Zum Chorgroßereignis gerieten die "Lieder zur Blauen Stunde", die der Gesangsverein Hausen in der Kirche St. Wolfgang veranstaltete. Mit dabei waren neben drei verschiedenen eigenen Chorgruppen auch die Sänger des Lyra-Chores aus Roßtal. Die künstlerische Gesamtleitung hatte der langjährige Hausener Chorleiter Christof Kilian Goger, der in gleicher Funktion auch für die Roßtaler arbeitet. Wenn zwei Chöre denselben Chorleiter haben, liegt es nahe, auch gemeinsam zu musizieren. Im Oktober hatten die Hausener ein Gastspiel in Roßtal, einer 9000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Fürth. Jetzt erfolgte der Gegenbesuch.

Vor den Ohren der 160 Zuhörer in der Hausener Kirche entwickelte sich ein spannender, freundschaftlich ausgetragener Sängerwettstreit. Der Frauenchor der Gastgeber legte gewohnt sicher mit anspruchsvollen Stücken von Humperdinck und Schubert vor.

Die Roßtaler reagierten bei Stefan Nilssons "Gabriellas Sang" vor allem in den Soli zunächst etwas verhalten, steigerten sich aber im Verlauf des Abends zu einem abgerundet reifen Klang.

Der gemischte Chor Hausen - zahlenmäßig etwas kleiner als der Gastchor - zeigte sich dennoch ebenbürtig mit einer kraftvoll vorgetragenen Version des alten Abendliedes "Der Mond ist aufgegangen", unterstützt von Martina Heilmann am Keyboard. Allen Sängern war anzumerken, wie sehr sie sich durch die anderen Chöre zu Höchstleistungen anspornen ließen. Gewinner des Abends war ohne Zweifel das Publikum.

Im letzten Drittel des Konzertes sangen ohnehin alle Chöre gemeinsam in einem einzigen, 60 Kehlen starken Klangkörper Stücke von Brahms und Mendelssohn Bartholdy. Ein so großer, gut abgestimmter Chor hat im Landkreis Forchheim Seltenheitswert. Aber selbst diese beeindruckende Größe reichte Chorleiter Goger noch nicht.

Am Ende rekrutierte der 37-Jährige trickreich auch noch das Publikum samt Bürgermeister Gerd Zimmer als Zusatzchor. Zur Quantität gesellte sich auch erfreulich viel Qualität in der Musikauswahl. Chorleiter Goger bot ein breites Spektrum vom Kunstlied bis zur Volksweise, alles zum Thema "blaue Stunde". Als "blau" gilt in der Wissenschaft die kurze Zeitspanne zwischen Sonnenuntergang und völliger Dunkelheit. Christine Hammon, Erste Vorsitzende des Hausener Gesangvereins, nennt sie lieber "die verträumte Stunde" und hatte mit ihren Helfern die Kirche stimmungsvoll mit blauen Kerzen und blauem Scheinwerferlicht geschmückt.

Beim Dekorieren hatten auch die Kleinsten aus dem Hausener Kinderchor geholfen. Stolz trugen etwa ein Dutzend Kinder im Vorschulalter die selbst gebastelten Sternlaternen vor sich her, während sie das bekannte Sandmannlied vortrugen. Unter der fürsorglichen Leitung von Gabriela Frank absolvierten viele den allerersten Auftritt ihres noch jungen Lebens. Um die Zukunft des Hausener Gesangsvereins muss man sich also keine Sorgen machen. Karin Stammler