Wenn von Gründonnerstag an bis Karsamstag keine Kirchenglocken läuten, weil die Christen des Todes Jesu Christi gedenken, schlägt in Dormitz die Stunde der Schletterer. Eine Sage erzählt auch, dass die Schletterer den Kirchturm erklimmen, weil die Kirchenglocken in dieser Zeit nach Rom fliegen, um dort gesegnet zu werden. Am Abend des Ostersamstags kämen sie dann zurück, mit Süßigkeiten für die Kinder beladen.

Mit ihren von einem örtlichen Schreiner gefertigten Holzklappern, vom Volksmund "Schlettern" genannt, ziehen 26 Buben und Mädchen durch die Straßen. Bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht erinnern sie mit ihrem Holzklappern die Gläubigen an Gebet und Gottesdienste.

Dabei gilt eine genaue Ordnung: Ludwig Schmitt (Leiter des Jugendtreffs "Leuchtturm") hat der "Schletterjugend" ein Regelwerk aufgestellt. Darin heißt es etwa: Jugendliche, die ihre Erstkommunion absolviert haben, müssen ihre eigene "Schletter" mitbringen. Keinesfalls werden Ratschen akzeptiert. Wer zu spät kommt, wird mit einer Buße belegt. Oder: "Das Werfen von Eiern und anderen Gegenständen ist verboten und es dürfen auch keine Süßigkeiten eingesteckt werden." Schmitt schaut auch darauf, dass seine "Schletterer schön und deutlich mitsingen, nicht brüllen und sich stets anständig benehmen". Dann werde der Lohn beim "Eierzamschlettern" um so höher ausfallen.


Frühes Aufstehen ist anstrengend



Einer, der schon zum sechsten Mal mitmacht, ist der 15-jährige Lukas: "Es ist ganz schön anstrengend, bei jedem Wetter um vier morgens aufzustehen und um fünf Uhr bereits mit dem ersten Gebet zu beginnen, dem sich dann um acht Uhr das zweite anschließt, bevor man dann um elf Uhr den Engel des Herrn betet." Der Höhepunkt ist dann um 12 Uhr nach einem Gebet am Ölberg das "Schlettern" von der Brüstung des 53 Meter hohen Turms der Pfarrkirche "Zu unserer lieben Frau" aus.

Über eine schmale Treppe zwischen Holz- und Stahlträgern gelangt man hindurch und hinauf an den beiden großen Glocken vorbei. "Da kann es einem schon ganz schön mulmig werden, wenn man über die niedrige Brüstung in 32 Metern Höhe hinunter auf das Dorf und seine Menschen schaut und dabei noch kräftig die Schletter schlägt." Trotzdem möchte Lukas keinen Tag missen, an dem er mitgeholfen hat, die Jahrhunderte währende Tradition zum Ruhme Gottes und Freude der Menschen weiter fortzuführen.

Der Tag endet mit dem Gang zur Kirche - unter dem ständigen Schlettern; wobei Ludwig Schmitt darauf achtet, dass die Buben und Mädchen wie schon in den zwei Tagen vorher dunkle Kleidung tragen.