Doch vieles auf der 50 000 Quadratmeter großen Anlage der Jägersburg wird er nicht lassen können. Die Wohnräume des dreigeschossigen Gebäudes erstrecken sich über 3500 Quadratmeter. Vieles ist verwinkelt, entspricht nicht mehr dem Originalgrundriss. Der Graf will alles nachträglich Eingebaute rausreißen: "Schutt wird genügend anfallen."

Die Jägersburg ist für Fürstbischof Lothar Franz Graf von Schönborn von 1721 bis 1728 als Jagdschloss erbaut worden. Nach der Säkularisation war das Schloss bis 1805 in Staatsbesitz. Bis zum Jahre 1816 wurde hier eine Tabakfabrik betrieben. Dann wurde die Familie von Benzel zu Sternau Eigentümerin, später das Erzbistum. Hannfried Bentzels Großeltern wohnten mit ihren fünf Kindern in der Jägersburg.

Jetzt ist das gute alte Stück also wieder im Familienbesitz. "Ein hoch emotionales Projekt" nennt Sohn Benedikt Bentzel den Kauf des Schlosses. Den möglichen Kauf, muss man sagen. Denn die Heroldsbacher Grafenfamilie hat die Anlage vorerst nur gepachtet - für 25 Jahre. "Erst dann entscheiden wir, ob wir kaufen", sagt Hannfried Bentzel.

Nachdem das Altenheim in der Jägersburg vor vier Jahren seine Pforten geschlossen hatte, stand das Gebäude leer. Reihenweise reisten potenzielle Investoren an, machten Pläne - und ließen sie wieder fallen. Einer von ihnen ist der Nürnberger Ingenieur Ed Gardner. Seine Gesellschaft zur "Inventarisation und Dokumentation" versteht sich als "Dienstleister für Archive und Museen".

Ed Gardner hätte die Jägersburg also gerne museal genutzt und gleichzeitig Raum für Gastronomie geschaffen. Die monatliche Pacht der Anlage liege bei rund 1500 Euro. Aber alleine um die Installationen in Schuss zu halten, dürfe die Temperatur im Gebäude nicht unter 15 Grad Celsius sinken; das bedeute jährliche Heizkosten von 30 000 Euro. Und dann natürlich die Sanierung: "Acht Millionen Renovierungskosten" seien nötig, um die Jägersburg sinnvoll zu nutzen. Gardner wollte das Projekt mit öffentlichen Geldern, mit Unterstützung von Stiftungen und der Kirche unterfüttern. Doch nach zwei Jahren gab der Nürnberger Investor sein Vorverkaufsrecht und damit das Vorhaben auf: "Die öffentlichen Gelder haben nicht ausgereicht."

Die Familie Bentzel hat einen ganz anderen Ansatz: "Klein gehen wir die Sache an", sagt Benedikt Bentzel." Das sei der Unterschied zu einem Projektentwickler. Natürlich wolle man eines Tages auch "Einnahmen erzielen, doch die Jägersburg ist für uns ein Jahrzehnteprojekt".
Für Hannfried Graf Bentzel lautet die Parole: "Ran an das Original, keine kunsthistorischen Kompromisse." Da er kein Interesse habe, ein Hotel oder dergleichen einzurichten, werde er etwa auch keine Elektrik im Gebäude brauchen.

Millioneninvestition


Eine optimale Annäherung an das Originalschloss bedeutet für Bentzel zu allererst, "die Optik der ursprünglichen Fassade wieder entstehen zu lassen und die Ziegel zu erneuern." Sandsteinböden, Stuckdecken, und die Räume im Originalzuschnitt, so stellt sich der 72-Jährige die Jägersburg in zehn Jahren vor. "Eine Million, nicht mehr und nicht weniger", schätzt Hannfried Bentzel die Investitionen. Vielleicht können im Frühjahr 2012 schon die ersten Feiern, Ausstellungen oder Hochzeiten in der Jägersburg zelebriert werden. Vor all dem soll aber die Schloss-Kapelle wieder geöffnet werden. "Weil ich ein christlich-religiöser Mensch bin." Ihm liege viel daran, dass hier bald wieder Gottesdienste gefeiert würden.