, wenn wir den Aufstieg mal wieder packen sollten. Wir haben in den letzten Jahren mit durchwegs einstelligen Plätzen auch ab und zu mal daran gekratzt. Aber es gibt von Seiten des Vereins keine Bedingung und mein primäres Ziel ist, den Leuten ansehnlichen Fußball zu bieten und die Jungen zu integrieren."

Dass die Regenthaler bei Auswärtsspielen meistens die stärkste Fraktion stellen, darauf ist Riess schon ein wenig stolz: "Wir haben im Verein eine klasse Unterstützung und ich fühle mich noch immer wohl beim SV. Auch nach den vielen Jahren noch. Manchmal kommt man zwar in einem kleineren Verein an seine Grenzen, vor allem in der Breite des Kaders. Aber wir versuchen das Beste draus zu machen."

Training mit Rumpfkader

Riess spricht die Situation mit einigen Schichtarbeitern beim SV an, die zwar am Wochenende schon zur Verfügung stehen, allerdings unter der Woche kaum trainieren könnten: "Dadurch ergeben sich natürlich Leistungsschwankungen, aber noch ungünstiger ist es, dass wir kaum zielgerichtete Übungen wie Standards oder andere Spielsituationen vollzählig einstudieren können. Es behindert mich schon." Beim Gipfel fällt mit Andre Reichel, der seit zwei Wochen an gereizten Adduktoren laboriert, zwar nur ein Akteur aus, aber Riess hat heuer aufgrund von Verletzungen schon häufig andere Formationen auflaufen lassen müssen. Vor den Bären zeigt er sich gewarnt und schiebt ihnen die Favoritenrolle zu: "Sie haben momentan einen tollen Lauf und nur die ersten zwei Spiele verloren. Darunter gegen uns, aber schon da waren sie anfangs stärker und wir hatten Mühe, sie am Ende mit 4:2 zu besiegen. Ein Vorteil könnte die Ausgangslage für uns sein. Wir wollen zwar auch nicht verlieren, um in der Spitze zu bleiben, aber der größere Druck liegt beim TSC. Er muss gewinnen, weil er mehr Spiele hat."

Neuer Mann am Ruder

Nachfolger nach dem Karriereende von Gregor Neidhart als Trainer in Bärnfels wurde ein im hiesigen Spielkreis bislang völlig Unbekannter. Der neue Dompteur der "Bären" ist der gebürtige Niederbayer Engelbert Unterbuchberger, den es Anfang des Jahres nach Morschreuth in die Fränkische Schweiz verschlug, da seine Frau aus Pottenstein stammt. Zum TSC kam er durch puren Zufall, denn vorher sah er sich bei den Vereinen um seinen Wohnort herum um - und wurde letztlich durch den Fliesenleger bei der Hausrenovierung mit nach Bärnfels gebracht.

Die sportliche Vita des 33-jährigen gelernten Stürmers, der seinen Spielerpass pro Forma mitbrachte und nur bei Not am Mann spielen wollte, liest sich dann schon aussagekräftiger: Nach der Bayernliga-A-Jugend bei Wacker Burghausen folgten vier Jahre in der BOL und Bezirksliga bei Simbach und Rotthalmünster. Zuletzt war Unterbuchberger im vierten Jahr bis zum Umzug Spielertrainer beim niederbayerischen A-Klassisten STV Ering. Seitdem hat er sich in der Fränkischen Schweiz gut eingelebt und führt die interne Torschützenliste mit neun Treffern an: "Bärnfels war für mich ein absoluter Glücksgriff. Ich habe vom vorherigen Trainer eine Mannschaft in Top-Zustand übernommen mit ehrgeizigen, jungen Spielern und das Vereinsgefüge könnte auch nicht besser sein. Mein Fazit nach der Vorrunde: Der TSC ist ein Traumverein."

Angstgegner wartet

Mit Kirchenbirkig kreuzt allerdings jetzt der "Alptraum-Verein" der Bären auf. Nach dem Abstieg der Regenthaler in die A-Klasse hat der TSC kein einziges Spiel in den letzten sechs Jahren gewinnen können. Und die Bilanz aus bislang elf Partien zeigt mit neun Pleiten und zwei Remis bei den 14:38-Toren ernüchternde Zahlen auf: "Beim Saisonauftakt in Kirchenbirkig hätten wir schon gewinnen müssen, lagen aber bis zur Pause nur mit 1:0 anstatt 3:0 vorne und ließen uns dann deren Spiel aufdrängen. Das würde uns heute nicht mehr passieren", gibt sich Unterbuchberger selbstbewusst.

Und das aus gutem Grund: Nach der folgenden Niederlage gegen Auerbach hat seine Truppe kein Spiel mehr verloren und sich mit 13 Spielen in Serie bis an die Spitze geschossen. Verzichten muss er auf zwei Langzeitverletzte: Andreas Gmelch (Leiste) hat noch gar nicht gespielt und Matthias Berner (Knie) fehlt seit dem zweiten Spieltag: "Ansonsten sind wir von Verletzungen verschont geblieben und ich kann aus dem Vollen schöpfen. Meine Jungs sind heiß und haben sich einiges vorgenommen. Von Revanche würde ich nicht sprechen, mir würde ein Punkt reichen. Aber wir wollen die Spitze so lange wie möglich verteidigen." tsc/ft