Kurz vor dem Beginn der Faschingsferien machten sich die Schüler des Astronomiekurses am Gymnasium Fränkische Schweiz (GFS) in Ebermannstadt zusammen mit den Physiklehrerinnen Elke Schneider und Evi Keppner-Rappl auf den Weg zu einer spannenden Exkursion ins Reich der Astrophysik. Das ESO-Supernova ist ein Planetarium mit astronomischer Ausstellung direkt neben dem Hauptsitz der Europäischen Südsternwarte (ESO) am Forschungscampus in Garching bei München.

Das Zentrum, das erst im April 2018 eröffnet wurde, fasziniert bereits durch seine außergewöhnliche Architektur. Das neuartige Design des Gebäudes ähnelt dem eines engen Doppelsternsystems, in dem Masse von einem Stern zum anderen übertragen wird. Diese Konstellation führt letztlich dazu, dass der schwerere Stern als Supernova explodiert, die kurzzeitig so hell strahlt wie das Licht aller Sterne der Milchstraße zusammen.

Show im Planetarium

Entsprechend wurde als Name für das Besucherzentrum ESO-Supernova ausgewählt. Neben Ausstellungen und Führungen bietet die Supernova Planetariumshows, in denen auch die neuesten Beobachtungsergebnisse der ESO-Teleskope präsentiert werden, sowie mehrere Workshops zu verschiedenen Lehrplaninhalten.

Zunächst erhielten die Schüler eine geführte Tour durch die faszinierende interaktive Astronomieausstellung. Unter dem Titel "Das lebendige Universum" werden hier auf über 2000 Quadratmetern reiner Ausstellungsfläche Themen wie das Sonnensystem, Exoplaneten, die Sternentwicklung, Galaxien, Kosmologie und Technologien der Sternbeobachtung ebenso anschaulich wie lehrreich präsentiert. Geleitet wurde die Ausstellungstour durch eine Doktorandin der Astrophysik, die den Schülern fachkundige Antworten auf zahlreiche Fragen, etwa die nach der Wahrscheinlichkeit für extraterrestrisches Leben, geben konnte.

Unbekannte Strahlungsquelle

Die Kursteilnehmer hatten im Workshop "Das Unsichtbare sehen", der speziell für Oberstufenschüler angeboten wird, die Gelegenheit, in Kleingruppen eine unbekannte Strahlungsquelle unter Benutzung eines Satellitenempfängers auszumessen und die Messung am Rechner auszuwerten. Sie wandten dabei "echte" astronomische Techniken an, um herauszufinden, welche Art von Strahlungsquelle vorhanden war, und lernten, experimentelle Fehler einzuschätzen und zu vermeiden. Sie hatten somit eine einmalige Gelegenheit, in die praktische Arbeit eines Wissenschaftlers hineinzuschnuppern.

Größte geneigte Kuppel

Anschließend folgte der - nach einhelliger Meinung der Schülerinnen und Schüler - Höhepunkt des Tages: Der Besuch des digitalen Planetariums, das dank seiner modernen Visualisierungstechnik ein einmaliges Erlebnis ermöglicht. Es besitzt die größte geneigte Planetariumskuppel in Deutschland, Österreich und der Schweiz und vermittelt das Gefühl, nicht nur eine Show zu sehen, sondern sich mitten im Geschehen des Universums zu befinden.

Nachdem zunächst der aktuelle Nachthimmel und die bekanntesten Sternbilder des Nord- und Südsternhimmels gezeigt worden waren, entführte die Planetariumshow " Europas Weg zu den Sternen" die Zuschauer zu den Standorten der bedeutendsten Teleskope der ESO in die chilenische Atacama-Wüste. Es folgte ein Blick hinter die Kulissen des leistungsstärksten bodenbasierten Observatoriums der Welt, des VLT (Very Large Telescope), durch das neben der ersten Aufnahme eines Exoplaneten im Jahr 2004 die Bestimmung der Bahndaten für die Sterne, die um das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße kreisen, gelungen ist.

Zuletzt erhielten die Besucher einen Einblick in die Technik des im Bau befindlichen revolutionären "Extremely Large Telescope" (kurz ELT) der ESO, das einen aus 798 sechseckigen Spiegelelementen zusammengesetzten Hauptspiegel mit 39 Metern Durchmesser hat und das größte Teleskop der Welt für sichtbares Licht und das nahe Infrarot werden wird. Das ELT, das voraussichtlich 2025 in Betrieb genommen wird, soll grundlegende Beiträge zur Kosmologie leisten, indem es die Eigenschaften der ersten Sterne und Galaxien, der dunklen Materie und der dunklen Energie erforscht.

Im Bewusstsein, dass es noch viele unbeantwortete Fragen auf dem Gebiet der Astrophysik gibt, aber trotzdem reich an neuem astronomischen Wissen und Erfahrungen, kamen die Ebermannstadter Schüler am Abend von ihrer Studienfahrt zurück, zu deren Durchführung die Vereinigung der Freunde des Gymnasiums Fränkische Schweiz zur Freude der Zwölftklässler einen kräftigen Zuschuss gegeben hatte.