Manchmal sind es die lockeren Gespräche am Mattenrand, die etwas anstoßen. Joachim Hartmann (2. Dan/Meistergrad Shotokan-Karate) war zum Aikido-Training gekommen und traf auf Gerhard Endres (3. Kyu/Grad Shotokan-Karate, 4. Dan Aikido). Im Laufe des Gesprächs regte Joachim ein gemeinsames Training der beiden Forchheimer Klubs Shotokan-Karate-Zentrum und Aikido-Verein an. Ziel sollte es sein, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den beiden Kampfkunst-Disziplinen zu erkennen und möglicherweise für das eigene Training zu nutzen.
Die Verteidigungsform Karate zeichnet sich durch Abwehr-, Schlag-, Stoß- und Tritttechniken aus. Diese Kampfkunst entwickelte sich weltweit zum Wettkampfsport.
Das Aikido ist eine moderne japanische Kampfkunst, die rein defensiv ist und Wettkämpfe ablehnt. Morihei Ueshiba, der Gründer des Aikido, entschärfte die alten Kampftechniken der Samurai und entwickelte daraus ein Verteidigungssystem. Die Kraft des Angreifers wird durch Würfe und Hebel geschickt aufgelöst oder gegen ihn selbst verwendet. Im Aikido kommen auch Stöcke und Holzschwerter zum Einsatz. Nun also empfing der Aikido-Verein die Karateka im seinen Übungsräumen (Dojo genannt) und Joachim Hartmann leitete die erste Karate-Trainingseinheit. In diesen zwei Stunden wurden die Unterschiede zum Aikido sehr deutlich. Die Karateka sind es gewohnt, geradlinig nach vorn anzugreifen. Dazu ist eine starke Hüfte nötig, die durch den tiefen Stand im Grundtechniken geschult wird. Durch das Üben des tiefen Standes wird eine explosive Angriffsbewegung nach vorn trainiert, die im jahrelangem Training geschmeidig und kraftvoll wird. Der Karateka kommt aus der Entspannung blitzschnell nach vorn und spannt kurz vor dem Kontakt den gesamten Körper innerhalb von Sekundenbruchteilen komplett an.
Und wie verhalten sich die Aikidoka? Man erkannte ein gewisses Unwohlsein bei der Ausübung des Blocks und des Gegenangriffs. Die Aikidoka würden den Angreifer lieber in eine Kreisbahn zwingen und damit die Angriffsenergie auflösen.
Gerhard Endres führte durch die Aikido-Trainingseinheit Zunächst mussten die Karateka das Abrollen üben. Für sie war es ungewohnt, da "ein Karateka gut steht und sich nicht am Boden aufhält". Bei der Aikido-Technik muss der Angreifer den ausgestreckten Verteidigungsarm greifen und ihn versuchen, aus der Angriffslinie zu bringen. Die Karateka versuchen normalerweise, den festen Körperkontakt zu vermeiden. Zusätzlich wurden sie nun in eine Kreisbewegung gezwungen und durch eine Gewichtsverlagerung zu Fall gebracht. Um zu zeigen, dass es im Aikido nicht nur um Ausweichen und Nachgeben geht, zeigte Gerhard auch eine direkte Bewegung nach vorn in den Angriff. Einer der Aikido-Höhepunkte war die Messerabwehr.
Die Erkenntnis aus dem gemeinsamen Training: Aikido und Karate sind zwei verschiedene Möglichkeiten, den Weg der Kampfkunst zu gehen. In diesem Geist gelte es, jeden Streit zu vermeiden und zu einer friedlichen Lösung zu kommen. Die Wege sind verschieden, aber sie führen zu einem gemeinsamen Ziel.