Routiniert fährt Otto Preller mit seinem Auto aus der Garage. Sie sieht ziemlich eng aus. Nach links und rechts ist kaum Spielraum. "Das ist zwei Meter 37 breit, das ist doch normal", sagt er trocken. Und dann geht die Fahrt auch schon los. Am liebsten fährt der 85-Jährige in den Wald rund um Unterleinleiter, hier kommt er zur Ruhe. Im Radio läuft Volksmusik. Preller fährt gern Auto, das merkt man ihm auch gleich an. Er genießt es, zu lenken und zu schalten. In 60 Jahren hatte er keinen einzigen Unfall.

"Da bin ich schon stolz drauf", freut sich der einstige Maurer-Vorarbeiter. Am 8. Mai 1952 machte er in Ebermannstadt seinen Führerschein. Fünf Autos ist er seitdem gefahren. Sein erstes war ein VW Käfer. Heute fährt er einen Opel Agila. Preller fährt häufig zum Einkaufen nach Forchheim oder zum Arzt nach Ebermannstadt. Viel unterwegs war er vor allem, als er noch arbeitete, manchmal bis nach Nürnberg. Und dabei ist nie etwas passiert. Nur ihm hat ein Milchfahrer mal den Kotflügel weggefahren. Der Schaden konnte aber behoben werden.
Das Weiteste, das er mit dem Auto selbst gefahren ist, war Danzig. Dreimal machte er in der polnischen Stadt Urlaub. Ihm gefällt es dort, obwohl er mit Polen auch schreckliche Erinnerungen verbindet. Vier Jahre lang war er in tschechischer, polnischer und russischer Kriegsgefangenschaft. 1949 kam er zurück nach Unterleinleiter. Kurze Zeit später lernte er seine Ehefrau Margarethe kennen, sie haben zwei Kinder.

Inzwischen fährt Preller schon etwas vorsichtiger als früher. "Heute muss ich schon Obacht geben. Wenn man älter wird, reagiert man nicht mehr so schnell", betont er. Aber: "Solange ich fahren kann, fahr' ich auch. Nur wenn ich merk', es geht nicht mehr, hör' ich auf."

Sehfähigkeit überprüfen

Preller fährt souverän, trotz seines Alters. Doch das muss nicht so sein. Mit zunehmenden Alter kann eine Fahrt auch immer mehr zur Herausforderung werden. Das weiß auch Fahrlehrer Roland Koch aus Trailsdorf: "Es wird nie jemand sagen, es geht nicht mehr. Das gestehen sich vielleicht zwei Prozent ein, der Rest lügt sich in die eigene Tasche."

Er kennt niemanden im älteren Semester, der selbstkritisch seinen eigenen Fahrstil bewertet und seinen Führerschein freiwillig abgegeben hat. Dafür immerhin einige wenige ältere Steuermänner, die den Führerschein zwar noch besitzen, das Auto aber stehen lassen.

"Das kommt schleichend. Man sollte an sich selbst, aber auch an die anderen Fahr teilnehmer denken", mahnt der 38-Jährige. Deswegen hält er es für sinnvoll, die körperliche Eignung zum Autofahren regelmäßig beim Arzt testen zu lassen. Auf freiwilliger Basis. Er empfiehlt: "Ab 30 oder 35 sollte man alle zehn Jahre die Sehfähigkeit überprüfen lassen. Ab 50 auch einfach mal ein Reaktionstest."

Seiner Meinung nach müsse man aber auch unterscheiden: Viele ältere Menschen würden von sich behaupten: "Ich bin bisher ohne Brille gefahren, da brauche ich jetzt auch keine mehr." Andere nehmen dagegen noch einmal extra Fahrstunden, um ihre Fahrtauglichkeit aufzufrischen. Wenn Koch das selbst als Fahrlehrer auch nur einmal erlebt hat. "Der Fahrer war um die 70 Jahre alt und er hat es dann auch gelassen. Er fährt kein Auto mehr", erzählt er.

Otto Preller genießt es derweil, weiter mit seinem Auto in Unterleinleiter und Umgebung zu fahren, so lange er eben noch kann.