Gößweinsteins Spielertrainer Jens Zweck hatte es in der Vorschau geahnt: Güla ist unberechenbar. Der 24-jährige Türke in Reihen des FC Wichsenstein machte den Unterschied aus in einem an sich ausgeglichenen Nachbarderby, in dem beide Teams ihre stärkeren und schwächeren Phasen hatten. Die zwei Duftmarken, die der Instinktfußballer setzte, waren alleine das Eintrittsgeld wert.

Aus 25 Metern in den Winkel


Noch keine Minute war nach Wiederanpfiff vergangen, da explodierte Güla zum ersten Mal, indem er einen hinter ihn gehenden Ball aus fast Kopfhöhe volley abnahm und diesen mit dem linken Spann aus dem seitlichen Halbfeld 25 Meter Richtung Tor der Platzherren drosch. Dort schlug das Geschoss Marke "Tor des Monats" unhaltbar für Torwart Andreas Stenglein im langen Winkel ein zum 1:1-Ausgleich. Doch damit nicht genug: In der Nachspielzeit, die durch die beiden von Schiedsrichter Seeberger angeordneten Trinkpausen erforderlich wurde, kamen die Gäste über den linken Flügel nochmal gefährlich aufs Gastgebertor. Güla visierte am langen Fünfereck die Flanke von Daniel Backof an und feuerte das Leder abermals volley ins andere Tordreieck zum 3:2-Siegtreffer für Wichsenstein.
Doch der Reihe nach: Beiden Mannschaften gingen über 90 Minuten bei schweißtreibenden Temperaturen ohne Wölkchen am Himmel an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit. Dem Gößweinsteiner Anhang stockte bereits nach vier Minuten der Atem, als Christoph Kehm und Güla nach Patzer von Tobias Grasser das 0:1 knapp verpassten. Gerade in der Anfangsphase war den Gästen ihre Erfahrung aus sechs Jahren Kreisliga deutlich anzumerken. Doch der SVG legte bald die Scheu ab. In der 20. Minute bediente Spielertrainer Jens Zweck den mitgelaufenen Horst Probst, und dieser enteilte seinem Bewacher Stefan Alt. Obwohl Probst das Leder nicht voll traf, trudelte es am verdutzten FC-Schlussmann Marc Wehrfritz zum 1:0 ins Netz (20.)

Diskussionen um Abseitsposition


Die Gäste waren geschockt und versuchten in der Folge, über hohe Bälle nach Standards auf Kehm zum Erfolg zu kommen. Güla brachte alleinstehend bei der aussichtsreichsten Möglichkeit im ersten Durchgang die Kugel nicht unter Kontrolle (31.), um dann direkt nach der Pause dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Kurz nach seinem ersten Geniestreich zum 1:1 zog er drei Gegenspieler auf sich und legte in die Mitte, wo Kehm das Leder aus sechs Metern nur noch über die Linie zum 1:2 drücken musste (50). Die Gastgeber wähnten den Vorlagengeber zuvor im Abseits und reklamierten, allerdings hatten sie danach auch Glück, dass Daniel Backofs Treffer zur vermeintlichen Vorentscheidung aus dem gleichen Grund aberkannt wurde (67.) und der 2:2-Ausgleich ebenso vom abseitsverdächtig positionierten Horst Probst vorbereitet wurde. Probsts Fehlpass schlug Deniz Emrah aus dem Zentrum, traf aber Jens Zweck am Körper und von dort prallte der Ball ins Tor von Wehrfritz (77.).
Mit diesem Ergebnis hätte Jens Zweck gut leben können: "Wir standen hinten gut, gerieten durch Glück des Gegners in Rückstand und verloren in der Folge etwas den Faden. Nach dem 2:2 waren wir eigentlich wieder am Drücker." Bis "Vulkan" Güla zum zweiten Mal ausbrach. Dessen Trainer Jörg Rösch hätte ein Remis ebenso als gerecht gesehen: "Unter dem Strich wäre ich mit einem Punkt zufrieden gewesen, weil wir nach gutem Start oft zu wenig aggressiv waren. Jetzt trink ich erst mal ein kühles Bier."

Statistik


SV Gößweinstein: Andreas Stenglein - Thomas Helldörfer, Weidner, Sebald, Grasser, Zimmerer, Michael Stenglein, Jürgen Probst, Jens Zweck, Brendel, Horst Probst, (Händel)
FC Wichsenstein: Wehrfritz - Götz, Alt, Hölzel, Rösch, Kehm, Manuel Backof, Daniel Backof, Neuner, Martin, Güla, (Deniz)
SR: Jörg Seeberger (Greuther Fürth)
Zuschauer: 220
Tore: 1:0 H. Probst (20.), 1:1 Güla (46.), 1:2 Kehm (50.) 2:2 J. Zweck (77.) 2:3 Güla (90.+1)