Im Forchheimer Amtsgericht geht die unlängst zu Ende gegangene Kerwa-Saison gewissermaßen in die Verlängerung. Der Sitzungssaal war zu diesem Anlass ungewohnt gut gefüllt. Vier Angeklagte mit ihren Verteidigern brachten es auf insgesamt knapp zehn Personen auf der Anklagebank. Elf Zeugen waren zudem geladen, von denen Amtsrichterin Silke Schneider allerdings einige wieder ausladen musste - wegen Urlaubs oder weil er sich zu Studienzwecken in Ungarn aufhielt.

Juristisch aufzuarbeiten war eine handfeste Keilerei in einer Gemeinde, die gemeinhin nicht als Schauplatz schlägernder Gruppen von Jugendlichen gilt. Es gibt sogar einen Jugendtreff im Dorfzentrum, und weil der Ort aus zahlreichen Dörfern besteht, hat bis auf wenige Ausnahmen auch jedes Dorf einen eigenen Jugendtreffpunkt vorzuweisen.


Allerdings waren die handelnden Personen jenem Alter längst entwachsen, in sie in ihrer jugendliche Kraftmeierei noch etwas Milde hätten beanspruchen können.

Hinzu kam, dass nur wenige Beteiligte einander kannten. Die auswärtigen Mitwirkenden dagegen konnten nicht abschließend identifiziert werden. Das hatte zur Folge, dass deren Verfahren am Ende niedergeschlagen werden mussten.

Nur als Zeuge geladen

In den Mittelpunkt der Auseinandersetzung rückten einige Zeugen einen jungen Mann, der am Tatnacht recht alkoholisiert beschrieben gewesen sein soll.

Im Ort war schon zuvor bekannt gewesen, dass er zum rechten Gedankengut tendiert. Nachts um drei Uhr soll laut Zeugen den Hitlergruß gezeigt haben. Vor Gericht stand der junge Mann jetzt allerdings nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge.

Das Wortpaar, das er im Zeugenstand mit Abstand am häufigsten verwendete war "keine Ahnung".
Seine Erinnerungslücken erklärte er mit dem Schock, der er erlitten hatte. Als die Schlägerei ihren Anfang genommen hatte, erwies sich die Security als von Beginn an überfordert. Wer da wem etwas in der Tatnacht angetan hatte, ließ sich mit den Aussagen der Sicherheitsleute nicht abschließend klären.

So will einer von einem anderen höchst schmerzhaft mit einer ins Bein gebissen worden sein, obwohl er ihm eigentlich hätte helfen wollte. Der vermeintlich Beißer wollte davon allerdings nicht wissen und stritt die Tat ab. Aber so ganz sicher war sich keiner, was in jener Nacht geschehen ist. Schließlich seien sie ja alle sturzbetrunken gewesen.

Ein Verteidiger brachte die verfahrene Situation treffend auf den Punkt: "Jeder ist bemüht, einem anderen zu helfen, aber am Ende sind alle blutüberströmt."

Denn es war von Tritten und Schlägen die Rede, von einem Monokelhämatom, von Rippenschürfungen, sogar von einer gebrochenen Nase und Würgemalen. Es schien, dass auch Richterin, Anklägerin und die Verteidiger alle im Verlauf der über dreistündigen Verhandlung allmählich den Überblick verloren hatten. Vor diesem Hintergrund stimmten sie nur zu gern stimmte der Einstellung der vier Verfahren zu.

Geldauflage für den Haupttäter

Nur der als Haupttäter geltende 24-Jährige musste sich mit einer Auflage begnügen. Sein Verfahren wurde gegen Zahlung von 300 Euro an eine gemeinnützige Organisation vorläufig eingestellt.

Die drei anderen kamen mit einer Einstellung ohne zusätzliche Bedingung davon.
Besonders seltsam aber war, dass der junge Mann nicht mit der Anklagebank Platz hatte nehmen müssen und auch sonst kaum gefragt war. Immerhin hatte er ja mit seiner Geste die ganze Sache erst ausgelöst.