Und wieder schloss die Anmeldung vorzeitig. Ein Zeichen dafür, dass der Krenlauf in Baiersdorf in seiner zweiten Auflage nichts von seiner Anziehungskraft aus dem Premierenjahr verloren hat. Rund 320 Starter hatten sich am Sonntag um 11.30 Uhr zum Hauptlauf über zehn Kilometer eingefunden. Die zahlreichen Zuschauer entlang der Strecke sorgten für großartige Stimmung, immer wieder von den Rhythmen des DJ Max sowie vom Moderatorenduo Michael Cipura und Jochen Brosig angeheizt. So flogen die Aktiven auf einer Woge der Begeisterung ins Ziel.

Bei optimalen Bedingungen und gut verpflegt gingen die Läufer auf die Runden: Bewölkt, aber kein Regen, dafür blinzelte ab und zu die Sonne durch die Wolken. Auf der zweiten Runde waren die Wolken ganz verschwunden, die Läufer hatten nun mit der Wärme zu kämpfen. Markus-Kristan Siegler (LG Erlangen, 34:48 Minuten) siegte vor Roland Rigotti (TSV Neuburg, 35:36) und Kamal Mohammed (Hand in Hand, 36:59).

Bei den Damen wurden die Schwestern Mareike und Isabel Seeger (Lauftreff Baiersdorf) als Favoritinnen gehandelt. Mareike setzte sich in 43:08 Minuten durch, auf Platz 2 schob sich allerdings Manuela Glöckner vom TSV Ebermannstadt in 43:26 Minuten, ehe Isabel Seeger ihrer Schwester aufs Podest folgte (43:48). Der flache und abwechslungsreiche Rundkurs wurde anschließend von allen Seiten gelobt. Die Strecke war als eine "8" angelegt. Erst eine kleine Runde durchs Wohnviertel, dann die große Runde entlang der Regnitzwiesen.

Auf der kürzeren Strecke, dem Hobbylauf über fünf Kilometer, siegte der Möhrendorfer Bernd Hagen (Hartmann Codier) mit neuem Streckenrekord in 16:50 Minuten. Auf Platz 2 lief Clemens Gundermann von der LG Forchheim in 17:47 Minuten ins Ziel, auch er unterbot die Bestzeit aus dem Vorjahr. Bei der Damen-Konkurrenz spielte der Name Gundermann ebenfalls eine Rolle: Hier siegte Cosima Gundermann (LG) mit deutlichem Vorsprung (19:50).

Leon Terentiv vom Großenseebacher Langstreckenteam entschied das fünf Kilometer lange Nordic Walking in 31:58 Minuten für sich. Tim Freudenberger (LSC Höchstadt) war hinter Jan Pluta vom SSV Forchheim (4:56 Minuten) Zweitschnellster des Schülerlaufs über 1,5 Kilometer (5:31). Das Team für den Krenlauf bestand aus rund 60 Helfern des Lauftreffs Baiersdorf um Organisator Klaus Nowak, dazu kamen 30 Personen der FFW Baiersdorf. Die Feuerwehr stellte auch das Gelände zur Verfügung. Alle Ergebnisse gibt es unter www.lauftreff-baiersdorf.de oder www.krenlauf.de.


Querläufer (170): Läuferspaß mit Zahlen: "Gute Zeiten" beim Baiersdorfer Krenlauf

Und, wie war es?", fragt die Läuferfrau, wenn ich von einem Wettkampf heimkomme. Sie erwartet dann eine Beschreibung, wie ich die Grenzen in meinem Innern überwunden habe, wie der Moment war, als sich der Kopf freimachte, ob die Anfeuerungsrufe der Zuschauer geholfen haben oder wie mein Gefühl war, durchs Ziel zu laufen. Oft ist die Antwort ein Grummeln: "Hm. War schon o.k." Sie versteht das nicht. Ging es dir schlecht? Bist du umgeknickt? Hast du den Weg nicht gefunden? Hat dir im Ziel jemand das letzte alkoholfreie Weizen weggetrunken? Oder was? Nichts von alledem. Wieder ein Grummeln: "Zu langsam."

Wie wird es wohl heute sein? Für Michael und mich spielt die Zeit keine Rolle. Als Moderatorenduo müssen wir nicht mitlaufen. Wir lassen laufen. Der 2. Baiersdorfer Krenlauf steht an. Wie schon letztes Jahr vom gastgebenden Lauftreff Baiersdorf, in der Szene als Krenflitzer bekannt, perfekt organisiert. Um 9 Uhr lässt DJ Max die Boxen dröhnen, wir heizen ein. Warmreden, Zunge lockern, fertig machen. Sitzt das Head-Set richtig? Die Starterliste ein letztes Mal überfliegen. Und wo ist eigentlich der Wendepunkt vom Schülerlauf? Nicht nur die Läufer haben ihr Vorbereitungsprogramm, auch die Einheizer. Wir sind auch nervös. Die Starter sind alle hochmotiviert. Und ab dem Startschuss laufen die Sekunden unerbittlich.

Meistens sind es nur zwei Zahlen. Sie entscheiden über Sieg oder Niederlage. Eine Minute zum Beispiel. 60 Sekunden. Je nach Strecke sind das umgerechnet auf den Kilometer 1,5, drei oder sechs Sekunden. Ich stoße regelmäßig auf Unverständnis. Meine Frau versteht mich nicht. Wie auch? Sonst könnte sie unterscheiden: zwischen halb eins und zehn vor eins, zwischen zwölf Uhr und zwölf Uhr zwanzig. Die Zeiger ihrer Uhr interpretiert sie fantasievoll.
Unser gemeinsames Leben verbringe ich meist mit Warten. Vor dem Schuhgeschäft, vor dem Friseur, vor ihrer Lieblingsboutique. Deshalb ist es für sie unverständlich, dass es bei einer Minute um Lichtjahre oder Fantastilliarden geht.

Entgegen dem Wetterbericht herrscht optimales Laufwetter. Die ganz Schnellen sind gerade noch in Sichtweite. Dahinter das Feld. Die Zuschauer feuern begeistert an. Bin ich zu schnell?, wird sich manch einer fragen. Nein, bisher alles im Plan. Sie fliegen dahin. Verschwinden in der Ferne. Die Turngruppe des Baiersdorfer SV zeigt atemberaubende Saltos und Flic-Flacs.

Zahlen waren ein Mysterium für mich. Bis zu dem Tag, als die Zahlen plötzlich lebendig wurden, dass sie förmlich an mir hochsprangen und sich an meinem Funktionsshirt festkrallten. Ich war elektrisiert. Sieg oder Niederlage, Sehnen oder Leiden, Leidenschaft und Tränen. Der erste Marathon. Das erste Mal unter drei Stunden. Der erste Rennsteiglauf. Mein erster Lauf über 100 Kilometer. Monatelanger Fleiß, literweise vergossener Schweiß, Gewichtsverlust, konsequente Ernährung, alles ausgedrückt in ein paar Zahlen. Laufen ist mein Sport!

Die erste Runde ist geschafft. Zu jedem, der vorbeistürmt, hat Michael eine Geschichte parat. Der Regen bleibt aus. Die Sonne blinzelt durch die Wolken. Der Querläufer kämpft mit dem Mikrofon. Max lässt die Bässe wummern. Die Zuschauer lassen sich vom Rhythmus motivieren. Sie treiben die Aktiven ins Ziel. Heute ist ein Tag für gute Zeiten. Also, vorwärts, vorwärts. Weiter geht es.

Meiner Frau bleibt bis heute das Strecke-Zeit-Kontinuum verborgen: Die gestoppte Zeit ist eines der vielen Dinge, die Laufen zum wunderbarsten Sport der Welt machen. Kein Schiedsrichter, der pfeift, wie er will, kein Linienrichter, der das Abseits nicht sieht, keine Jury, die Haltungsnoten bewertet. Es gibt nur die unbestechlichen Zahlen, die im Ziel alles sagen. Die kann mir keiner nehmen. Hier gibt es nichts zu diskutieren. Deshalb ist es so hart. Hoffentlich sind heute die Zahlen auf eurer Seite. Und wenn ein paar Minuten fehlen? Egal, schreit es heraus. Ein Urschrei zündet die letzten Adrenalinreserven für den Zieleinlauf.

Es ist ein wundervoller Tag, die Sonne lacht, so dass die Vögel zu singen angefangen haben. Läuferfrühling! Ein paar popelige Zahlen hängen in der Luft. Die Zeit ist nebensächlich. Der Spaß steht im Vordergrund. Die Zuschauer klatschen zu den Beats. Ein jeder Finisher ist ein Held.

Und, wie war es?", fragt die Läuferfrau am Abend. "Wunderbar!", antworte ich. Mein Teller füllt sich mit Pasta. Heute brauche ich keine Urkunde, keinen Altersklassenpreis. Die Moderatoren hatten einen Riesenspaß. Die Läufer hoffentlich auch. Der Krenlauf war ein voller Erfolg. Ein Hoch auf die Krenflitzer aus Baiersdorf für die tolle Organisation.

Run happy and smile!
Euer Querläufer