Ein Paar Kinderhände schlagen behutsam ein Ei auf. Ein anderes Paar umklammert konzentriert das Rührgerät, damit der Teig auch da bleibt, wo er bleiben soll, nämlich in der Schüssel.
Isabell Kreis passt an diesem Nachmittag auf die Kinder Alex (4), Anne (7) und Tamara (6), Annes Schulfreundin, auf. Zusammen zaubern sie leckere Schoko-Muffins. Das Kinderhüten ist aber nur eine von Isabells vielen Tätigkeiten. Sie ist weit mehr als eine Babysitterin.

Die 21-Jährige bezeichnet ihren Beruf als den "Service rund um den Menschen und sein Zuhause" und gibt ihrem Ein-Frau-Betrieb den Namen "Die gute Seele".
Ihr Aufgabengebiet ist weitreichend: "Von A wie Aufräumen bis Z wie Zeit nehmen und Zuhören ist alles dabei", beschreibt die junge Forchheimerin ihr Handwerk. Sie betreut sowohl Kinder als auch ältere Menschen, macht Besorgungsgänge, putzt, kocht oder kommt auch mal nur vorbei, um zu reden. In der hiesigen Region ist ihr Konzept einmalig. "Ich habe viel recherchiert, aber niemanden gefunden, der so etwas schon anbietet", erzählt sie ein wenig stolz.

Etwas Soziales und Sinnvolles


Nach dem Abschluss an der Hauswirtschaftsschule begann Isabell zunächst eine Ausbildung zur Hotelfachfrau. Die Arbeit habe ihr aber nicht gefallen. "Also habe ich mir überlegt: Was habe ich schon? Und was kann ich daraus machen?", sagt Isabell. Etwas Soziales und Sinnvolles sollte es sein, denn die Arbeit mit Menschen mache ihr Spaß, da fühle sie sich wohl.

Da ihr Vater bereits selbstständig ist und auch ihr Bruder Pläne habe, sich selbstständig zu machen, "lag es nahe, das auch zu tun", sagt sie und lacht. "Als die Idee noch gar nicht ganz ausgereift war, hat mich ein Freund meiner Eltern an eine Dame vermittelt, die ab und an jemanden zum Reden braucht, das war dann der Startpunkt".
Das war vor etwa einem Jahr. Mit einer Homepage im Internet (www.gute-seele-forchheim.de) und Flyern, die sie in Altenheimen, Schulen, Apotheken und auch Eisdielen auslegt, macht sie seitdem auf ihr Angebot aufmerksam.

Über so einen Flyer sind Nina und Christof Knöß zu Isabell gekommen. Sie sind beide voll berufstätig und haben lange nach einer geeigneten Betreuung für ihre Kinder Anne und Alex gesucht.
"Wir sind zugezogen, wir haben hier keine Oma, die mal schnell einspringen kann, wenn wir länger arbeiten müssen", erklärt Nina Knöß ihr Problem. Bei den meisten Anlaufstellen sei es so, dass man die Kinder selbst abliefern und wieder abholen müsse. "Das kostet Zeit. Isabell kommt zu einem nach Hause, auch an Wochenenden und Feiertagen. Das ist super."

Für jeden eine andere Rolle


Isabell weiß, dass ihre Kunden sie in ganz unterschiedlichen Rollen wahrnehmen: Familie Knöß sieht in ihr eine Art Verwandtschafts-Ersatz, für andere sei sie mehr eine Freundin zum Plaudern. Für Isabell selber stehe bei allem einfach das Helfen-Können im Vordergrund: "Das ist so ein schönes Gefühl." Es komme viel zu selten vor, dass Menschen einander zur Hand gehen. Sie seien einfach zu sehr auf sich selbst fixiert. "Viele reagieren auf Hilfe deswegen erst total überrascht, freuen sich dann aber. Diese Freude, die zurückkommt, macht mich glücklich."
So auch an diesem Nachmittag, als sie Nina Knöß erleichtert seufzen hörte, weil sie einen kurzfristigen Termin nicht absagen musste.