Rudi Stark (70) aus Landshut, oberster Regelhüter und Obmann des bayerischen Schiedsrichter-Ausschusses, hat seinen Laden im Griff. Stark hat aber bereits angekündigt, dass es für ihn das letzte Jahr ist, im Sommer 2014 zum Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hört der Niederbayer auf. Über die Nachfolge kann bis jetzt nur spekuliert werden. Rechtzeitig vor dem Start in die Saison 2013/14 ist die Qualifikation der Schiedsrichter für die Spielklassen von der Bundesliga bis zu den Landesligen abgeschlossen.

Die Stimmung im Schiedsrichterwesen ist trotz einiger Vorfälle positiv: "Wir haben in den oberen Amateurklassen eine gute Basis mit den Vereinen. Dennoch ist das Verhalten auf den Plätzen nicht immer so, wie wir uns das wünschen. Das ist eine Sorge von uns", sagt Stark. Vor allem sind es zum Teil massive Beleidigungen und Anfeindungen, die für Unmut sorgen.
Daher wird es ab September bei den Vereinen runde Tische geben, um die Fußballszene an der Basis zu sensibilisieren.

Die Schiedsrichter selbst, das betrifft im Bereich Amateure vor allem die Spitzenklassen Regionalliga, Bayernligen und Landesligen, stehen unter einem zunehmendem Leistungsdruck. "Aber es ist für unsere Schiedsrichter auch ein großer Anreiz, in diese Klassen zu kommen. Viele wollen in den Kreis der 25 Regionalliga-Schiedsrichter vorstoßen", sagt Stark. Der anfügt: "In diesem Bereich sind wir gut aufgestellt."

Altersgrenze naht

Im Profibereich der Bundesliga, 2. Liga und 3. Liga ist Bayern nach wie vor stark vertreten: "Momentan", weiß Stark, dass das kein Dauerzustand sein muss. Denn in drei bis vier Jahren hören so erfahrene Bundesliga-Spielleiter wie Peter Sippel, Günter Perl und Wolfgang Stark auf, weil sie die Altersgrenze erreichen werden. "Unser Ziel ist es, diese Positionen wieder mit bayerischen Leuten zu besetzen. Aber darauf haben wir kein Anrecht, denn es geht nach Leistung", weiß Stark, der sich kämpferisch gibt: "Es gilt, unsere sechs Bundesliga-Plätze weiterhin zu verteidigen." Es gibt schon einige aussichtsreiche Anwärter, weiter nach oben zu kommen. Als besonders talentiert gilt derzeit Benjamin Brand (23) aus Schallfeld bei Schweinfurt. Aussichtsreiche Kandidaten für die Bundesliga sind zudem Christian Dietz (28) aus Kronach in Oberfranken, Christian Leicher (34) aus Neuhausen in Niederbayern und Benjamin Cortus (31) aus Burgfarrnbach in Mittelfranken. Dieses Trio plus Brand sind die vier aktuellen Zweitliga-Referees aus Bayern. "Um den Sprung nach ganz oben schaffen zu können, zählt nur Leistung, Leistung und nochmals Leistung", sagt Stark.

In der Spitze ist Bayern - was die Unparteiischen angeht - für die nächsten Jahre gut gerüstet. Aber je weiter sich der Blick in der Ligen-Hierachie nach unten richtet, umso schwieriger wird es. "Uns fehlen aktuell für den Spielbetrieb 1500 bis 2000 Schiedsrichter", nennt Obmann Stark Zahlen, die kaum für möglich gehalten werden. Denn an einem normalen Wochenende, wenn alle Ligen spielen, werden inklusive Nachwuchs rund 14 000 Spiele abgewickelt. Etwa 12 500 Unparteiische sind derzeit beim BFV aktiv. Daher können nicht alle Spiele mit ausgebildeten Schiedsrichtern besetzt werden. "Einige Schiedsrichter leiten mehr als ein Spiel am Wochenende, was die Lage etwas entschärft", lässt Stark wissen.

Mehr Anerkennung

Um die Situation - was die Zahl der Referees angeht - zu verbessern, muss sich auch im Umfeld etwas tun: "Wenn wir neue Schiedsrichter bekommen wollen, dann müssen sich die Rahmenbedingungen ändern." Damit will Stark sagen: "Schiedsrichter brauchen mehr Akzeptanz und mehr Schutz. Diesen Appell richte ich an alle Fans, Spieler, Trainer und Funktionäre." Nur dann würden sich mehr junge Menschen für den Job des Unparteiischen entscheiden, nur dann, und das ist unbedingt notwendig, um die Zukunft zu sichern: "Dafür müssen wir alles tun."

Die Qualifikation für die bayerischen Verbandsligen ist bereits gelaufen. Nicht mehr in der 3. Liga und dafür in der Regionalliga Bayern sind Eduard Beitinger aus Regensburg und Lothar Ostheimer aus Sulzfeld. Dafür rückten aus Bayern in Liga drei Florian Badstübner aus Windsbach (Mittelfranken) und Steffen Mix aus Abtswind (Unterfranken) auf. Neulinge im Kreis der 25 Unparteiischen in der Regionalliga Bayern sind Florian Fleischmann aus Kreith/Pittersberg (Oberpfalz), Andreas Hartl aus Passau (Niederbayern) und Florian Riepl aus Erding in Oberbayern. Die Regionalliga verlassen mussten Danijel Darandik (Altdorf), Stevie Albert (Nürnberg) und Markus Hertlein (Dinkelsbühl), die zukünftig in den Bayernligen pfeifen. 55 Referees sind für die beiden Bayernligen nominiert. Neu dabei sind Danijel Djordjevic (Augsburg), Johannes Hamper (Katschenreuth), Wolfgang Haslberger (St. Wolfgang), Mario Hofmann (Forchheim), Stefan Klerner (Lichtenfels) und Michael Kögel (Schwabsoien).

Wie Stark ankündigt, hört der Niederbayer in seiner Funktion als Verbandsschiedsrichter-Obmann (VSO) im Sommer 2014 auf. Rudi Stark ist seit 1960 Schiedsrichter und seit 2002 Vorsitzender des Verbandsschiedsrichter-Ausschusses des BFV.

Im Sommer nächsten Jahres findet der BFV-Verbandstag statt. Dann wird Stark nicht mehr antreten. Bereits jetzt wird nach einem Nachfolger gesucht. "Es werden schon Gespräche geführt, aber es ist noch zu früh, um Namen zu nennen. Das wäre alles reine Spekulation", sagt der Landshuter. Der will sich selbst bis zum letzten Tag engagieren: "Ich werde weiterhin alles für das Schiedsrichter-Wesen in Bayern geben. Das ist meine Pflicht." Sein Nachfolger wird es in einem Punkt leicht haben, denn er übernimmt einen bestens organisierten Bereich mit sehr gut ausgebildeten Schiris, womit die Basis für die nächsten Jahre geschaffen wurde.