"Wenn andere anfangen, Mutter zu werden, bin ich schon fertig", scherzt Michaela. Sie war fast selbst noch ein Kind, als sie ihr eigenes auf die Welt brachte. Doch das war für sie nie ein Problem: "Ich habe meinem Teenieleben nie hinterher getrauert." Sie ist glücklich und stolz, eine junge Mama zu sein. Und: "Ich glaube, er ist auch ein bisschen stolz auf seine Mama." Er heißt Kevin und ist heute acht Jahre alt.

Kevin war nicht geplant. Aber gewollt. Michaela war erst 15 Jahre alt, als er geboren wurde und sich mit einem Mal alles veränderte. "Ich werde oft gefragt, ob er mein Bruder ist", erzählt die heute 24-Jährige aus Neunkirchen am Brand. Das war schon damals so, als sie mit ihm im Kinderwagen durch die Nachbarschaft lief, und ist auch noch heute so, wenn sie ihn beim Fußballspielen anfeuert.

Kevin hat sich lange nicht bemerkbar gemacht. Erst im sechsten Monat merkte Michaela, dass etwas nicht stimmte. Ein Schwangerschaftstest brachte die Gewissheit: Sie erwartete ein Kind. "Ich konnte es erstmal nicht wahrhaben", erinnert sie sich. Die Frauenärztin bestätigte die Schwangerschaft: "Herzlichen Glückwunsch, Sie sind in der 22. Schwangerschaftswoche", eröffnete sie Michaela. Der Schock saß tief. Nur noch drei Monate bis zur Geburt. Viel Vorbereitungszeit blieb da nicht. Da kam es ihr zugute, dass sie mit fünf Geschwistern aufwuchs. Das Quali machte sie - hochschwanger - eher noch nebenher.

"Meine Familie stand von Anfang an hinter mir. Das ist auch wichtig, diesen Halt braucht man", findet die junge Mutter. Alle freuten sich auf das Kind. Ihr Vater, Busfahrer in Forchheim, fuhr sogar hupend durch die Stadt, als er am Telefon erfuhr, dass seine Tochter tatsächlich schwanger ist. Nur Michaelas Mutter hatte anfangs Bedenken. Sie hatte Angst, machte sich Sorgen. Eine Abtreibung oder Adoption kam aber nie in Frage.

Einzig Michaelas damaliger Freund kam mit der neuen Situation überhaupt nicht zurecht. "Er hat es nicht verkraftet", ist sie sich sicher. Nach der Geburt Kevins zog der damals 17-Jährige zwar in Michaelas Elternhaus, war aber viel lieber mit Freunden und auf Partys unterwegs, als sich um sein Kind zu kümmern. Kevin war noch keine zehn Monate, als sein Vater auszog und aus seinem Leben verschwand. Heute weiß Michaela nicht einmal, wo er wohnt. Unterhalt zahlt er nur zum Teil. Kevin hat seinen Vater schon fast ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen. Und auch vorher machte sein Vater sich mehr als rar. "Sein Desinteresse macht mich traurig", sagt Michaela. An Kevins Geburtstagen oder Weihnachten rief er bisher nie an. Statt dessen zettelte er einen Vaterschaftstest und einen Sorgerechtsstreit an. Der endete vor Gericht - zugunsten von Michaela. "Er kann seinen Sohn jederzeit sehen, aber Kevin braucht einfach auch eine gewisse Regelmäßigkeit, die er ihm zur Zeit aber nicht geben kann", bedauert Michaela.

Aber sie kommt allein zurecht: "Manchmal wird es einem schon zu viel. Aber auch wenn es anstrengend ist, ich will es ohne Hilfe schaffen." Und das tut sie auch. Als Kevin zwei Jahre alt war, entschied sie sich - mit 17 Jahren - auf eigene Beinen zu stehen und zog zuhause aus. Ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau meisterte sie nebenbei. Zur Zeit jobbt sie in einer Pizzeria, möchte aber möglichst nächstes Jahr eine neue Ausbildung zur Bürokauffrau beginnen. Dann wechselt Kevin die Schule. Am liebsten möchte er auf die Realschule.

Aber auch wenn es manchmal stressig ist - ohne Kind könnte sich Michaela ihr Leben nicht mehr vorstellen. "Das wäre doch langweilig", findet sie. Für sie gibt es nichts Schöneres, als mit ihrem Sohn zu schmusen und "herumzukaspern". "Ich finde es total schön, Mutter zu sein", freut sie sich. Und letztlich sei es kein Unterschied, ob man früh oder erst später Mutter werde. "Es ist und bleibt das erste Kind, ob ich 15, 30 oder 35 Jahre bin", meint Michaela. Ob sie weitere Kinder will, weiß sie aber noch nicht. Das möchte sie vorerst offen lassen: "Nur, wenn ich verheiratet bin. Weil dann habe ich einen festen Partner."

Die Freude hielt sich in Grenzen


Carolin ist dagegen bereits zum dritten Mal schwanger. Im August erwartet sie ein Mädchen. Ein Wunschkind. Sidney, neun Jahre, und Calvin, sechs Jahre, waren es dagegen nicht. Sie sind "passiert" - trotz Pille. Als die heute 26-jährige Carolin aus Forchheim zum ersten Mal schwanger war, wohnte sie bei ihrem damaligen Freund und Vater der ersten beiden Kinder. Mit ihren Eltern verstand sie sich nicht sonderlich. Sie fühlte sich von ihnen eingeengt, in ihrer Freiheit eingeschränkt. Sie wollte ihre Jugend genießen.

Doch dann kam alles anders: Ihre Periode blieb aus - der Schwangerschaftstest zeigte zwei Striche. Positiv. "Das war so, als hätte man mir einen dicken, fetten Regelkatalog hingelegt. Wie Handschellen", erinnert sich Carolin. Die Freude über die Schwangerschaft hielt sich zunächst in Grenzen. Vor allem Selbstzweifel, ob man der Verantwortung schon gewachsen sei, überrannten die damals 15-Jährige während der Schwangerschaft immer wieder. Sie suchte Rat beim Jugendamt, denn nach Hause zurück wollte sie auf keinen Fall. Stattdessen zog sie nach der Geburt von Sidney in die Einrichtung "Jule" in Eggolsheim. Nach einem Jahr suchte sie sich mit der Tochter etwas Eigenes. Zunächst ohne den Vater. Erst als sich vier Jahre später das zweite Kind ankündigte, zogen sie zusammen. Aber auch Calvin war alles andere als geplant. "Im Kopf hatte ich mich eigentlich schon von meinem damaligen Freund getrennt", erzählt Carolin. Sie wusste nicht, ob sie das Kind behalten sollte.
Als Calvin keine drei Jahre alt war, trennte sie sich von seinem Vater. Heute besteht kein Kontakt mehr. Nicht mal an den Geburtstagen der Kinder. Inzwischen sagen Sidney und Calvin zu Carolins jetzigem Lebensgefährten "Papa". Und schon bald bekommen die beiden ein Geschwisterchen. "Eigentlich war meine Kinderplanung abgeschlossen, aber der Kinderwunsch meines Freundes war einfach zu groß", erklärt Carolin. Nach dem dritten Kind ist für sie aber Schluss. Nach drei Kaiserschnitten möchte sie sich aus gesundheitlichen Gründen sterilisieren lassen.
Dass sie so jung Mutter geworden ist, bereut sie aber keineswegs: "Es hat alles Vor- und Nachteile. Man muss nur die Vorteile erkennen." Und ihre verpasste Jugend möchte sie nachholen. "Wenn Sidney 20 Jahre ist, bin ich ja erst 36", freut sie sich.