Verlassen und verloren stehen sie da. Lenker an Lenker, Sattel and Sattel. Dicht gedrängt im dunklen Fahrradkeller der Stadt. "Das da hinten steht schon am längsten da", sagt Rita Rebl und knipst das Licht an. Die Polizei habe Nummer 99 am 27. Oktober 2011 allein am Straßenrand in der Nedergasse gefunden. Das Schloss baumelt unter dem Sattel. "Wahrscheinlich nicht abgesperrt", sagt die Frau vom Ordnungsamt und blättert weiter in ihrem dicken Aktenordner.

"Das da mit dem pinken Sattel und dem pinken Schloss", sagt Rita Rebl und deutet auf ein Kinderrad, das ausschaut wie ein Knallbonbon, das sei erst neulich, am 29. Mai, in den Abendstunden an der Regnitzbrücke in Burk von der Polizei entdeckt worden.

Verlaufen die Ermittlungen der Beamten im Sande, kommt Rita Rebl ins Spiel. Dann bekommt das Zweirad eine Nummer um den Lenker und reiht sich ein in die Schlange der einsamen Drahtesel. Insgesamt 59 fahrerlose Fahrräder warten derzeit in Forchheim auf ihren rechtmäßigen Besitzer. "Wir bewahren die Räder mindestens sechs Monate hier auf." Ausnahmen werden nicht gemacht. Erst nach einem halben Jahr werden die Räder versteigert. Zweimal im Jahr findet die Radl-Auktion vor dem Rathaus statt.

Eine paradoxe Sache


Freilich genießen ehrliche Finder ein Privileg. "Wenn das Rad nach einem halben Jahr immer noch nicht abgeholt wurde, kann es der Finder haben", sagt Rita Rebl. Fünf Euro müsse der dann bei ihr auf den Tisch blättern. Manche Finder fiebern regelrecht auf das Ende der Frist hin. Beispielsweise bei dem Herren-Trekking-Rad, dass Anfang Juni in der Apothekenstraße gefunden wurde. "Das ist doch wirklich tip-top", sagt Rebl anerkennend.

Daneben ein rotes Rennrad, das im November in der Frankenstraße einsam an einer Laterne lehnte. Seit 20 Jahren kümmert sich die Hallerndorferin um die Singles unter den Fahrrädern. Oft kämpft sie mit dem engen Fahrradkeller. Oder zeigt Herz. "Der Leiterwagen steht schon seit zwei Jahren da", sagt sie traurig. Sie hoffe immer noch darauf, dass der Mann den schicken Bollerwagen noch abholt. Regelmäßig gibt sie auch Fund anzeigen im Amtsblatt auf, damit der Fahrrad-Keller nicht überquillt. Aber das mit dem Fundrädern sei komisch.

Paradox irgendwie. "Die, die ihr Fahrrad wirklich vermissen und auch suchen, die finden es nicht", erzählt sie. Sie selbst hat ihr Rad freilich noch nie verloren. "Ich liebe mein Rad", sagt sie. "Das habe ich schon 16 Jahre, aber es fährt immer noch so gut."

Single-Treff für Räder


Wer sich für eines der einsamen Räder interessiert, der sollte sich den 27. Oktober dick im Kalender anstreichen. Dann findet die nächste Fahrrad-Versteigerung statt. Wem ein Rad im letzten Jahr abhanden gekommen ist, der sollte vielleicht vorher bei Rita Rebl vorbeischauen. Und wer ein Rad einsam in der Ecke stehen sieht, verlassen und verloren, der bringt es am besten auch zu ihr. Zum Single-Treff für einsame Lenker und Pedalen - in die Sattlertorstraße 5.