Für die Literatur-Veranstaltungsreihe "Blätterwald" waren in diesem Jahr wieder Autoren nach Forchheim eingeladen worden, darunter Katharina Down mit der Vorstellung ihrer Buchtrilogie "Die Ritter des Roten Berges". Coronabedingt mussten alle Lesungen abgesagt werden. Katharina Down, die im Rahmen der geplanten Lesung ihre alte Heimat Franken besucht hatte, ist zwischenzeitlich zurück in England, wo sie seit über 20 Jahren mit ihrer Familie lebt. Zu ihrem Thema "Franken und Forchheim zur Zeit der Ritter" gibt es auch ohne "Blätterwald" Lesetipps für lange Winterabende und Anregungen für einen kleinen mittelalterlichen Forchheimer Stadtspaziergang.

Interview mit der Autorin

Zu Ihren Lieblingsbüchern aus Kindertagen gehört "Die Kette der Dragomira" von Gabriele Bayerlein. Was hat Sie daran so fasziniert?

Katharina Down: Mich hat es schon immer beeindruckt, wenn Erzählungen tatsächlich stattgefunden haben oder zumindest einen wahren Kern haben. Ich habe auch alle anderen Bücher von Gabriele Bayerlein verschlungen, egal, in welcher Epoche sie spielten - von der Steinzeit zur Keltenzeit bis hin zum Mittelalter. Diese Faszination hat mich nie wieder losgelassen. Ich habe nach meinem Schulabschluss auch Geschichte an der University of Oxford studiert mit Schwerpunkt auf dem frühen und späten Mittelalter.

Warum haben Sie sich in Ihrer Trilogie für die Festung Rothenberg und damit für die Geschichte Frankens entschieden?

Ich bin in der Nähe der Festung Rothenberg aufgewachsen. Für mich war es die beeindruckendste Festung, so hoch oben auf dem Berg. Ich wusste, falls ich einmal einen Roman schreiben würde, dann würde er an diesem Ort spielen. Trotzdem war ich dann überrascht, als ich durch meine Recherchen herausfand, wie interessant die Geschichte der ehemaligen Burg tatsächlich ist. Zum Beispiel waren während der Jahre der Ganerbschaft fast alle Familien des fränkischen Landadels auf der Burg vertreten. Fortwährende Fehden mit Nürnberg und Bamberg führten dazu, dass 1501 Truppen des Bamberger Bischofs den Ort Schnaittach am Fuße des Rothenbergs überfielen und abbrannten. Aber es gibt auch schöne Geschichten zur ehemaligen Burg Rothenberg zu erzählen wie beispielsweise die Sage des Goldenen Harnischs, die meinem ersten Buch den Titel verlieh.

Hatten Sie geahnt, dass es ein so umfangreiches Projekt werden würde?

Es war ein nicht geplanter Schneeballeffekt. Je mehr ich recherchierte, desto mehr Fragen kamen auf und umso neugieriger wurde ich. Nach fünf oder sechs Jahren hatte ich alles gelesen, was ich in Büchereien finden konnte. Die Lücken in den Quellen konnte ich durch Recherche in den Archiven in Amberg, Nürnberg und Lauf und in Gesprächen mit Experten einigermaßen füllen. Der Zeitraum, der für mich besonders interessant war, erstreckte sich von 1478, als 44 Ganerben die Burg Rothenberg kauften, bis 1555, als der Zweite Markgrafenkrieg endete. Um all dem Material gerecht zu werden und um alle Aspekte des spätmittelalterlichen Lebens abzudecken, wurde mir relativ schnell klar, dass mein geplantes Buch eine Trilogie werden musste.

Welche Lektüre liegt denn aktuell bei Ihnen auf dem Nachttisch?

Derzeit liegen gleich drei Bücher auf meinem Nachttisch. Alle drei verraten meine Liebe zu historischen Romanen. Leo Perutz' "Nachts unter der steinernen Brücke", mein absolutes Lieblingsbuch, das ich alle paar Jahre wieder in die Hand nehme. Und dann noch - zur Recherche meines aktuellen Buchprojekts - Geoffrey Chaucers "Canterbury Tales" und Giovanni Boccaccios "The Decameron".

Verraten Sie uns schon etwas zu diesem neuen Buchprojekt?

Für diesen Roman stütze ich mich zum Teil auf die Recherche zur Trilogie. Daher sehe ich es weniger als ein neues Projekt an, sondern vielmehr als eine Fortsetzung; allerdings in englischer Sprache. Ich versuche in dem Buch Leo Perutz zu ehren und durch die Geschichte einen Spiegel auf die Gegenwart zu werfen. Ich möchte die Wichtigkeit des Nicht-Vergessens thematisieren, und die Tatsache, dass wir immer wieder, durch die Jahrhunderte, die gleichen Fehler begehen und vor den gleichen Herausforderungen stehen.

"Die Ritter des Roten Berges" - Buchbeschreibungen

Nach mehreren Jahren intensiver Recherche hatte Katharina Down so viel Material zusammengetragen, dass aus dem ursprünglich geplanten historischen Roman die Trilogie "Die Ritter des Roten Berges" geworden ist. 2016 erschien das erste Buch der Trilogie im Fahner-Verlag: "Der Goldene Harnisch" entführt den Leser in einer packenden Erzählung ins Franken des späten Mittelalters und damit ins Spannungsfeld zwischen Landbevölkerung, Landadel und freien Städten. Im Zentrum des historischen Geschehens steht die Festung Rothenberg bei Schnaittach. 2017 folgte mit "Die Frauen Gottes" das zweite Buch nach. Darin werden die Frauen zur Zeit des Bauernkrieges und der Reformation in den Fokus gerückt: Die Burggräfin Barbara von Egloffstein und die Äbtissin Caritas Pirckheimer kämpfen in einer von Männern dominierten Gesellschaftsordnung um ihren Glauben und ihre Überzeugungen. Das dritte Buch der Trilogie wurde 2018 herausgegeben. Hier wird der Leser in das religiös tief gespaltene Deutschland in der Mitte des 16. Jahrhunderts versetzt. "Der Höllensturz" geht nicht nur auf die Kriegswirren, sondern auch auf das Leben der jüdischen Bevölkerung im Alltag beziehungsweise Kriegsalltag ein. Die Bücher sind im Buchhandel und Online erhältlich. Weitere Informationen gibt es im Internet.

Fünf mittelalterliche Forchheimer Schauplätze

In der Buchtrilogie "Die Ritter des Roten Berges" erhält der Leser auch viele Querverweise auf das mittelalterliche Leben im Forchheimer Raum. Das zweite Buch thematisiert die Zeit des Bauernkriegs, in dem 1525 auch die Forchheimer Bauern gegen die Obrigkeit - und gegen Würzburg - zogen. Das dritte Buch spielt zur Zeit des Zweiten Markgrafenkrieges: Forchheim war einer der Orte, die Markgraf Albrecht Alcibiades 1552 brandschatzen ließ. Und 1553, als der Krieg immer noch währte, verschanzte sich Bischof Weigand von Bamberg in Forchheim. Anlass genug also, in einer kleinen Zeitreise die Geschichte Forchheims und einige der mittelalterlichen Schauplätze in den Blick zu nehmen.

1007: Das neugegründete Bistum Bamberg wurde 1007 mit einer großzügigen kaiserlichen Schenkung bedacht. Bei dem Geschenk von Kaiser Heinrich II. handelte es sich um nichts weniger als den Königshof Forchheim und seine zugehörigen Ansiedlungen in der Gegend. Der neue Besitzer stellte jedoch auch aus Forchheimer Sicht keine schlechte Partie dar: Mit dem Aufstieg des Bistums Bamberg ging fortan das Wachstum Forchheims unmittelbar einher.

Um 1300: Schon im zwölften Jahrhundert hatte sich Forchheim zur Stadt entwickelt. Diese galt es bestmöglich zu verteidigen. Daher war der Stadtkern spätestens um 1300 bereits mit einer schützenden Mauer umgeben. Reste dieser ältesten Stadtmauer finden sich heute noch unter den nördlichen Scheunen des Krottentals. Von den vielen Stadttoren und Wachtürmen ist einzig der Saltorturm - der Wortbestandteil "sal" leitet sich von "Herr" ab - in Grundzügen erhalten geblieben.

1328: Im Jahr 1328 stiftete der Bamberger Chorherr Leopold von Hirschberg das Katharinenspital. Damit begann auch eine rege Bautätigkeit außerhalb der Stadtmauern. "Auf die grüne Wiese" wurde allerdings nicht gebaut, denn vermutlich geht das Spital auf eine noch ältere Niederlassung des Antoniterordens zurück. Zum Spitalensemble gehörten einst drei Spitalmühlen. So lässt sich auch die Lage direkt an der Wiesent erklären. Ein Gebäudeteil ist sogar über das Flüsschen hinausgezogen - die Sandsteinpfeiler stehen direkt im Fluss.

1354: Fürstbischof Leopold von Bebenburg wandelte die Pfarrkirche St. Martin im Jahr 1354 in ein Kollegiatsstift um. Dies hatte zur Folge, dass im Lauf der Zeit rund um die Kirche die sogenannten Kanonikatshöfe, also die Wohnhäuser der Geistlichen, errichtet wurden. Ins Stift eintreten durften die Kanoniker erst, wenn sie auch ein Haus gekauft hatten. Dem ehemaligen Kanonikatshof in der St-Martin-Straße 6 sieht man sein Alter noch an: Die durch sogenannte Knaggen gestützten Vorkragungen der Geschosse geben einen Hinweis auf die Erbauungszeit im späten 15. Jahrhundert.

1377: Heinz von Wiesenthau verkaufte 1377 einiges Stadtgebiet an Bischof Lambrecht von Brunn. Der konnte sich über wahrhaft geschichtsträchtigen Grund und Boden freuen. Wahrscheinlich befand sich nämlich die alte Kaiserpfalz der Karolinger auf diesem Areal, mindestens aber ein bischöfliches Haus, das sich auf Bautätigkeiten durch Bischof Otto den Heiligen (1102 bis 1139) zurückführen ließ. Lambrecht von Brunn gab jedenfalls sofort den Startschuss für eine weitere Forchheimer Großbaustelle und ließ an diesem Platz ein bischöfliches Schloss errichten. Der heute noch vorhandene Hauptflügel der "Kaiserpfalz", wie das Gebäude immer noch genannt wird, ist der älteste unter den noch erhaltenen Profanbauten Forchheims.

1552: 1552 war es dem Markgrafen Albrecht Alcibiades gelungen, die Stadt einzunehmen. Um das Bistum Bamberg besser schützen zu können, wurde nach Beendigung des Markgrafenkrieges daher unverzüglich dem Schultheißen Claus von Egloffstein die Rolle des Bauleiters zugewiesen. Das Bauprojekt: eine fürstbischöfliche bastionäre Befestigungsanlage nach modernen Maßstäben. Die Forchheimer Vororte wurden in den Bering aufgenommen; daher vergrößerte sich das Stadtgebiet in diesem Zuge erheblich. Obgleich die Anlage erst rund 150 Jahre später vollendet war, konnte sich die Festung Forchheim auch "im Bau befindlich" schon in den nächsten kriegerischen Auseinandersetzungen bewähren.

Quelle: Barbara Wenig: "Von Haus zu Haus - Ein Blick in die Geschichte Forchheimer Häuser", Stadt Forchheim, 1995.


Mehr im Netz: