Rechtzeitig zum Schulbeginn stehen damit die Schüler, nicht nur die aus Kirchehrenbach selbst, völlig ohne Schwimmunterricht da.
Als einzige, die wie die Löwen für das Hallenbad eingetreten waren, hatte sich die Fraktion der Freien Wähler für das "Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde Kirchehrenbach" in die Bresche geworfen.

Schlechter Gesamtzustand


An vorderster Front kämpften der Dritte Bürgermeister Georg Maltenberger und Heinz Kuhmann, die sich fast verzweifelt für ein Umdenken bei den anderen Fraktionen einsetzten, aber selbst bei ihren eigenen Mitstreitern auf Landkreisebene im Stich gelassen wurden.
Auch andere Schulen der Umgebung, von Pinzberg über Wiesenthau bis Pretzfeld, profitieren von der Möglichkeit, ihren Kindern in Kirchehrenbach das Schwimmen zu lehren - die Intensität ihrer Beteiligung war jedoch eher dürftig. Über zwei Doppelstunden pro Woche kam keiner hinaus.
Knackpunkt war aber wohl vor allem der schlechte Gesamtzustand des Hallenbades - marode Gesamttechnik und Leitungen, Legionellen- und andere Risiken, die nicht nur das Gesundheitsamt auf den Plan riefen. Was die meisten Ratsmitglieder in einen Zustand der Mutlosigkeit versetzte, waren die immer wieder neuen Zahlen, die von den unterschiedlichsten Seiten in den Ring geworfen wurden, um die Kosten zu beziffern, die angeblich nötig waren, um das Bad zu sanieren. Diese Skala schien nach oben offen zu sein, ein Ende nicht absehbar.

Angst vor kollektiver Haftung


Letztlich war es aber wohl die Aussicht, kollektiv in Haftung genommen zu werden, wenn doch etwas passierte. "In seinem derzeitigen Zustand kann das Bad nicht geöffnet bleiben", befand Bürgermeisterin Anja Gebhardt (SPD), der die Verwaltung bescheinigt hatte, dass sie als gesetzliche Vertreterin der Gemeinde hafte, da die Mängel spätestens seit März dieses Jahres bekannt seien, aber nichts unternommen worden sei, um sie zu beheben.
Für die Bürgermeisterin bedeutete es fast so etwas wie ein Stich ins Herz, als ihr die Freien Wähler vorwarfen, sie habe das Projekt Hallenbad nicht "mit genügend Herzblut" verfolgt. Aber die Mutlosigkeit, die sich - in der Sache fast ein wenig überraschend - breit machte, hatte längst weite Teile des Gemeinderates erfasst. Noch Georg Maltenberger hatte darauf hingewiesen, "das alles wird zu extrem dargestellt", und man solle keine übereilten Beschlüsse fassen. Die Freien Wähler hatten einen Antrag gestellt, man solle zuvor ein belastungsfähiges Gutachten beibringen, um festzustellen, welcher Betrag tatsächlich auf die Gemeinde zukomme. Doch schon Elke Albert (SPD) fragte unverblümt, ob man nicht noch einer Sache nachlaufe, die eigentlich schon längst verloren sei. Bernd Goldberg (CSU): "Das Hallenbad ist eine Luxussache. Und wenn ich das Geld dafür nicht habe, muss ich´s halt bleiben lassen."
Bürgermeisterin Anja Gebhardt hatte zuvor einen Betrag von 41 000 Euro in den Raum gestellt, der als Sofortmaßnahme nötig sei, um die schlimmsten Mängel zu beseitigen. "Diese Summe muss investiert werden, damit im September ein gefahrloses Baden möglich ist."
Wenn nichts geschehe, sei die Konsequenz klar: "Dafür kann und will ich die Haftung nicht mehr übernehmen." Das galt auch für ihren Stellvertreter Alfons Galster (CSU), und so waren es die beiden Fraktionen von SPD und CSU, die für die vorläufige Abschaltung des Hallenbads stimmten.