Für einen Fußballer des TSV Drügendorf/Tiefenstürmig ist vieles neu. In den Tabellenregionen, üblicherweise als Tabellenkeller bezeichnet, kennen sich die Drügendorfer durch die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre bestens aus. Doch in letzter Zeit greift ein ganz neues "TSV-Feeling" um sich: Für Markus Nagengast war es darum ein durchaus erhebendes Gefühl, als er in der Saison 2010/11 mit seiner Mannschaft um den Aufstieg in die Kreisklasse spielen durfte. Das entscheidende Spiel gegen den SC Happurg ging dann zwar mit 0:2 verloren. Doch der 21-Jährige sorgt auch in dieser Saison mit dafür, dass Drügendorf im oberen Tabellendrittel mitmischt. Als der TSV am letzten Sonntag den SV Poxdorf II in der A-Klasse 2 Erlangen/Pegnitzgrund mit 4:0 auf die Heimfahrt schickte, bereitete Markus alle Tore direkt oder indirekt vor.

Ziemlich dünnes Eis


"Er hat sich enorm entwickelt" - aus dem Mund des Trainers klingt das fast wie ein Ritterschlag. Denn Markus Na gengast galt als etwas lauffaul, und so war er Holger Feinermann auch beschrieben worden, als sich der Trainer aus Ebermannstadt, nachdem er gerade seinen Heimatverein in einem Entscheidungsspiel gegen die DJK FC Schlaifhausen zum Aufstieg in die Kreisklasse geführt hatte, auf ziemlich dünnes Eis wagte.
Denn viele Jahre lang war der TSV Drügendorf auf den Tabellenkeller abonniert gewesen. Der TSV litt unter der Fußball-Unlust der Drügendorfer Jugend, und die "Legionäre" aus anderen Gegenden hatten zu wenig emotionalen Bezug zu Drügendorf, das ständig mit dem Image zu kämpfen hatte, ein Dorf am Talschluss zu sein, eben am Ende der Welt. Als ein neuer, aber unerfahrener Mann seine ersten Erfahrungen als Trainer sammeln sollte, stand auch Markus Nagengast kurz davor, den Bettel hinzuschmeißen - bis dann Holger Feinermann kam und einem scheinbar Totgeglaubten neues Leben einhauchte.
Schnell sprach sich in Drügendorf herum, dass das Training Spaß machte, abwechslungsreich und dennoch erfolgsorientiert war. Plötzlich hatte der TSV ungeahnten Zulauf aus der Dorfjugend.
Nur wenige Tage trennten zwei Ereignisse voneinander - die Übernahme des Trainerpostens durch Holger Feinermann und die Wahl von Werner Trescher zum Vorsitzenden des TSV Drügendorf. Gemeinsam brachten sie den Verein nach vorne. Die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation 2011 war schon ein Riesenerfolg. Dabei hatte sich Markus Nagengast nicht immer im "Stiefmütterchen-Eck" befunden.

Mangels Masse nach Neuses


Mit sieben oder acht Jahren hatte er beim TSV Drügendorf mit dem Fußball angefangen und in dieser Zeit, in der F-Jugend und danach, auch einige Meisterschaften mit errungen, bis die Jugend "mangels Masse" aufgelöst werden musste. Die restlichen Verbliebenen zog es zur DJK-SC Neuses, in der A-Jugend ging es dann zum - nicht zuletzt wegen seiner Jugendarbeit attraktiven - SV-DJK Eggolsheim.
Markus war einer von sechs Drügendorfer Spielern, die zu ihrem Heimatverein zurückkehrten, eine Blutauffrischung, über die der sich damals als neuer Herrentrainer abmühende Uli Meusel sehr freute. Fast nicht zu glauben ist, dass Holger Feinermann erst seit zwei Jahren Trainer in Drügendorf ist - er steht jetzt im dritten Jahr, und Werner Trescher hat sich mit ihm per Handschlag über eine weitere Zusammenarbeit geeinigt.
Auch für Markus Nagengast war das eine Zukunftsperspektive, die ihm die vorübergehend abhanden gekommene Lust am Fußball wieder gestärkt hat. "Stürmer war ich schon immer", sagt er, ist sich aber auch darüber im klaren, dass seine läuferischen Qualitäten früher auch nicht gerade berauschend waren. Für Werner Trescher sind die heute als "überragend" zu bezeichnen.
Markus hat längst aufgehört "nur" Stürmer zu sein: Er ist ein Allrounder, präsent auf dem Platz, wohin immer ihn sein Trainer stellt. "Nur Torwart habe ich noch nicht gespielt", sagt der 21-Jährige
In der letzten Runde brachte er 24 Mal den Ball im gegnerischen Netz unter, in diesem Jahr sind es bislang "nur" acht Treffer - "dafür ist er aber ein Super-Vorbereiter", sagt Trescher. Als Beweis dient der letzte Sonntag.

Auch zum Libero tauglich


Wenn jetzt das Heimspiel gegen den neuen Tabellenführer SV-DJK Eggolsheim ansteht, ist auch das Auswärtsspiel gegen dessen Vorgänger SV Bammersdorf in Erinnerung: Der SVB leitete beim 1:1 gegen die Drügendorfer seine eigene Entthronung mit ein. Auch wenn Markus Nagengast diese beiden Mannschaften am Ende vorne sieht - Eggolsheim als Erster, Bammersdorf als Zweiter - zeigte er gerade in Bammersdorf, dass er nicht nur Tore schießen kann: Das Unentschieden vor wenigen Wochen kam zustande, weil Markus als "letzter Mann" agierte, also als eine Art Libero. Eigene Treffer waren da zwar nicht zu verzeichnen, aber dafür ragt das Ergebnis auf fremdem Platz umso mehr heraus. Das neue "TSV-Feeling" hält auch in dieser Saison an.