Ein knallender Böller und ein 18-Jähriger ging in die Luft. Weil ein Silvesterkracher in der Neujahrsnacht 2013/14 in der Nähe der beiden Angeklagten explodierte, verlor ein stark alkoholisierter junger Mann die Kontrolle über sich und schlug zu. Sein Bruder kam ihm zu Hilfe. Das Opfer erlitt eine Schädelfraktur, mehrere Hämatome und Prellungen am gesamten Körper, so dass es vier Tage im Rollstuhl sitzen musste. Am Montag wurde der Fall vor dem Forchheimer Amtsgericht verhandelt.

27 Zeugen waren zur Verhandlung vor dem Schöffengericht mit dem Vorsitzenden Jugendrichter Philipp Förtsch geladen worden. Doch nicht alle 27 Zeugen mussten aussagen: Denn die Pflichtverteidiger der Brüder, Rechtsanwalt Robert Glenk und Rechtsanwalt Felix von Pierer, hatten sich vor Verhandlungsbeginn mit Staatsanwalt Ralf Hofmann verständigt. Im Gegenzug zu einem vollumfassenden Geständnis wurde den beiden einschlägig vorbestraften Jugendlichen eine Bewährungsstrafe in Aussicht gestellt. Aber selbst wenn sich Staatsanwaltschaft und Anklagten-Vertretung einig sind, so stellten alle Seiten klar, kann eine Entscheidung nur vom Gericht kommen.

Verständigung bei Geständnis

Daher zog sich Richter Förtsch mit seinen Schöffen zurück und fasste einen Beschluss, in dem das Gericht die Verständigung für den Fall von Geständnissen vorschlug. Dabei sollte der 18-Jährige eine Jugendstrafe von einem Jahr (Untergrenze) oder einem Jahr und einem Monat (Obergrenze) jeweils zur Bewährung bekommen und einen Betrag von 1000 Euro an den Geschädigten bezahlen.

Für seinen Bruder, der zum Tatzeitpunkt 19 Jahre alt war, wurde eine Gesamtstrafe - also in Verrechnung mit einer bereits verhängten Strafe - von einem Jahr und sechs Monaten (Untergrenze) oder einem Jahr und sieben Monaten (Obergrenze) sowie eine Geldstrafe von 2000 Euro vorgeschlagen. Beide Brüder gestanden daraufhin die Taten.

Trotzdem mussten aus formalen Gründen der ermittelnde Polizeibeamte und der Geschädigte, der sogleich als Nebenkläger auftrat, gehört werden. Anhand der Aussagen dieser beiden Zeugen und der Geständnisse wurde klar, dass die Taten wie in der Anklage geschildert vorgefallen waren.

Demnach hatte der 18-Jährige, nachdem der Böller neben ihm explodiert war, ein Streitgespräch mit dem damals 37-Jährigen begonnen und im Laufe des Gesprächs zugeschlagen. Der Geschädigte versuchte sich zu wehren, wurde dann aber von den beiden Brüdern, unter anderem auch im Beinbereich, attackiert, woraufhin er stürzte. Selbst dann hörten die Tritte und Schläge nicht auf.

Ebenfalls in der Anklage war zur Sprache gekommen, dass der ältere der Brüder rechtsradikale Parolen und ausländerfeindliche Sprüche von sich gab. Aufgrund dieser Aussagen hatte die Kriminalpolizei Bamberg den Fall übernommen. "Es war das Wichtigste für mich, klarzustellen, dass keine rechtsradikalen Gesinnungen Schuld für diesen Angriff waren", erklärte der ermittelnde Kripo-Beamte. "Die Rufe waren dumm und ich war alkoholisiert", sagte auch der ältere der beiden Brüder in seinem Geständnis und wies alle Vorwürfe von Rechtsextremismus von sich.

Unter Alkohol sind sie eine Gefahr

"Es ist nicht einfach, ein komplettes Bild zu bekommen, weil es jeder anders wahrnimmt", sagte der Polizeibeamte weiter. Es sei aber klar, dass die beiden Brüder eine Gefahr seien, wenn Alkohol im Spiel ist. "Dann sind sie nicht mehr sie selbst", begründete der Polizist seine Aussage. "Das wissen sie aber selbst."

Der Hang zum Alkoholgenuss war auch Thema der Berichte der Jugendgerichtshelferinnen. Beide Brüder waren bei ihren vorangegangen Straftaten alkoholisiert und auch an Silvester stark angetrunken. Beim älteren der Brüder konnte ein Atemalkoholwert von 1,6 Promille festgestellt werden. Sein Bruder kam auf 1,3 Promille. Die jungen Männer sagten im weiteren Verlauf aus, dass sie nach der Tat den Alkoholkonsum eingeschränkt oder ganz aufgegeben haben. Sie stimmten auch einem einjährigen Alkoholverbot zu.

Nach Ende der Beweisaufnahme kam das Schöffengericht schnell zu einem Urteil. Die beiden Angeklagten wurden zu den vorher ausgemachten Bewährungsstrafen (Untergrenze) verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt jeweils drei Jahre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.