Frisch, frech, fetzig und kein bisschen verstaubt klangen die Songs der neun Toubadoure, die 2014 zu fünf Jahren "Gesängnis" verurteilt worden waren, weil sie bereits damals das Publikum mit ihrer frohen Laune angesteckt hatten.

Die ERAAN, die europäische Regulierungsbehörde für anständige a-capella Nächte, in Gestalt von Caroline Potzner und Silke Guhl stimmte einem Auftritt des Ensembles zu. Franny Fuchs, die Leiterin des Auswahl-Chores "Fränk ´n feel" brachte es auf den Punkt: "Schade, dass nur die Gäste in diesem zu kleinen Raum die Darbietungen miterleben konnten."


Kerker, Kehlen, Chorgesänge

Die Situation im "Gesängnis" verdeulichte die A-Capella Formation den 200 Zuhörern im viel zu kleinen Rathaussaal mit dem "Tears for Fears"-Klassiker "Mad world", auf gut fränkisch: "Scheiß Welt". Das Volkslied: "Im tiefen Keller sitz' ich hier", das
bereits Ivan Rebroff in sein Repertoire aufgenommen hatte, lautete bei den Troubadouren "Im tiefen Kerker". Daraus wurden sie mit Hilfe des Publikums befreit, das immer wieder - ähnlich wie einst die Gruppe "Steam" - anstimmte: Na na, hey hey, lasst Troubadour frei". Das unterstrichen sie nach der fränkischen Version des Beatles-Songs "Yesterday" stimmgewaltig mit: "Die Troubadoure sind frei". Dabei saß ihnen schon wieder der Schalk im Nacken. Voll Lebensfreunde empfahlen sie - wie die Couplet-AG - dem Publikum als Allheilmittel ein Gläschen Eigenurin. "Gezapft am Morgenstrahl, das Ganze körperwarm, dann hilft´s auf jeden Fall; fest eingerieben oder inhaliert und man sofort darauf die Heilung spürt."

Im Mittelteil präsentierte der "fränkische Troubadour" Jürgen Leuchauer aus Nürnberg allerlei fränkische Gschichtla und unverfälschten regionalen Humor. So berichtete er von jenem Zecher, der nachts um vier heimkam. Geistesgegenwärtig fügte er den vier Rufen der Kuckucksuhr noch acht weitere hinzu. Und wähnte sich in Sicherheit. Doch am nächsten Tag forderte ihn seine Frau auf, die Kuckucksuhr zu reparieren. "Da stimmt was nicht", meinte sie, denn "nachts um vier hat der Kuckuck zwölfmal gr´ufn, dann hodd er gscheid grülpst und in die Küchn nei gschpiea."

Mit den Liedern der Nürnberger Musikbarden Maximilian Kerner, der den "Hartmann-Schorsch aus Zieglstaa" besingt oder von Hermann Strebel, der bekennt, dass fränkisch doch "der allerschönste Dialekt" ist, unterstreicht Leuchauer, dass er eine Mission hat: "Halten Sie den Dialekt in Ehren" appelliert er an das Publikum am Ende seines Auftritts. Das hat er bereits vorher einmal getan, als er erklärt hat, dass die Dialekte am achten Tag der Schöpfungsgeschichte entstanden seien. Sachsen, Bayern, Preußen, Hanseaten, Wiener, Kölner, Schlesier, alle hätten einen Dialekt bekommen. Nur der Franke nicht. Als er sich traurig an den lieben Gott wendet, tröstet er den Franken und sagt: "Dou de ned oo, dann redsd hald a suu wäi ii."


Perfekter A-capella-Gesang

A-capella Gesang in Perfektion bot der 31-köpfige Auswahlchor "Fränk ´n feel" mit Sängern und Sängerinnen aus ganz Franken unter der Leitung von Franny Fuchs, die mit verschiedenen Chören Preise eingeheimst und ein Förderstipendium als Dirigentin vom Deutschen Musikrat bekommen hatte. Mit Versionen von Songs wie "Walking" von "Earth, Wind & Fire", des Madonna-Hits "Like a Prayer" oder "Run to you" von Whitney Houston zeigte die Formation die gesamte Bandbreite ihres Könnens - von schwungvoll und mitreißend bis lyrisch und gefühlvoll. Hätte es eines Beweises bedurft, dass Chorgesang faszinierend, fesselnd und erfrischend modern ist, lieferte ihn die Inszenierung des Alice-Cooper Hits "School ´s out". Choreografin Regina Kolb, die zunächst Kirchenmusik studiert, an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig eine Gesangsausbildung absolviert hatte und auf Konzertpodien und Bühnen aktiv war, hatte mit dem Auswahlchor eine Show einstudiert, die allein den Besuch der Kunreuther A-Capella und Comedy Nacht gerechtfertigt hätte.