Sie sitzen hier alle nicht ganz freiwillig. "Ich bin hier, weil man den Erste- Hilfe-Kurs später für den Führerschein braucht", gesteht Julia Taschner, während der Lehrer fragt: "Wann ist die stabile Seitenlage notwendig?" Die Schüler lachen erstmal. Markus Nagel schaut geduldig in die Runde. Larissa meldet sich. "Wenn jemand bewusstlos ist", sagt die 15-Jährige aus der 9a.
"Richtig", sagt Markus Nagel, der am Gymnasium Ebermannstadt eigentlich Mathe und Physik unterrichtet. "Dann zeig uns doch mal, wie die stabile Seitenlage funktioniert, Larissa!"
Ein paar Mitschüler freuen sich, dass sie nicht auf die Matte müssen. Und vielleicht auch ein bisschen, weil der "normale" Unterricht für sie heute nicht auf dem Stundenplan steht. Der Lehrer hat damit kein Problem. "Der Erste Hilfe-Kurs soll ja auch Spaß machen", sagt er später. Die Jugendlichen dürfen sich unbefangen dem ernsten Thema zuwenden. Jetzt darf sich Larissa ein "Opfer" aussuchen.
Das ist schnell gefunden. Eva Erlwein legt sich auf die gelbe Matte. Larissa spricht das "Opfer" Eva an. Keine Reaktion von Eva. "Offensichtlich bewusstlos", diagnostiziert Larissa. "Die Atmung funktioniert. Ich bringe sie jetzt in die stabile Seitenlage." Mit den am Vormittag gelernten Handgriffen legt sie das "Opfer" in die richtige Position.

Magen ist auch nur ein Muskel


"Jetzt überstrecke ich den Kopf", sagt sie. "Warum?", fragt der Lehrer. "Damit sie sich nicht an ihrer eigenen Zunge verschluckt." Die Schüler haben schon gelernt, dass die Zunge auch nur ein Muskel ist. Und dass Muskeln streiken, wenn ein Mensch bewusstlos ist. "Die Zunge rutscht sonst an den Zungengrund und verschließt die Luftröhre", wiederholt Markus Nagel den medizinischen Hintergrund noch einmal, während Larissa vorsichtig den Kopf von Eva überstreckt. Mit Hilfe einer praktischen Übung versucht er den Schülern das Gelernte anschaulich zu erklären. "Wenn ihr euren Hals ganz gerade haltet, funktioniert das Schlucken ganz normal. Legt ihr aber euren Kopf in den Nacken, ist ein Schlucken nicht mehr möglich." So könne also gewährleistet werden, dass ein bewusstloses Opfer noch Luft bekommt. "Und warum eigentlich die stabile Seitenlage?", fragt der Lehrer. Die Schüler schauen kurz ratlos. "Damit das Opfer beim Erbrechen nicht erstickt." Schließlich sei der Magen auch nur ein Muskel. Und ein bewusstloser Mensch entleere nun mal schnell, quasi unbewusst seinen Mageninhalt. Mithilfe der stabilen Seitenlage könne verhindert werden, dass das Erbrochene über den Mund- und Rachenraum in die Lunge gerate. Die erste Übung ist geschafft.
95 Schüler der neunten Jahrgangsstufe nehmen heuer am Erste-Hilfe-Kurs im Gymnasium Ebermannstadt teil. Der Kurs ist freiwillig. Dafür lassen die Schüler nicht nur einen Vormittag den Unterricht sausen. Einen Nachmittag müssen die Teilnehmer auch "nachsitzen", um den Erste-Hilfe-Schein in der Tasche zu haben. "Viele kommen freilich, weil sie den Kurs für den Führerschein brauchen", sagt Markus Nagel. Aber das stört den Pauker nicht. Schließlich bleibe eine Menge nach den sechs Doppelstunden hängen. "Ich finde den Erste-Hilfe-Kurs gut, weil ich wissen will, wie man anderen Leuten in Notfall hilft. Jetzt fühle ich mich vorbereitet", sagt der 15-jährige Lukas Dörfler aus Reifenberg.

"Und was fehlt noch?"


"Ich finde es besser mit Schulfreunden den Kurs zu machen, weil es nicht so peinlich ist und man sich traut, mehr Fragen zu stellen", findet die 15-jährige Julia Teschner aus Leutenbach.
Dann haben die Schüler ein paar Minuten Pause. Danach steht die Herz-Lungen-Wiederbelebung auf dem Programm. Und auch über den Katastrophenfall lernen die Schüler an diesem Tag noch etwas. "Die Jugendlichen sollen einfach mal etwas über den Katastrophenschutz gehört haben", sagt der Lehrer. Schließlich komme die Bevölkerung mit Katastrophen heute gottlob kaum noch in Berührung.
"Und was fehlt noch?", fragt Markus Nagel. "Die Decke, damit das Opfer nicht unterkühlt", antwortet Larissa,. Aber das können sich die Schüler heute schenken. Für den Ernstfall wissen sie jetzt ja, wie man richtig Erste Hilfe leistet.