Seit 1. März ist sie in der Kirche St. Johannis für die nächsten zweieinhalb Jahre zu Hause. Hier wird Brigitte Müller (35) ihr Vikariat, den praktischen und zweiten Teil ihrer Ausbildung zur Pfarrerin, absolvieren. Ihren ersten Stein legte sie mit einem Theologie-Studium, das sie mit dem ersten Examen in Erlangen abschloss. Doch zum Beruf der Pfarrerin kam sie ungewöhnlich über Umwege.

In ihrem letzten Jahr an der Fachoberschule entschied sich die gebürtige Nürnbergerin, eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei einem Tiefbauunternehmen zu absolvieren, von dem Brigitte Müller auch übernommen wurde. Nach drei Jahren Rohre verlegen holte sie doch ihr allgemeines Abitur nach und wählte in ihrem Entscheidungsjahr Theologie als Studienfach.


Kleine Steinchen auf ihrem Weg



"Es waren kleine Steinchen, die mich auf den Weg dorthin brachten", sagt Brigitte Müller. Bis zum Studium besuchte sie den Gottesdienst noch nicht regelmäßig. "Man wächst da erst rein," sagt sie. Brigitte Müller hat erst in den letzten Jahren für sich erfahren, dass der Gottesdienst etwas Wunderschönes ist und ihr gut tut.

Ihr erster Anknüpfungspunkt war der Kindergottesdienst in ihrer Heimatkirche Boxdorf, den sie im Alter von 14 Jahren mit vorbereitete. "Die Arbeit mit den Kindern war schön. Zu versuchen, den Glauben weiterzugeben und Geschichten zu erzählen". Sie hat den Wunsch, dass die Menschen das erfahren, was auch sie erfahren hat. "Das Kirchenangebot ist nicht wie ein Verein, verbunden mit Aufgaben, sondern bestenfalls spürt der Mensch, dass er hier eine umfassende Lebenserfahrung bekommt, die über ein Hobby hinaus geht," sagt Brigitte Müller.


Pfarrerin als Inspiration



Bei einer Osternacht des Kindergottesdienstes traf sie zum ersten Mal eine Pfarrerin: "Mich beeindruckte ihr Wissen und ihre Art". Da stand für Brigitte Müller fest, sie möchte mehr erfahren über Religion. Daher fing sie an, Theologie in Erlangen zu studieren: "Es war ein tolles Gemeinschaftsleben im Wohnheim, wo nur Theologiestudenten lebten". Dort lernte die angehende Pfarrerin auch ihren Mann kennen, der Pfarrer in der Gemeinde Kunreuth ist.

In den letzten Tagen hatte sie in Forchheim schon alle möglichen Begegnungen, die von internen Dienstgesprächen mit dem Pfarrer über den persönlichen Kirchenbesuch bis zum Festakt und Konfirmanden-Unterricht reichen. Die Fülle und Verschiedenartigkeit der Pfarrer-Tätigkeit reizt sie an diesem Beruf: "Vom Lebensanfang mit der Taufe bis zum Lebensende darf man die Leute begleiten."


Kunst ist ihr Steckenpferd



Sie freut sich auf die Menschen und auf das Predigen. "Und natürlich auf meine Einführung am Sonntag, 11.März, um 09.30 Uhr im Festgottestdienst in St. Johannis". In ihrer Ausbildung zur Pfarrerin in Forchheim sieht Brigitte Müller ihre Chance, mehr Kontakt mit der Kirchenmusik zu haben, auf der ein Schwerpunkt in St. Johannis liegt. "Und ich möchte schauen, ob ich mich im Vikariat ausprobieren kann, indem ich Kunst und Glaube ins Spiel bringen kann." Denn Kunst ist ihr Steckenpferd.