Begeisterung und Bedenken der Stadträte lagen nahe beieinander. Die Firma Siemens will in Forchheim eine Kindertagesstätte bauen. "Seit sieben Jahren haben wir so etwas gefordert", erinnerte Lisa Hoffmann (SPD). Grundsätzlich waren am Mittwoch im Haupt- und Kulturausschuss alle angetan von der Idee.
Aber Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) gab auch zu bedenken, dass die betriebseigene Tagesstätte "den Haushalt der Stadt im Jahr 2013 mit einer Million Euro belasten wird". Zwar werde man von dieser Million einen Großteil über Zuschüsse wieder zurückerhalten; aber rund 345 000 Euro würden am Stadthaushalt hängen bleiben.
Hintergrund des Projektes: Siemens will seinen hiesigen Standort ausbauen und 2000 neue Arbeitsplätze nach Forchheim bringen. "Zu viele offene Fragen", monierte Manfred Hümmer. Für welchen Bedarf werde hier eigentlich geplant, fragte der FW-Rat. Da werde eine "Heidensumme" ausgegeben für Kinder, die nicht aus Forchheim kämen. Und ob die Eltern, die von der Betreuung profitierten, "langfristig ihre Arbeitsplätze in Forchheim haben werden, ist rein hypothetisch".
"Vorbildhaft", urteilte Thomas Werner (CSU). Hier engagiere sich eine Firma im Sinne der Arbeitnehmer. Junge Akademikerinnen könnten nur über solche Einrichtungen in den Berufen gehalten werden.

Andrang bei den "Rotznasen"


Gabriele Obenauf ist für die Forchheimer "Bedarfsplanung" zuständig. Sie sagt, dass die Stadt noch rund 100 Krippenplätze benötige. Thomas Werner erinnerte daran, dass in vielen Kindergärten neu geplant werde. Etwa in St. Johannis, in Don Bosco oder bei den Rotznasen in Buckenhofen.
Gerade die Kinderkrippe in Buckenhofen zeigt, wie groß die Nachfrage ist: Diplompädagogin Anja Sauerborn, eine von sechs Erzieherinnen bei den "Rotznasen", sagt, dass für Februar über 30 Anmeldungen vorlägen. Bestenfalls zehn Kinder könnten neu aufgenommen werden. "Den meisten Eltern müssen wir absagen, es gibt viel zu viele Anfragen." Betriebseigene Tagesstätten hält Anja Sauerborn. "für berechtigt", allerdings liege der Siemens-Standort "An der Lände" für Forchheimer Eltern "nicht besonders günstig".
Die Siemens-Tagesstätte wird für 61 Kinder (davon 36 Krippenplätze) gebaut. Forchheimer Kinder werden hier nur dann unterkommen, wenn die Plätze von Siemens nicht beansprucht werden. Aus diesem Grund forderten Heinz Endres (FBF) und Sebastian Platzek (FDP), mit Siemens zu verhandeln, um die "Summe zu drücken" (Platzek).
Dagegen regte Anita Kern (SPD) an, den Bau der Tagesstätte als "langfristige Investition" zu sehen. Auch andere Firmen sollten gefragt werden, ob sie in das Projekt "integriert werden können".
Analog zum Gastschulbeitrag sind auch Ausgleichszahlungen fällig, wenn Kinder anderer Kommunen eine Forchheimer Einrichtungen besuchen. Auch deshalb sei die Tagesstätte fraglos sinnvoll, meinte Birgit Kaletsch (CSU): "Die Kosten kriegen wir in jedem Fall rein." Auch Franz Stumpf appellierte: "Wenn wir wirtschaftspolitisch denken, müssen wir es machen." Der Ausschuss legte sich aber noch nicht fest. Erst soll der "genaue Etat festgestellt" werden.